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Brandschutz in Hoch- und Mehrfamilienhäusern: So schützt du dich richtig

ca. 6 Leseminuten in Zusammenarbeit mit Simon Loosli, Gebäudeversicherung Bern (GVB)
Rauch steigt aus einem Fenster eines Hochhauses auf – Symbolbild für Brandschutz in Hoch- und Mehrfamilienhäusern.

Was gilt es baulich in Bezug auf Brandschutz in Mehrfamilien- und Hochhäusern zu beachten? Welche Vorkehrungen sollten seitens der Bewohnerinnen und Bewohner getroffen werden – und wie verhalten sie sich richtig im Brandfall?

Experte in diesem Artikel

Simon Loosli, Gebäudeversicherung Bern (GVB)

Simon Loosli
Gebäudeversicherung Bern (GVB)

Simon Loosli ist Brandschutzexperte bei der Gebäudeversicherung Bern (GVB). Er engagiert sich für einen verständlichen und verhältnismässigen Brandschutz und betreut die Region Seeland.

Das Wichtigste in Kürze

  • Brandschutz ist in Mehrfamilienhäusern und Hochhäusern besonders wichtig, da rund drei Viertel aller Brände in Wohnhäusern entstehen. Bauliche, technische und organisatorische Massnahmen müssen deshalb konsequent umgesetzt werden.
  • Bereits in der Planung gelten verbindliche Brandschutzvorschriften der VKF. Flucht- und Rettungswege wie Treppenhäuser und Korridore müssen korrekt dimensioniert und jederzeit frei zugänglich sein, damit Bewohnende und Feuerwehr im Ernstfall sicher handeln können.
  • Rauchmelder in jeder Wohnung erhöhen die Sicherheit deutlich und ermöglichen eine frühe Alarmierung. Zusätzlich sollten geeignete Löschgeräte vorhanden sein und deren Handhabung bekannt sein.
  • Im Ernstfall gilt der Grundsatz: Alarmieren – Retten – Löschen. Du verlässt das Gebäude sofort, benutzt niemals den Lift und kehrst erst nach Freigabe durch Feuerwehr oder Polizei zurück.
  • Auch im Alltag kannst du den Brandschutz im Haushalt verbessern, etwa durch korrektes Ausschalten von Elektrogeräten, sorgfältigen Umgang mit Kerzen und brennbaren Flüssigkeiten sowie durch freigehaltene Fluchtwege.

Brandrisiko in Wohnhäusern ernst nehmen

Von jährlich rund 10’000 Bränden, die die 19 kantonalen Gebäudeversicherungen verzeichnen, brechen drei Viertel in Wohnhäusern aus. Besonders in Mehrfamilienhäusern – und noch viel mehr in Hochhäusern – sollte der Brandschutz demnach gut ausgerüstet sein.

Brandschutz früh in die Planung integrieren

Die Vereinigung Kantonaler Feuerversicherungen (VKF) erarbeitet umfassende Brandschutzvorschriften. Sie bestehen aus der Brandschutznorm und den Brandschutzrichtlinien, welche die Grundsätze für den baulichen, technischen, betrieblichen und abwehrenden Brandschutz festlegen. Für Bauherrinnen und Bauherren, Generalunternehmen oder Baugenossenschaften ist es dabei verpflichtend, den Brandschutz am und im Gebäude bereits ab dem ersten Planungsstadium zu berücksichtigen.

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Flucht- und Rettungswege sind besonders wichtig

Besondere Aufmerksamkeit erfordern Fluchtwege wie Treppenhäuser, Korridore und Ausgänge. Sie sind so anzulegen, dass sie jederzeit rasch und sicher benutzt werden können. Die schweizerischen Brandschutzvorschriften der VKF definieren Anzahl, Länge, Breite und Ausführung der Treppenanlagen in Mehrfamilien- und Hochhäusern. Auflagen bestehen weiter unter anderem im Zusammenhang mit Bauteilen, Baustoffen, technischen Ausrüstungen und bei der Anordnung von Türen und Fenstern.

In allen Gebäuden müssen Flucht- und Rettungswege jederzeit freigehalten werden. Für die Feuerwehr muss der Zugang zu den Wohnbauten immer ungehindert gewährleistet sein. Treppenanlagen, Korridore und Ausgänge dürfen nicht zweckentfremdet werden; Schuhmöbel, Fahrräder etc. verwandeln sich in einem mit dichtem Rauch gefüllten Treppenhaus sofort zu gefährlichen Stolperfallen für die Flüchtenden und die Rettungsleute. Zudem bilden sie eine Brandlast an einem Ort, wo keine Brandlasten zugelassen sind.

Rauchmelder installieren und Brände früh bekämpfen

Die Beratungsstelle für Brandverhütung (BfB) empfiehlt, die Brandsicherheit durch den Einbau von Rauchmeldern in jeder Wohnung zu verbessern. Dies fällt meistens in die Zuständigkeit der Mietenden. Es ist empfohlen, dass Mehrfamilien- und Hochhäuser für eine erste Brandbekämpfung ausreichend mit Löschgeräten wie Handfeuerlöscher, Wasserlöschposten und/oder Löschdecken versorgt sind. Die Vermietende und Verwaltungen sollten die Mietenden dazu anhalten, zumindest die Anleitungen und Vorschriften im Umgang mit Löschgeräten durchzulesen.

Brandschutz in Einstellhallen beachten

Besonderen feuerpolizeilichen Regelungen unterliegen Einstellhallen, Werkstatt- und Lagerräume. Sie sind als Brandabschnitte zu erstellen und gegen Räume anderer Nutzung abzutrennen.

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Im Brandfall richtig handeln

Allen Sicherheitsmassnahmen zum Trotz: Ist ein Brand einmal ausgebrochen, muss sofort – und vor allem richtig gehandelt werden. Bei Brandausbruch gilt der Grundsatz «Alarmieren – Retten – Löschen». Dabei sollte ruhig und überlegt vorgegangen werden.

Für Mehrfamilien- und Hochhäuser gilt im Brandfall die gleiche Handlungsanweisung wie für Einfamilienhäuser: Das Gebäude verlassen und draussen bleiben.

Auf einen möglichen Brand vorbereitet sein

  • Suche alle Fluchtwege und merke dir die Standorte der Löscheinrichtungen und der Handfeuermelder, sofern solche vorhanden sind.
  • Sorge dafür, dass auch deine Kinder wissen, was zu tun ist.
  • Brandschutztüren verhindern oder verlangsamen die Ausbreitung von Rauch und Feuer. Blockiere diese Türen nie mit Keilen oder anderen Gegenständen.
  • Falls ein Fluchtweg über deinen Laubengang führt, sorge dafür, dass jederzeit ein freier Zugang gewährleistet ist.
  • In Mehrfamilien- und Hochhäusern mit Brandmelde- oder Sprinkleranlagen kann es vorkommen, dass Lifte im Brandfall automatisch blockiert werden. Gehbehinderte Personen sollten sich frühzeitig bei der Verwaltung oder der Hauswartin oder dem Hauswart erkundigen, wie im Brandfall zu handeln ist.

Richtig flüchten bei einem Brand

  • Verlasse den Gefahrenbereich schnell und schliesse alle Türen hinter dir, um Feuer und Rauch möglichst aufzuhalten.
  • Wenn du Feuer und Rauch vor dir siehst, benutze, sofern ein anderer Fluchtweg vorhanden ist, diesen.
  • Wenn du durch Rauch gehen musst, bewege dich möglichst flach am Boden. In den untersten 60 cm ist die Luft am saubersten und die Sicht am besten, weil Hitze und Rauch aufsteigen.
  • Bevor du eine Türe öffnest, berühre die Türfalle ganz vorsichtig. Ist sie heiss oder spürst du Wärme auf dem Türblatt, öffne die Türe nicht. Fühlst du keine Wärme, öffne die Türe vorsichtig. Schliesse sie sofort wieder, falls Rauch oder Hitze eindringt.
  • Benutze im Brandfall nie die Liftanlagen. Du könntest stecken bleiben oder auf dem Geschoss anhalten, wo das Feuer ist.
  • Wenn du draussen bist, weise die Feuerwehr auf eingeschlossene Bewohnende hin. Geh unter keinen Umständen zurück ins Gebäude. Erst nach Erlaubnis der Feuerwehr oder der Polizei darf das Gebäude wieder betreten werden.

Wenn Flüchten nicht möglich ist

  • Wenn du das Gebäude nicht verlassen kannst oder angewiesen worden bist, drinnen zu bleiben, geh in einen Raum mit Fenster und Telefon. Schliesse alle Türen zwischen dir und dem Feuer.
  • Ruf die Feuerwehr unter Telefon 118 und sag genau, wo im Gebäude du dich aufhältst. Tu dies auch, wenn die Feuerwehr bereits vor Ort ist.
  • Versuche, die Türe mit nassen Tüchern abzudichten, und verstopfe die Öffnungen von Ventilatoren oder Lüftungsgittern.
  • Warte beim Fenster und versuche, dich mit einer Lampe oder durch Winken bemerkbar zu machen.
  • Lass das Fenster oder die Balkontür soweit möglich geschlossen.
  • Bleib geduldig und versuche, Ruhe zu bewahren.

Brandschutz im Haushalt verbessern

  • Elektrogeräte nach Gebrauch ausschalten (nicht auf Standby schalten).
  • Brennbare Gegenstände von Elektrogeräten, Kochplatten und Heizungen etc. fernhalten.
  • Raucherwaren nach Gebrauch immer löschen und in einem Blecheimer entsorgen.
  • Zündhölzer und Feuerzeuge ausser Reichweite von Kindern aufbewahren.
  • Nie im Bett rauchen.
  • Beim Umgang mit brennbarer Flüssigkeit für gute Belüftung des Raumes sorgen.
  • Kerzen nur in sicherem Abstand zu brennbaren Materialien aufstellen.
  • Reparatur- sowie Installationsarbeiten nur durch Fachpersonen ausführen lassen.
  • Löschdecken gehören in jeden Haushalt.
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