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Interview Baumaterialien: Nachhaltig bauen, clever sanieren

Interview ca. 3 Leseminuten in Zusammenarbeit mit Fachpersonen des Schweizerischen Baumeisterverbands
Architektin plant einen Hausbau mit nachhaltigen Baumaterialien

Die Anforderungen an Baumaterialien und -teile steigen: langlebig, möglichst günstig und zugleich ökologisch verträglich sollen sie sein. Im Interview erklärt der Schweizerische Baumeisterverband, warum Materialwahl und Lebenszyklusdenken dabei immer wichtiger werden und welche Rolle natürliche Baustoffe, Recyclingmaterialien und Hightech-Rezepturen künftig spielen könnten.

Experte in diesem Interview

Fachpersonen des Schweizerischen Baumeisterverbands

Das Interview entstand in Zusammenarbeit mit mehreren Expertinnen und Experten des Schweizerischen Baumeisterverband

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Anforderungen an Baumaterialien steigen stetig. Sie sollen langlebig, kosteneffizient und gleichzeitig möglichst nachhaltig sein, wobei der gesamte Lebenszyklus eines Gebäudes berücksichtigt werden muss.
  • Bei der Wahl von Baustoffen gewinnen Recyclinganteil, Kreislauffähigkeit und flexible Nutzungsmöglichkeiten an Bedeutung. Ziel ist es, Ressourcenverbrauch sowie CO₂-Emissionen langfristig zu reduzieren.
  • Natürliche Baustoffe wie Holz oder Lehm bieten Vorteile, können jedoch nicht alle Anforderungen allein erfüllen. Deshalb werden in der Praxis häufig verschiedene Materialien kombiniert, um beispielsweise Schallschutz, Stabilität und Gewicht optimal auszubalancieren.
  • Beton und Zement bleiben aufgrund ihrer Verfügbarkeit und der benötigten Mengen wichtige Baustoffe. Gleichzeitig arbeitet die Branche daran, den Recyclinganteil zu erhöhen und die CO₂-Bilanz durch neue Rezepturen zu verbessern.
  • Die Zukunft der Baustoffentwicklung wird sowohl von traditionellen Materialien als auch von Innovationen geprägt. Forschung und neue Technologien könnten künftig zusätzliche nachhaltige Alternativen in grossem Massstab ermöglichen.

Welche Kriterien sind heute bei der Auswahl von Baustoffen besonders wichtig – vor allem in Bezug auf Nachhaltigkeit, Kosten oder Lebensdauer? 

Möglichst tiefe Kosten und eine Lebensdauer über Jahrzehnte sind weiterhin sehr wichtig, etwa um erschwingliche Mietwohnungen zu errichten. Energieverbrauch und CO₂-Ausstoss haben eine ökonomische sowie ökologische Nachhaltigkeitsdimension in dem Sinne, dass beides über die gesamte Lebensdauer des Bauwerks – vom Materialabbau über Nutzung bis hin zum Rückbau – minimiert wird. Mehr Material kann den Energieverbrauch und CO₂-Ausstoss während der jahrzehntelangen Nutzungsphase senken. Übertreibt man es jedoch und setzt zu viel Material ein, so übersteigt die Gesamtsumme an Energie und CO₂ wieder den optimalen Punkt. Der Schweizerische Baumeisterverband nimmt an, dass beispielsweise der Recyclinganteil und die Kreislauffähigkeit von Materialien an Nachfrage gewinnen werden. Hinsichtlich der Lebensdauer werden vermutlich jene Bauweisen und Materialien an Bedeutung gewinnen, die eine flexiblere Umnutzung von Räumlichkeiten und Gebäuden erlauben werden.   

Wie kann man bei einem Neubau oder einer Sanierung langfristig planen, um spätere Sanierungskosten gering zu halten? 

Im Bauwesen ist jedes Bauprojekt ein Prototyp. Die Materialwahl bei Bauprojekten, die entscheidend ist für die anfallenden Bau- und Sanierungskosten, treffen die Personen, die an der Planung beteiligt sind. Entsprechend kann der Schweizerische Baumeisterverband keine Kostenabschätzung abgeben. 

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Wie schneiden natürliche Baustoffe im Vergleich zu konventionellen Materialien in Bezug auf Dämmung, Schallschutz und Unterhalt ab? 

Jedes Baumaterial bringt spezifische Vor- und Nachteile mit sich. Um unterschiedlichen Anforderungen gerecht zu werden, werden daher oft verschiedene Materialien miteinander kombiniert. So gibt es beispielsweise Zwischendecken, die aus einer Mischung von Holz, Beton und Kies bestehen. Diese Kombination hat mehrere Vorteile: Zum einen wird das Gesamtgewicht der Decke reduziert, was eine geringere Dimensionierung der tragenden Wände und des Fundaments ermöglicht. Eine reine Holzwischendecke wäre zwar besonders leicht, böte jedoch nur unzureichenden Schallschutz. Durch die Ergänzung mit Beton und Kies lässt sich dieser deutlich verbessern, ohne dass das Gewicht übermässig ansteigt. 

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Wird es in Zukunft eine Rückkehr zu traditionellen Baumaterialien wie Lehm oder Holz geben – oder setzen sich Hightech-Materialien durch? 

Holz hat sich als Nischenprodukt mit einem Marktanteil von etwa 5 Prozent etabliert, während andere Baustoffe wie Lehm voraussichtlich nur sehr geringe Marktanteile erreichen werden. Entscheidend bleibt der Bedarf an sehr grossen Mengen an Baumaterial. Der wesentliche Vorteil von Zement und Beton liegt in ihrer breiten Verfügbarkeit und der Möglichkeit, diese enormen Mengen schnell bereitzustellen. 
 
Dank intensiver Forschung kann der Anteil an Recyclingmaterial im Beton stetig erhöht werden, ohne dabei die hohen Anforderungen an Stabilität, Langlebigkeit und weitere bauphysikalische Eigenschaften zu gefährden. Gleichzeitig ermöglicht die Weiterentwicklung der Rezepturen eine Reduktion des Klinkeranteils im Zement, was zu einer deutlichen Senkung der CO₂-Emissionen beiträgt. 
 
Ob man angesichts dieser Fortschritte bereits von einem «Hightech-Material» sprechen möchte, bleibt Ihnen überlassen. Fest steht jedoch: Alternative Materialien stehen in diesen Grössenordnungen bislang nicht zur Verfügung. Das könnte sich jedoch bald ändern, denn in diesem Bereich wird intensiv geforscht. Ein weiteres Indiz dafür, dass die Baubranche offen für innovative Lösungen ist – und dass Forschung ein Teil der Problemlösung sein kann.

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