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Sturmschäden am Haus vermeiden: Tipps für Gebäude und Garten

ca. 7 Leseminuten in Zusammenarbeit mit Pierre Vanomsen, Gebäudeversicherung Bern (GVB)
Sturmschäden an Gebäuden vermeiden

Sturmwinde können Menschen gefährden und an Gebäuden grossen Schaden anrichten. Mit einfachen Schutzmassnahmen und dem richtigen Verhalten schützt du dich und dein Zuhause bei Sturmgefahr. Zentrale Elemente des Gebäudeschutzes sind auf allen Ebenen die sorgfältige Planung und die fachgerechte Ausführung, auch bereits beim Neubau einer Immobilie.

Experte in diesem Artikel

Pierre Vanomsen, Gebäudeversicherung Bern (GVB)

Pierre Vanomsen
Gebäudeversicherung Bern (GVB)

Pierre Vanomsen ist Leiter der Fachstelle Naturgefahren bei der Gebäudeversicherung Bern (GVB) und seit 20 Jahren im Bereich Naturgefahren tätig. Sein Fokus auf Personen- und Gebäudeschutz.

Das Wichtigste in Kürze

  • Sturmschäden lassen sich mit guter Planung, fachgerechter Ausführung und regelmässiger Kontrolle deutlich reduzieren. Bereits beim Neubau sind Statikberechnungen nach SIA 261 und eine sorgfältige Nutzungsvereinbarung entscheidend.
  • Starke Winde sind die grösste Gefahr für Gebäude. Lose Dachziegel, schlecht befestigte Solarmodule, Vordächer oder kranke Bäume erhöhen das Risiko erheblich und sollten regelmässig überprüft werden.
  • Mit einfachen Schutzmassnahmen wie dem Sichern von Gartenmöbeln, dem Schliessen von Fenstern und Storen sowie dem Kontrollieren von Dach und Fassade schützt du dein Haus wirksam vor Schäden.
  • Während eines Sturms gilt, Schutz im Gebäude zu suchen, exponierte Bereiche wie Dachgeschosse oder Fenster zu meiden und Autofahrten auf das Notwendigste zu beschränken.
  • Nach dem Sturm solltest du Dach, Fassade und Umgebung kontrollieren, Schäden rasch beheben lassen und Schwachstellen beseitigen, um zukünftigen Ereignissen besser standzuhalten.

Warum Gebäudeschutz bei Sturm wichtig ist

Schwere Stürme mit starken Winden und intensivem Niederschlag sind auch in der Schweiz praktisch ganzjährig möglich. Durch den Klimawandel nimmt die Häufigkeit von Wetterextremen zu und Modellrechnungen weisen auch darauf hin, dass mit der Erderwärmung immer häufiger schwere Unwetter mit starken Winden zu erwarten sind. Entsprechend wichtig ist es, Gebäude gegen schwere Stürme zu wappnen.

Zentrale Elemente des Gebäudeschutzes sind auf allen Ebenen die sorgfältige Planung und die fachgerechte Ausführung, auch bereits beim Neubau einer Immobilie. Nur so kann Sturmschäden an Gebäuden auch effektiv vorgebeugt werden:

  • Zieh eine Bauingenieurin oder einen Bauingenieur zur Berechnung der Statik bei, die oder der auch der regional unterschiedlichen Sturmgefährdung Rechnung trägt (nach SIA 261).
  • Besprich mit deiner Planerin oder deinem Planer und den Handwerkerinnen und Handwerkern die Vorgaben in der Nutzungsvereinbarung nach der Tragwerksnorm SIA 260.
  • Die SIA D 0260 hilft bereits beim Entwerfen und Planen die Naturgefahren schon früh miteinzubeziehen.

Winde verursachen die grössten Sturmschäden

Für Gebäude besonders gefährlich sind starke Winde. Ein Sturm ist ein starker Wind, der eine Geschwindigkeit von mindestens 20,8 m/s oder 74,9 km/h erreicht, resp. Stufe 9 auf der Beaufortskala. Ab Stufe 10 spricht man von einem schweren, ab Stufe 11 von einem orkanartigen Sturm. Windstärke 12 Beaufort schliesslich ist ein Orkan. Neben den hohen Windgeschwindigkeiten belasten ständig wechselnde Luftströmungen und Luftwirbel die Last auf das Gebäude.

Kommen heftige Stürme auf, so lautet die wichtigste Regel: Schutz aufsuchen, am besten in einem festen Gebäude. Behalte die lokale Wetterentwicklung im Auge und informiere dich bei Diensten wie der Wetter-Alarm App. Befolge auch unbedingt behördliche Anweisungen.

Generell ist nach dem Sturm vor dem nächsten Sturm, weshalb du regelmässig Präventionsmassnahmen treffen und diese immer wieder kontrollieren solltest. Prüfe deine Immobilie auf mögliche Schwachstellen:

  • Sind alle Ziegel fest verankert und mit Sturmklammern fixiert?
  • Sind die Regenrinnen- und fallrohre fest an der Gebäudehülle fixiert?
  • Entsprechen die Bauteile der Gebäudehülle sowie Storen und Fenster den Baunormen für ausreichende Sturmfestigkeit?
  • Sind Vordächer und Pergolas am Mauerwerk befestigt?
  • Sind Solarmodule oder Satellitenschüsseln ausreichend gesichert?
  • Ist dein Baumbestand im Garten gesund? Kranke oder mit Pilzen befallene Bäume könnten bei einem Sturm umstürzen.
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Schutzmassnahmen im und um das Haus

Droht Sturmgefahr, solltest du alle beweglichen Teile am und ums Haus sichern. Folgendes ist zu tun:

  • Alle Fenster und Türen schliessen (verhindert Gefahr durch Innendruck oder Innensog.)
  • Fensterläden schliessen. Stabile Klappläden schützen in geschlossenem Zustand bei Sturm die Fenster.
  • Stoffstoren (Markisen) und aussenliegende Lamellenstoren ein- oder hochziehen.
  • Gartenmöbel anbinden oder ins Haus nehmen.
  • Blumentöpfe vom Balkon räumen.
  • Pflanzkübel vom Garten ins Haus stellen.
  • Lose Gegenstände (z.B. Velos, Gartenutensilien, Vogelhäuschen, Spielsachen etc.) ins Haus, in die Garage oder in einen anderen geschützten Bereich stellen.
  • Kinder ins Haus rufen.
  • Tiere in Sicherheit bringen.
  • Glasgewächshäuser mit Brettern oder Holzplatten schützen.
  • Fahrzeuge in der Garage parkieren.
  • Überprüfe Taschenlampen bzw. Notstromversorgung, da die Gefahr von Stromausfällen besteht.

Exponierte Dächer vor Sturm schützen

Gebäudedächer sind wegen ihrer exponierten Lage und steigenden Windgeschwindigkeiten in grossen Höhenlagen oft häufiger von Schäden betroffen. Folgende vorbeugenden Massnahmen an Dächern können helfen, Sturmschäden zu vermeiden:

Steildach

  • Die Randbereichs- / Gratabdeckungen und Firstziegel gut befestigen (mit Sturmklammern, Schrauben, Ortgangziegel etc.)
  • Die Planerin oder der Planer berechnet die richtige Dimensionierung deines Daches und überwacht die Ausführung durch die Handwerkerinnen und Handwerker.
  • Dachplatten fachgerecht befestigen.
  • Möglichst ein Unterdach erstellen.
  • Die Tragkonstruktion des Daches darf ohne Überprüfung durch eine Ingenieurin oder einen Ingenieur nicht verändert werden.

Flachdach

  • Wähle ein möglichst unempfindliches Flachdachsystem (vollflächig verklebte, begehbare und begrünte Dächer, das heisst, das Dach mit einer Schutzschicht versehen).
  • Die Randabdeckungen (Blecheinfassungen) gut und fachmännisch befestigen und so wählen, dass sie möglichst wenig Angriffsflächen bieten.
  • Die Schutzschicht (Kies, Zementplatten, Extensivbegrünung etc.) sollte die Dachabdichtung vollflächig bedecken.

Aussergewöhnliche Dächer

Informiere dich bei der Planerin oder beim Planer über die Windanfälligkeit und lass gegebenenfalls die Konstruktion den zu erwartenden Beanspruchungen anpassen.

Vorbeugende Massnahmen an An- und Aufbauten

  • Ort und Art der Befestigung von Antennen, Solaranlagen und Satellitenschüsseln müssen sturmgerecht sein. Lass dies durch eine Fachperson sicherstellen, die Anforderungen gemäss SIA 261 sind auch in diesem Fall zu erfüllen.
  • Vermeide aussergewöhnliche Wind-Angriffsflächen (weit herunter- bzw. nach vorne gezogene Dächer, Vorbauten oder Nischen). So verringern sich auch die Druck- und Sogkräfte des Winds.

Vorbeugende Massnahmen an der Fassade

  • Stabile Verankerung von Isolierungs- und Fassadenelementen im Tragwerk des Gebäudes.
  • Empfindliche nicht hagelresistente Fassadenmaterialien sollten in hagelgefährdeten Gebieten generell vermieden werden. Berücksichtige diesbezüglich das Hagelregister.
  • Verkleidungssystem und Befestigungsart den Beanspruchungen gemäss den geltenden Richtlinien wählen und dimensionieren.
  • Solide sowie korrosions- und witterungsgeschützte Befestigungssysteme wählen.

Richtiges Verhalten während des Sturms

Personen werden bei Stürmen meist durch Bäume, herabfallende Dachziegel oder herumfliegende Trümmer und Gegenstände verletzt. Beachte bei einem Sturm folgende Verhaltensregeln:

Massnahmen im und um das Haus

  • Bleib wenn möglich im Haus.
  • Halte dich nicht im Dachgeschoss auf, wenn dein Haus von hohen Bäumen umgeben ist. Meide auch Fensterflächen.
  • Mit Aufräumarbeiten und Reparaturen erst nach Ende des Sturms beginnen.

Massnahmen im Freien

  • Meide die Nähe von Gerüsten, hohen Bäumen und Strommasten.
  • Geh nicht in Parks oder Wälder.
  • Meide auch Seen oder Flüsse.
  • Halte Kinder an der Hand.
  • Informiere Angehörige oder Bekannte über deinen Aufenthaltsort.

Massnahmen im Auto

  • Autofahrten sollten auf das Notwendigste beschränkt werden.
  • Fahrten mit Anhängern sollten gänzlich eingestellt werden.
  • Vorsicht bei Fahrten auf exponierten Strassenabschnitten und Brücken.
  • Verlangsame deine Fahrt.
  • Meide baumreiche Strecken oder die Nähe von Wäldern.
  • Parkiere dein Auto nicht in der Nähe von Bäumen.
  • Entferne vor der Fahrt aufmontierte Dachboxen.
  • Öffne Autotüren vorsichtig.

Checkliste: Notfallplan

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Checkliste: Notfallplan bei Katastrophen

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Massnahmen nach dem Sturm

Ein Sturm kann mit grosser Kraft auf ein Gebäude einwirken. Dach und Fassade sind dabei besonders gefährdet. Überprüfe Haus und Umgebung regelmässig, auf jeden Fall aber nach einem Sturm auf allfällige Schäden. So beugst du auch zukünftigen Sturmschäden an deinem Eigenheim vor. Folgende Massnahmen solltest du nach einem Sturm ergreifen:

Massnahmen im oder am Gebäude

  • Lass das Dach durch die Dachdeckerin oder den Dachdecker kontrollieren. Fehlende Dachziegel und abgerissene Ortgangsbretter (Giebelbretter) ersetzen und volle Regenrinnen putzen.
  • Flachdach auf offene Klebfugen der Abdichtungsfolien und der Randabdeckungen kontrollieren lassen.
  • Überprüfe den korrekten Sitz von Dachbedeckungsmaterialien.
  • Befestigung von Solaranlage und Satellitenschüssel überprüfen.
  • Stabilität von Vordächern und Vorbauten überprüfen.
  • Kaminstabilität periodisch (mindestens alle zwei Jahre) durch die Kaminfegerin oder den Kaminfeger kontrollieren lassen.
  • Abgelöste Putzschichten, beschädigte Verkleidungen und Befestigungen der Fassade durch Fachpersonen ersetzen.
  • Die Befestigungen von Storen und Fensterläden überprüfen sowie alte und spröde Materialien (Stoffe, Lamellen) ersetzen lassen.

Massnahmen ausserhalb des Gebäudes

  • Baumbestand in der näheren Umgebung deines Hauses überprüfen, Bäume und Äste zurückschneiden lassen.
  • Schadhafte oder abgestorbene Äste oder Bäume entfernen (je nach Grösse durch Fachperson).
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