Baustoffe wiederverwenden und Ressourcen sparen
Ein wichtiger Teil des nachhaltigen Bauens ist der sparsame Umgang mit Ressourcen. Immer häufiger wird deshalb die Zweitverwendung von Baumaterial ein Thema. In der Schweiz ist die Wiederverwendung von Bauteilen ein eigenes Geschäftsmodell: Acht Bauteilbörsen in der Deutsch- und Westschweiz sammeln gebrauchte Bauteile, haustechnische Komponenten und Mobiliar und bieten sie interessierten Bauherrschaften an. Die Nachfrage ist derart gross, dass gesuchte Ware fast nur auf Vorbestellung über die Bauteilbörse erhältlich ist. Am meisten gefragt sind Küchen- und Badeinrichtungen, aber auch gebrauchte Parkettböden, Türen und Fenster wechseln mit dem Nutzungszyklus häufig auch den Besitzer. Ansonsten besteht das Angebot aus Parkettböden, Fenstern, Türen, Aufzügen oder Heizkörpern. Angeboten wird nur, was qualitativ in einwandfreiem Zustand ist; Occasions-Haushaltsgeräte werden bisweilen mit Garantie verkauft. Je nach Beschaffenheit ist für weiterverwendbare Bauteile zwischen 25 und 50 Prozent des Neupreises zu bezahlen.
Revitalsiert: Bauteilnetz Schweiz
Das Beispiel Bauteilnetz Schweiz zeigt, wie der Trend zur Wiederverwertung laufend an Aktualität gewinnt. Der Verein Bauteilnetz Schweiz wurde 1995 als Dachverband der Bauteilbörsen in der Schweiz gegründet. Nach einer Periode der Passivität wurde der Verein auf Initiative des Baubüros in situ wiederbelebt: an der GV 2020 wurde einerseits ein neuer Vorstand mit Vertretern von Bauteilbörsen, Architekturbüros, Bildungseinrichtungen und anderen Wiederverwendungsdienstleistern gewählt, und andererseits die Statuten so angepasst, dass der Dachverband in Zukunft alle Akteure der Wiederverwendung vertritt. Heute vertreten die Interessierten und Verantwortlichen unter dem Namen Cirkla einen einheitlichen Ansatz um die Wiederverwendung von Bauteilen und -materialien im Schweizerischen Bausektor zu fördern.
Noch kein Earthship in der Schweiz
Die Nachhaltigkeit, wie sie heute verstanden wird hat gemeinsam mit der ökologischen Bewegung auch leicht utopische Projekte hervorgebracht. Eine davon ist die Earthship-Bewegung, die schon in den 1970er-Jahren in den USA entwickelt wurde. Die Häuser, oder Erdschiffe, bestehen fast komplett aus Recycling- und Naturmaterialien. Die einzigen grösseren, neuwertigen Bauteile, sind in der Regel die Solaranlagen auf dem Dach. Die Häuser brauchen auch nicht an Versorgungssysteme angeschlossen werden und können sich selbst versorgen.
Earthships bestehen an drei Seiten aus dicken Wänden mit beispielsweise Reifen und Erde. Darüber hinaus wird ein Teil des Hauses ins Erdreich gesetzt. Der Fussboden des Erdgeschosses liegt also etwas unterhalb der Erdoberfläche. Die vierte Seite des Erdschiffs ist eine Glasfront. Sie wird immer nach Süden ausgerichtet und soll möglichst viel Sonnenlicht einfangen. Das bringt genug Wärme und Licht, um den Stromverbrauch sowie die benötigte Heizenergie auf ein Minimum zu reduzieren. In der Schweiz wurde noch kein Earthship gebaut. Das ist nicht weiter verwunderlich; der Mangel an Bauland würde ein solches Projekt unter normalen Marktbedingungen nur als Liebhaberei ermöglichen.