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Interview zum Thema Brandschutz im Haushalt

Interview ca. 4 Leseminuten in Zusammenarbeit mit Stefan Arnaldi, Gebäudeversicherung Bern GVB
Brandschutz zuhause

Wie schützt man sich im Alltag wirksam vor Bränden? Im Interview spricht Stefan Arnaldi, Leiter der Fachstelle Brandschutz bei der Gebäudeversicherung Bern (GVB), über unterschätzte Risiken, vorbeugende Massnahmen und den Ernstfall.

Experte in diesem Interview

Stefan Arnaldi, Gebäudeversicherung Bern(GVB)

Stefan Arnaldi
Gebäudeversicherung Bern GVB

Stefan Arnaldi ist Teamleiter der Fachstelle Brandschutz bei der Gebäudeversicherung Bern (GVB). Er verfügt über langjährige Erfahrung in den Bereichen Brandschutz, Heizungs- und Lüftungstechnik.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die häufigsten Brandursachen im Haushalt sind Kochherde, defekte Elektrogeräte und Rauchen in Innenräumen. Besonders unterschätzt werden überlastete Steckdosen und Geräte im Standby-Modus.
  • Akkus von E-Bikes, Handys oder Staubsaugern sollten nur mit Original-Ladegeräten und nie unbeaufsichtigt geladen werden.
  • Kohlenmonoxid entsteht bei unvollständiger Verbrennung. CO-Warnmelder und ausreichende Frischluftzufuhr erhöhen die Sicherheit im Alltag.
  • Offene Feuer wie Cheminées, Holzöfen oder Grills brauchen genügend Abstand zu brennbaren Materialien und sollten nie unbeaufsichtigt bleiben.
  • Feuerlöscher, klare Fluchtwege und die altersgerechte Aufklärung von Kindern helfen, im Ernstfall richtig zu reagieren.

Was sind die häufigsten Brandursachen im Haushalt – und welche davon werden oft unterschätzt?

Die häufigsten Ursachen sind überhitzte elektrische Geräte, beschädigte Kabel, unbeaufsichtigte Kochherde sowie Rauchen in Innenräumen. Besonders unterschätzt wird die Gefahr durch überlastete Mehrfachsteckdosen und durch Geräte im Standby-Modus, die sich unbemerkt erhitzen können.

Was empfehlen Sie Rauchenden konkret, um das Risiko zu minimieren – gerade in Innenräumen oder bei bettlägerigen Personen?

Rauchende sollten niemals im Bett oder auf dem Sofa rauchen, insbesondere nicht, wenn sie müde sind. Aschenbecher müssen standfest sein und aus nicht brennbarem Material bestehen. Bei bettlägerigen Personen sollte das Rauchen im Bett grundsätzlich untersagt werden. Hier sind klare Regeln wichtig, ebenso wie die Unterstützung durch die Angehörigen oder das Pflegepersonal.

Akkus von E-Bikes, Handys oder Staubsaugern können sich entzünden – worauf sollte man im Alltag achten, um einen Akku-Brand zu verhindern

Akkus sollten ausschliesslich mit dem Original-Ladegerät, unter Aufsicht und auf einer nicht brennbaren Unterlage aufgeladen werden – also nie über Nacht, während man schläft. Lagern Sie sie kühl, trocken, geschützt vor direkter Sonneneinstrahlung und nicht in der Nähe von brennbaren Materialien. Beschädigte oder aufgeblähte Akkus müssen sofort entsorgt werden.

Kohlenmonoxid ist tückisch, weil es unsichtbar und geruchslos ist. Wie entsteht es – und wie kann man sich effektiv schützen?

Kohlenmonoxid (CO) entsteht bei unvollständiger Verbrennung, zum Beispiel durch defekte Heizungen, offene Kamine oder Grills in geschlossenen Räumen. Schutz bieten zertifizierte Kohlenmonoxid-Warnmelder, die gemäss Herstellerangaben an der Wand oder gegebenenfalls an der Decke montiert werden sollten. Brennt in einem Raum ein Cheminée- oder anderes offenes Feuer, ist eine kontinuierliche Frischluftzufuhr unerlässlich.

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Welche weiteren Sicherheitsmassnahmen sollte man im Umgang mit offenen Feuern wie Cheminées, Holzöfen oder Grills treffen – und worauf ist beim Lagern von Holz zu achten?

Feuerstellen stehen häufig zu nahe an brennbaren Materialien. Auch ungeeignetes Anzündmaterial wie Benzin stellt eine grosse Gefahr dar. Holz sollte trocken und gut belüftet gelagert werden, mit ausreichendem Abstand zu potenziellen Zündquellen. Ideal ist ein separater Lagerraum oder ein Platz im Freien unter einem Dach.

Was sind die grössten Gefahrenquellen zur Weihnachtszeit – und wie kann man Adventskranz, Lichterkette und Weihnachtsbaum sicher gestalten?

Offene Kerzen auf trockenen Zweigen zählen zu den häufigsten Brandursachen in der Adventszeit. Stellen Sie den Weihnachtsbaum in einen mit Wasser gefüllten Behälter, damit er nicht austrocknet. Verwenden Sie besser LED-Lichter statt Kerzen. Achten Sie darauf, dass die Lichterketten geprüft, funktionstüchtig und unbeschädigt ist. Schalten Sie alle Lichter aus, wenn Sie das Haus verlassen. Falls Sie nicht auf Kerzen verzichten möchten, dann lassen Sie sie nie unbeaufsichtigt brennen und halten Sie immer ein geeignetes Löschmittel griffbereit.

Was sind Ihre wichtigsten Sicherheitstipps rund ums Grillieren?

Grills gehören ausschliesslich ins Freie, niemals in geschlossene Räume. Verwenden Sie nur zugelassene Anzündhilfen und verzichten Sie auf Spiritus oder Benzin. Platzieren Sie den Grill in ausreichendem Abstand zu brennbaren Materialien, und halten Sie einen Eimer Wasser oder einen Feuerlöscher griffbereit. Kinder dürfen sich nie unbeaufsichtigt in der Nähe des Grills aufhalten.

Was raten Sie zur Vorbereitung auf den Ernstfall mit einem Feuerlöscher?

Ein Feuerlöscher muss gut sichtbar, leicht zugänglich und regelmässig gewartet sein. Alle Personen im Haushalt sollten wissen, wo der Feuerlöscher steht und wie er funktioniert. Eine kurze Einführung oder praktische Übung, etwa im Rahmen eines Sicherheitskurses, ist sehr zu empfehlen, damit man im Ernstfall richtig reagiert.

Wie sieht ein sinnvoller Notfall- oder Fluchtwegplan für den Privathaushalt aus – und ab wann sollte man professionelle Hilfe hinzuziehen?

Ein solcher Plan umfasst klare Fluchtwege, wichtige Notrufnummern, Treffpunkte ausserhalb des Gebäudes und die Position der Löschmittel. Bei komplexeren Wohnsituationen empfiehlt sich eine Beratung durch Fachleute wie Brandschutzplaner. Dies ist etwa ratsam bei verwinkelten Fluchtwegen, alten Holzbauten und Gebäuden, in denen sich viele Menschen aufhalten.

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Wie kann man Kinder altersgerecht über den Umgang mit Feuer aufklären?

Kinder sollten früh lernen, dass Feuer faszinierend, aber auch gefährlich ist. Spielerische Aufklärung hilft dabei – etwa durch Feuerwehrbesuche, Bilderbücher oder kleine Experimente unter Aufsicht. So entwickeln sie einen verantwortungsvollen Umgang mit Feuer, ohne Angst zu bekommen. Erwachsene sollten dabei mit gutem Beispiel vorangehen und klare Regeln setzen.

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