myky

Interview: «Eingebrochen wird überall»

Interview ca. 3 Leseminuten in Zusammenarbeit mit Markus Friedli, Kantonspolizei Bern
Interview Einbruchschutz

Einbrechende kommen nicht nur nachts und längst nicht nur zu den Reichen: Sicherheitsexperte Markus Friedli erklärt im Interview, warum moderne Einbruchprävention weit über Technik hinausgeht, wo die häufigsten Schwachstellen im Alltag liegen – und weshalb der beste Tresor wenig nützt, wenn er falsch eingesetzt wird.

Experte in diesem Interview

Markus Friedli, Kantonspolizei Bern

Markus Friedli
Kantonspolizei Bern

Markus Friedli ist Fachbereichsleiter Beratung und Projekte bei der Prävention der Kantonspolizei Bern sowie Fachlehrer und Prüfungsexperte beim Verein Sicheres Wohnen Schweiz (SWS). Sein Schwerpunkt liegt auf Einbruchschutz und Prävention.

Das Wichtigste in Kürze

  • Einbruchschutz beginnt bei mechanischen Sicherungen wie einbruchhemmenden Türen und Fenstern, denn sie bieten den wirksamsten Widerstand gegen Einbrecher und Einbrecherinnen. Elektronische Systeme wie Alarmanlagen ergänzen den Schutz sinnvoll, ersetzen aber keine stabile Grundsicherung.
  • Bei der Sicherheitstechnik gilt, dass gut sichtbare Massnahmen abschreckend wirken können, jedoch nur in Kombination mit fachgerecht montierten Bauteilen zuverlässig schützen. Entscheidend ist eine auf das Gebäude abgestimmte Gesamtlösung statt einzelner Massnahmen.
  • Besonders gefährdet sind leicht zugängliche Bereiche wie Erdgeschossfenster, Balkon- und Terrassentüren sowie Kellerfenster. Wer sein Eigenheim systematisch prüft und Schwachstellen gezielt behebt, reduziert das Einbruchsrisiko deutlich.

Markus Friedli, wie hat sich der Einbruchschutz in den letzten Jahrzehnten entwickelt, wo stehen wir heute – und wohin geht die Entwicklung in Zukunft

Bei professionellen Beratungen wird heute viel mehr auf das Schutzbedürfnis der Kundschaft geachtet. Es stehen nicht in erster Linie die Sicherheitsmassnahmen im Fokus. Die angestrebten Sicherheitsmassnahmen sollen das persönlich Schutzziel erreichen und auch das subjektive Sicherheitsgefühl stärken. Es liegt auf der Hand, dass das Bedürfnis nach Sicherheit sehr unterschiedlich betrachtet wird.

Der Markt bietet in der heutigen Zeit für alle Bedürfnisse geeignete Sicherheitsprodukte an. Entscheidend aber ist die Frage, welche dieser Produkte und/oder Schutzmassnahmen den Bedürfnissen der Kundschaft gerecht werden.

Die Entwicklung in den vergangenen Jahren fand vor allem im elektrotechnischen Bereich statt: Die sogenannten intelligenten Smart-Home-Lösungen werden in Zukunft verbreiteter zum Einsatz kommen. Sie bieten tatsächlich auch Vorteile in Bezug auf den Einbruchschutz, vor allem wenn es darum geht, die Anwesenheit mit Licht und der Steuerung der Storen zu simulieren. Die klassische Einbruchmeldeanlage ersetzen sie hingegen nicht – noch nicht.

Was sind die häufigsten Schwachstellen in privaten Haushalten, die Einbrechende ausnutzen?

Der aktuelle Spitzenreiter sind Fenster und Türen, welche nicht geschlossen oder abgeschlossen sind. Die Anzahl der sogenannten Einschleichdiebstähle haben stark zugenommen.

Die Schwachstellen bei den klassischen Einbrüchen sind unverändert Fenster und Türen, welche einen ungenügenden Widerstand aufweisen.

Was sind die grössten Irrtümer, wenn es um Einbruchschutz geht?

Dass es nur die «Reichen» trifft. Nein, eingebrochen wird überall.

Wie kann ich mein Haus oder meine Wohnung am effektivsten gegen Einbrüche absichern?

Dies kann grundsätzlich erst gesagt werden, wenn das persönliche Schutzziel klar ist. Aber generell kann festgehalten werden, dass für die meisten Ratsuchenden nicht etwa der Sachwertschutz im Vordergrund steht, sondern der Schutz vor Einbrüchen, wenn die Leute zu Hause am Schlafen sind.

Ein solches Ziel kann beispielsweise mit mechanischen Sicherungen von Fenster- und Türzugängen gut und effektiv erreicht werden. Damit dies aber abschliessend beantwortet werden kann, empfehlen wir eine unabhängige Sicherheitsberatung durch die Polizei.

Service Teaser Experten

Suchst du die richtigen Expertinnen oder Experten für dein Projekt?

Finde geprüfte Fachpersonen in deiner Nähe und erhalte Unterstützung für deine Sanierung oder Modernisierung.

Welche Rolle spielen Fenster beim Einbruchschutz, und worauf sollte man besonders achten?

Über die Fenster finden statistisch gesehen die meisten Einbrüche statt. Aber nicht nur. Daher ist eine gesamtheitliche Betrachtung der Wohnung bzw. des Hauses entscheidend. Der Widerstand sollte überall in etwa denselben Level haben. Denn bei Einbrüchen gilt: Die Täterschaft sucht meist «den Weg des geringsten Widerstands».

Was halten Sie von elektronischen Türschlössern oder smarten Zugangssystemen

Die sind vor allem im Alltag praktisch, da man keinen Schlüssel braucht, welchen man dann auch nicht verlieren kann. In Bezug auf den Einbruchschutz haben diese Schösser eine untergeordnete Bedeutung, da in der Regel physisch eingebrochen wird.

Welche Fehler machen Menschen häufig beim Umgang mit Tresoren im privaten Bereich?

Viele bewahren wichtige Dinge im Tresor auf wie beispielsweise Verträge oder andere wichtige Dokumente. Dinge, welche Einbrechende zwar nicht interessieren, die dann aber trotzdem weg sind, weil darin Wertgegenstände oder Bargeld vermutet wird.

Der Name «Tresor» allein sagt zudem nichts über die Qualität des Produktes aus. Auch hier gilt zuerst zu klären, was soll der Tresor können und was soll darin aufbewahrt werden. Bei der Aufbewahrung höherer Wertgegenstände lohnt es sich zudem Rücksprache mit der Versicherung zu nehmen.

Wichtig ist auch, dass der Tresor in die gesamten Sicherheitsüberlegungen miteinbezogen wird.

Hausdossier V 2 500x500px Pos

Wie behältst du den Überblick über dein Wohneigentum?

Wo bewahre ich wichtige Dokumente auf? Wann ist welche Wartung fällig? Wie plane ich eine Sanierung richtig? Genau hier setzt myky an und schafft mit dem myky-Dossier Klarheit und Zugriff auf alles Wichtige an einem zentralen, sicheren Ort.

Wie sollte man sich verhalten, wenn man während eines Einbruchs zuhause ist?

Sich zu erkennen geben. Nicht die Heldin oder den Helden spielen und nicht versuchen, die Täterschaft zurückzuhalten. Anschliessend direkt den Notruf 112 oder 117 wählen.

Wie sollte man vorgehen, wenn man nach Hause kommt und feststellt, dass eingebrochen wurde?

Direkt den Notruf 112 oder 117 wählen und warten, bis die Polizei vor Ort ist, nicht in die Wohnung oder das Haus gehen, nichts anfassen.

Welche einfachen, alltäglichen Verhaltensweisen tragen am meisten zum Schutz vor Einbrüchen bei?

Türen und Fenster immer abschliessen, auch im Sommer und auch wenn man zu Hause ist. Einschleichdiebinnen und -diebe nutzen auch die Gelegenheit, wenn man im Garten oder in der Waschküche ist oder vor dem Fernsehen einschläft. Auch Fahrzeuge sollen immer abgeschlossen werden und darin sollen keine Wertgegenstände sichtbar aufbewahrt werden.

Zudem kann eine gute Nachbarschaftshilfe Einbrüche verhindern. Unterstützen Sie sich gegenseitig bei längeren Abwesenheiten und seinen Sie aufmerksam. Briefkaste leeren, Licht während der Dämmerung einschalten sind nur einige einfache Dinge, welche helfen können, Einbrüche zu verhindern.

Melden Sie verdächtige Wahrnehmungen umgehend der Polizei über den Notruf 112 oder 117.

Häufige Fragen

Themen in diesem Artikel

Artikel teilen

War dieser Artikel hilfreich?

Danke für dein Feedback!

Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuche es später erneut.

Newsletter V2 500x500px Pos

Tipps für dein Zuhause

Abonniere unseren Newsletter und erhalte regelmässig Tipps rund um dein Zuhause.