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Minergie-Gebäude bauen: Energie- und Klimastandard für Wohnhäuser

ca. 8 Leseminuten in Zusammenarbeit mit Andreas Meyer Primavesi, Verein Minergie & Verein GEAK
Visualisierung eines Minergie-Einfamilienhauses mit Photovoltaikanlage auf dem Dach.

Minergie hat sich vom Label für Niedrigenergiehäuser zu einem umfassenden Schweizer Gebäudestandard für energieeffizientes und klimafreundliches Bauen und Sanieren entwickelt. Seit 2023 berücksichtigt die Zertifizierung auch die Treibhausgasemissionen in der Erstellung sowie nochmals verschärfte Anforderungen an den sommerlichen Wärmeschutz. Für Hauseigentümerinnen und Hauseigentümer ist Minergie besonders bei energieeffizienten Neubauten, Modernisierungen und umfassenden Sanierungen interessant.

Experte in diesem Artikel

Andreas Meyer Primavesi
Verein Minergie & Verein GEAK

Andreas Meyer Primavesi ist Geschäftsführer des Vereins Minergie und des Vereins GEAK. Der dipl. Forstingenieur ETH verfügt über langjährige Erfahrung in der Energiepolitik und Gebäudeeffizienz und war am Aufbau des nationalen Gebäudeprogramms beteiligt.

Das Wichtigste in Kürze

  • Minergie ist ein Schweizer Gebäudestandard für energieeffizientes, klimafreundliches und komfortables Bauen und Sanieren. Ein Minergie-Gebäude erfüllt strengere Anforderungen als die gesetzlichen Bauvorschriften.
  • Seit 2023 berücksichtigt Minergie zusätzlich Treibhausgasemissionen in der Erstellung von Gebäuden und verwendet Zukunfts-Klimadaten für den sommerlichen Wärmeschutz.
  • Die drei Hauptstandards Minergie, Minergie-P und Minergie-A unterscheiden sich in Energieeffizienz und Eigenversorgung. Minergie-A verlangt, dass der Jahresenergiebedarf bilanziell mit selbst produzierter erneuerbarer Energie gedeckt wird.
  • Ein Minergie-Gebäude bietet hohen Wohnkomfort, ein angenehmes Raumklima im Sommer wie im Winter, tiefere Energiekosten und steigert den Wert einer Liegenschaft.
  • Die Kosten für eine Minergie-Zertifizierung richten sich nach Gebäudegrösse und Kategorie. Für ein einfaches Einfamilienhaus beginnen die Gebühren bei 1400 Franken.
  • Minergie eignet sich nicht nur für Neubauten, sondern auch für Sanierungen. Die Minergie-Systemerneuerung ist auf den GEAK abgestimmt und unterstützt Eigentümerinnen und Eigentümer bei einer strukturierten Modernisierung.

Was ist Minergie?

Minergie bezeichnet erstens einen Verein, in dem Bund, Kantone und Privatwirtschaft zusammenarbeiten. Zweitens ist Minergie ein geschütztes Zertifikat, mit dem ein Gebäude oder ein Areal freiwillig ausgezeichnet werden kann. Drittens steht Minergie für einen Schweizer Baustandard für nachhaltige Neubauten und modernisierte Gebäude.

Entspricht ein Gebäude dem Minergie-Standard, ist es gut gedämmt, fossilfrei beheizt und bietet ein angenehmes Raumklima mit einem kontrollierten Luftwechsel. Es deckt zudem einen Teil des Energiebedarfs mit einer PV-Anlage und minimiert die graue Energie. Die Verleihung des Minergie-Labels erfolgt durch eine unabhängige Zertifizierungsstelle. Von einer normalen Sanierung unterscheidet sich eine Sanierung nach Minergie durch klar definierte energetische und bauliche Vorgaben.

Gebäude, die neu erstellt oder saniert werden, dürfen faktisch nur noch fossilfrei betrieben und möglichst ressourcenschonend realisiert werden. Seit der Reform 2023 liegt der Fokus zusätzlich stärker auf Klimaschutz, Hitzeschutz und Treibhausgasemissionen in der Erstellung. Damit verbindet der Minergie-Standard Energieeffizienz, Klimaschutz und Wohnkomfort in einem Label.

Ein Zertifizierungsgesuch wird national einheitlich über die Label-Plattform eingereicht und von den zuständigen Minergie-Zertifizierungsstellen geprüft. Zugelassene Nutzungstypen sind unter anderem Wohnhäuser, Schulhäuser, Bürobauten, Pflegezentren, Sportstätten und Spitäler.

Die bekannten Vorzüge des Minergie-Standards bleiben:

  • Qualitätssicherung für Bau und Betrieb von energieeffizienten, klimafreundlichen Gebäuden und Arealen
  • finanzieller und immaterieller Mehrwert für private und öffentliche Immobilien
  • bessere Orientierung für Eigentümerinnen und Eigentümer, die ein Minergie-Gebäude bauen oder ein bestehendes Wohnhaus energetisch sanieren möchten
  • hoher Wohn- und Betriebskomfort im Winter und im Sommer

Warum ist Minergie strenger als die Bauvorschriften?

Die Basis von energieeffizienten Gebäuden bildet eine gut gedämmte Aussenhülle und eine effiziente Wärmeversorgung. Im Vergleich zu den kantonalen Bauvorschriften sind die Minergie-Grenzwerte strenger. Die Limite für den Heizwärmebedarf ist zum Beispiel rund ein Viertel niedriger als der gesetzliche Mindeststandard.

Neben einer sparsamen Wärmebilanz verlangt Minergie auch eine hohe Gesamtenergieeffizienz. Bewertet wird, wie hoch der Energiebedarf für Haustechnik, Warmwasser, Elektrogeräte im Wohnbereich sowie Beleuchtung und Haushaltsgeräte ist und zu welchem Anteil dieser mit Photovoltaik gedeckt wird. Dieselben Berechnungsgrundlagen werden auch für eine Kategorisierung gemäss dem Gebäudeenergieausweis der Kantone (GEAK) verwendet.

Die energetischen Anforderungen werden kombiniert mit Vorgaben an die Raumluftqualität und den Hitzeschutz. Für Wohnende bedeutet das: Ein Minergie-Gebäude soll nicht nur wenig Energie verbrauchen, sondern sich auch im Alltag komfortabel anfühlen.

Kontrollierter Luftwechsel

Zwingend ist für das Minergie-Zertifikat ein kontrollierter mechanischer Luftwechsel. Dafür sind verschiedene Systeme mit optimierbarem Installationsaufwand verfügbar. Ein kontrollierter Luftwechsel trägt dazu bei, dass die Raumluftqualität hoch bleibt und Feuchtigkeit gezielt abgeführt wird. Die Lüftung stellt damit gleichzeitig einen hohen Komfort, Bauschadenfreiheit und Energieeffizienz sicher.

Wärme und Strom aus fossilfreien Quellen

Eine weitere Hauptanforderung lautet: Wärme und Strom sollen aus fossilfreien Quellen stammen. Heizung und Wassererwärmung können mit Biomasse, Solarenergie oder Umgebungswärme aus Aussenluft, Erdreich oder Grundwasser versorgt werden. Auch Anschlüsse an einen klimafreundlichen Wärmeverbund werden akzeptiert.

Minergie verlangt ausserdem eine höhere Eigenstromproduktion als das Energiegesetz. Das lokale Solarpotenzial soll stärker ausgenutzt werden. Ein Minergie-Gebäude wird nach den neuen Regeln das Solarenergiepotenzial auf dem Dach vollständig nutzen; bei Minergie-A kommen teilweise auch Fassadenflächen dazu.

Sommerlicher Wärmeschutz

Die Anforderungen an den sommerlichen Wärmeschutz wurden erhöht. Damit Minergie-Gebäude auch den klimatischen Veränderungen widerstehen, benötigen sie ein durchdachtes Hitzeschutzkonzept. Nötig sind als Ergänzung zur gut gedämmten Gebäudehülle zum Beispiel geeignete Beschattung, Nachtauskühlung, Freecooling oder aktive Kühlung.

In der Planung muss dank der Verwendung der modellierten Klimadaten für 2035 zudem darauf geachtet werden, dass ein ausserordentlicher Hitzesommer als alltägliches Betriebsszenario berücksichtigt wird. Gerade für Wohnhäuser, Schulen und Pflegeeinrichtungen ist dieser Punkt wichtig, weil der Umgang mit Hitzeschutz in der Schweiz noch nicht wirklich Teil unserer Baukultur ist.

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Welche Minergie-Standards gibt es?

Es gibt drei Hauptstandards für Minergie, die sich rund um die Planungs-, Bau- und Betriebsphase eines Gebäudes drehen: Minergie, Minergie-P und Minergie-A. Darüber hinaus gibt es Zusatzzertifikate wie Minergie-ECO, Minergie-Netto-Null und Minergie-Betrieb und ein Zertifikat für ganze Areale namens Minergie-Areal.

Standard Fokus Besonders geeignet für
Minergie Dämmung der Gebäudehülle, effiziente und erneuerbare Energieversorgung sowie kontrollierter Luftwechsel Bauherrschaften, die energieeffizient und komfortabel bauen oder sanieren möchten
Minergie-P Sehr niedriger Energiebedarf, optimale Dämmung, hohe Luftdichtheit und hoher Wohnkomfort Neubauten und Sanierungen mit maximaler Energieeffizienz
Minergie-A Energetische Eigenversorgung mit erneuerbarer Energie über die Jahresbilanz Gebäude mit hoher Eigenstromproduktion und möglichst grosser Unabhängigkeit
Minergie-ECO Gesundheit, Tageslicht, geringe Schadstoffbelastung, Ressourcenschonung und Kreislauffähigkeit Projekte mit Fokus auf nachhaltige Materialien und gesunde Innenräume
Minergie-Betrieb Sicherstellung, dass Minergie-Gebäude im realen Betrieb optimal funktionieren Grössere Gebäude mit ausgeklügelter Gebäudetechnik
Minergie-Netto-Null Bilanzierung der Treibhausgasemissionen des Gebäudes über dessen Lebenszyklus auf Netto-Null Bauherrschaften, welche den Klimaschutz-Aspekt besonders hoch gewichten
Minergie-Areal sehr geringer Energieverbrauch, minimierte Treibhausgasemissionen in Erstellung und Betrieb sowie eine maximale Selbstversorgung mit erneuerbaren Energien, Förderung Mobilität, angepasster Hitzeschutz Bauherrschaften, die ein Areal mit Neubauten, Bestandesbauten oder einer Mischung aus beiden entwickeln und Komfort, Effizienz und Klimaschutz ins Zentrum stellen.

Minergie, Minergie-P und Minergie-A im Vergleich

Minergie: Basisstandard für Energieeffizienz und Komfort

Beim Minergie-Standard stehen die Dämmung der Gebäudehülle, eine effiziente und erneuerbare Energieversorgung sowie ein kontrollierter Luftwechsel im Zentrum. Ein neu gebautes Minergie-Gebäude wird nur mit erneuerbaren Energien beheizt und mit Eigenstrom aus der PV-Anlage versorgt. Die graue Energie wird minimiert, der Energieverbrauch kontinuierlich gemessen (Monitoring) und der sommerliche Wärmeschutz mit Klimadaten der Zukunft modelliert.

Minergie-P: maximale Energieeffizienz

Minergie-P ist die Gebäudestandardvariante, die ursprünglich vom Passivhaus-Konzept abgeleitet wurde. Der Energiebedarf lässt sich so weit reduzieren, dass die Sonne selbst eine passive Wärmequelle ist. Dies gelingt unter anderem mit grossen, nach Süden ausgerichteten Fenstern, einer kompakten Gebäudeform sowie einer optimal gedämmten und luftdichten Aussenhülle. Die Fenster müssen im Sommer gut mit Sonnenstoren beschattet werden, um eine Überhitzung zu vermeiden.

Minergie beschreibt Minergie-P als Standard mit optimaler Gebäudehülle und maximaler Energieeffizienz. Eine Zertifizierung des Minergie-P-Standards ist für Neubauten und Gebäudesanierungen möglich.

Wichtige Voraussetzungen für Minergie-P sind:

  • kompakte, gut gedämmte und dichte Gebäudehülle inklusive Luftdichtheitstest
  • Nutzung des Solarenergiepotenzials und Eigenstromproduktion auf dem Dach
  • keine fossilen Brennstoffe
  • kontrollierter Luftwechsel und guter sommerlicher Wärmeschutz
  • Grenzwerte für die graue Energie
  • Energie-Monitoring bei grossen Gebäuden

Minergie-A: energetische Eigenversorgung

Minergie-A entspricht einem Plusenergie-Gebäude. Die positive Energiebilanz bezieht sich auf den Wärmebedarf für Heizung und Warmwasser sowie auf den Strombedarf für Gebäudetechnik, mechanische Lüftung, Beleuchtung und Haushaltsgeräte.

In der Regel lässt sich ausreichend Strom aus Solarenergie lokal produzieren, sodass in der Jahresbilanz eine schwarze Null erreicht werden kann. Häuser mit Minergie-A-Zertifikat sind aber fast immer weiterhin an das öffentliche Elektrizitätsnetz angeschlossen. Für Hauseigentümerinnen und Hauseigentümer ist Minergie-A besonders interessant, wenn sie viel Solarstrom nutzen und eine hohe Unabhängigkeit anstreben.

Die energetische Eigenversorgung nach Minergie-A berücksichtigt:

  • Niedrigstenergiestandard mit kompakter, gut gedämmter und dichter Gebäudehülle
  • kontrollierte Lufterneuerung und sommerlichen Wärmeschutz
  • lokale Energieproduktion, zum Beispiel mit einer Photovoltaikanlage
  • Wärme- oder Stromspeicher und internes Lastmanagement, eventuell mit Elektroauto
  • Umfassendes Energiemonitoring
  • minimale Treibhausgasemissionen in der Erstellung (graue Energie)

Welche Vorteile bietet ein Minergie-Gebäude?

Ein Minergie-Gebäude bietet Vorteile für Wohnkomfort, Energieverbrauch, Klima und langfristigen Immobilienwert. Besonders wichtig sind das gute Raumklima, die hohe Energieeffizienz und die bessere Planungs- und Qualitätssicherheit.

Gutes Raumklima

«Ein Minergie-Gebäude weist auch in Hitzesommern angenehme Innenraumtemperaturen aus», weiss Andreas Meyer Primavesi, Geschäftsleiter des Vereins Minergie.

Der Grund liegt in der sehr guten Dämmung und dem überdurchschnittlichen sommerlichen Wärmeschutz. Im Winter bleibt die Wärme im Hausinnern, im Sommer schützen Isolation, Storen und geeignete Hitzeschutzmassnahmen vor Überhitzung. Seit einigen Jahren werden Minergie-Gebäude zudem meist mit Freecooling oder aktiver Kühlung ausgestattet, um auch für den Klimawandel gewappnet zu sein. Eine zentrale Eigenschaft von Minergie-Gebäuden ist ausserdem die automatische Raumlüftung, die nutzendenunabhängig Frischluft zuführt, Feuchtigkeit abführt und im Sommer die Nachtauskühlung nutzt.

Umweltfreundlich und klimafreundlich

Nach dem Minergie-Standard sanierte und neu gebaute Minergie-Gebäude werden nur mit erneuerbaren Energien beheizt und mit PV-Strom vom Dach versorgt. Durch die zusätzliche gute Dämmung und die Minimierung der grauen Energie ist ein Minergie-Gebäude besonders schonend zur Umwelt.

Seit 1998 wurden über 20 Mio. Tonnen CO2 durch Minergie-Gebäude eingespart. Andreas Meyer Primavesi bestärkt: «Alles Dinge, die in Zeiten des Klimawandels und der Energiewende sehr wichtig sind. Das gilt übrigens sowohl für Neubauten als auch für Gesamtsanierungen.»

Finanzielle Vorteile

Die Investition in Minergie kann sich mehrfach lohnen. Ein Minergie-Gebäude verbraucht weniger Energie, spart damit langfristig Energiekosten und steigert nachweislich den Wert der Liegenschaft. Je nach Wohnort können Ausgaben für nachhaltige Sanierungen von den direkten oder kantonalen Steuern abgezogen werden, zudem und gewährt die Gemeinde unter Umständen eine höhere Ausnutzung der Parzelle. Fördergelder in unterschiedlicher Höhe gehören ebenfalls zu den finanziellen Vorteilen von Minergie.

Minergie in Zahlen

  • 20 Mio. Tonnen CO2 haben Minergie-Gebäude seit 1998 eingespart.
  • Rund 60’000 Gebäude wurden seit der Einführung des Minergie-Standards gebaut.
  • Mehr als 1 Million Menschen halten sich täglich in Minergie-Gebäuden auf.
  • Rund 5’000 Gebäude wurden seit 1998 nach dem Minergie-Standard modernisiert.
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Was kostet die Minergie-Zertifizierung?

Die Kosten der Minergie-Zertifizierung richten sich nach der Energiebezugsfläche und der Gebäudekategorie. Die Gebühren fangen bei einem einfachen Einfamilienhaus bei 1’400 Schweizer Franken an.

Zu den Gebühren kommen Mehrkosten der Minergie-Bauweise von 1-2 %. Diese Initialkosten können durch eingesparte Energiekosten, mögliche Fördergelder und steuerliche Vorteile teilweise kompensiert werden. Für Hauseigentümerinnen und Hauseigentümer ist deshalb nicht nur die Zertifizierungsgebühr entscheidend, sondern die Gesamtbetrachtung über Planung, Bau, Betrieb, Energieverbrauch und langfristigen Werterhalt.

Minergie-ECO für gesundes und ressourcenschonendes Bauen

ECO ist ein Zusatz zum Minergie-Label, der ökologische Anforderungen an Baustoffe, Produktion und Innenraumqualität umfasst. Unter anderem sind strenge Grenzwerte für Treibhausgasemissionen in der Erstellung sowie für eine geringe Schadstoffbelastung der Raumluft einzuhalten.

Weitere ECO-Kriterien sind eine flexible, einfach rückbaubare Konstruktion, ein hoher Tageslichteinfall oder das Verwenden von rezyklierten Baustoffen. Mit der Reform des Minergie-Standards per Herbst 2023 wurde auch das ECO-Nachweisverfahren wesentlich vereinfacht.

Die ECO-Anforderungen an eine gesundheitsfördernde Bauweise sind:

  • gute Tageslichtverhältnisse
  • geringe Lärmimmissionen
  • geringe Schadstoffbelastung der Raumluft
  • geringe Immission durch Elektrosmog und Radon

Die ECO-Anforderungen an eine ressourcenschonende Bauweise sind:

  • nachwachsende Rohstoffe und hoher Anteil an wiederverwendeten Baustoffen wie Recyclingbeton
  • Bilanzierung der grauen Energie und geringe Umweltbelastung bei Herstellung und Verarbeitung der Baustoffe
  • geringe Schadstoffemissionen von Oberflächen und Materialien für Roh- und Innenausbau
  • einfach rückbaubare Konstruktionen

Minergie bei Sanierungen und Systemerneuerung

Das Minergie-Zertifikat wird auch an energetisch erneuerte Gebäude verliehen. Mehrere Kantone sehen dafür zusätzliche Förderbeiträge vor. Für Eigentümerinnen und Eigentümer eines bestehenden Hauses ist wichtig: Eine Minergie-Sanierung muss nicht zwingend alles auf einmal lösen, sollte aber Gebäudehülle, Heizung, Lüftung, Solarenergie und Komfort zusammen betrachten.

Möchtest du dein Eigenheim mit Minergie modernisieren, kannst du dies auch mit der Minergie-Systemerneuerung tun. Dabei handelt es sich um den einfachsten Weg, um ein Gebäude in Minergie-Qualität zu sanieren. Dazu kannst du zwischen fünf Systemlösungen auswählen. Diese sind optimal auf den GEAK abgestimmt.

Das Nachweisverfahren kann vereinfacht werden, wenn bei der Planung passende Systemvarianten ausgewählt werden:

  • Für ungedämmte Bauten gelten spezifische Anforderungen an die Wärmedämmung einzelner Bauteile beziehungsweise der Gebäudehülle; erneuerbare Energien zum Heizen und eine Solaranlage zur Stromproduktion werden empfohlen.
  • Für teilweise erneuerte und jüngere Bauten gelten reduzierte Anforderungen an die Wärmedämmung der Gebäudehülle; eine erneuerbare Wärmeerzeugung ist zentral.
  • Für Reihenhäuser sind je nach Ausgangslage keine oder andere Vorgaben zur Wärmedämmung vorgesehen; auch hier ist eine erneuerbare Wärmeerzeugung wichtig.
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Wie hängen Minergie und GEAK zusammen?

Minergie und GEAK helfen, Gebäude energetisch einzuordnen und Sanierungs- oder Bauprojekte fundiert zu planen. Die Berechnungsgrundlagen für Energiebedarf, Haustechnik und Gesamtenergieeffizienz sind miteinander verwandt. Die Minergie-Systemerneuerung ist auf den GEAK abgestimmt und erleichtert Eigentümerinnen und Eigentümern die strukturierte Modernisierung ihres Hauses.

Andreas Meyer Primavesi betont die Bedeutung nachhaltiger Zertifizierungen: «Sie zeigen auf, was wir konkret zur Energiestrategie und zum Klimaschutz beitragen können. Und stellen zudem sicher, dass anschliessend auch Qualität und Komfort stimmen.»

Die schweizweit einheitliche Bewertung ermöglicht es, Gebäude hinsichtlich ihrer energetischen Qualität miteinander zu vergleichen. Meyer Primavesi hält fest: «Der Trend der steigenden Temperaturen setzt sich fort. Was wir heute bauen, muss auch unter den klimatischen Bedingungen der Zukunft ein behagliches Wohnen und Arbeiten ermöglichen.»

Minergie für ganze Areale

Seit 2023 ist das Minergie-Zertifikat auch auf Areale ausgeweitet. Als Minimalbedingung gilt, dass neue oder erneuerte Gebäude einzeln zertifiziert sind. Zusätzlich sind Anforderungen an das Energiemonitoring und das Quartiermanagement zu erfüllen.

Zum Pflichtprogramm für Minergie-Areale gehören grüne, hitzemindernde Aussenräume und ein ökologisches Mobilitätskonzept. Die Auszeichnung für Minergie-Areale bewertet damit nicht nur einzelne Gebäude, sondern auch Aussenraum, Energieversorgung und Mobilität im grösseren Zusammenhang.

Minergie-Netto-Null und Minergie-Betrieb

Minergie-Netto-Null und Minergie-Betrieb sind die neusten Produkte der Minergie-Familie. Bei Minergie-Netto-Null werden sämtliche Treibhausgasemissionen eines Gebäudes über eine angenommene Lebensdauer von 60 Jahren bilanziert und dann auf «Netto-Null» ausgeglichen. Die Schweiz strebt bis 2050 eine Netto-Null-Bilanz an. Entsprechend müssen auch Gebäude bald einmal so erstellt und betrieben werden, dass sie in der Bilanz keine Emissionen verursachen. Minergie-Netto-Null zeigt auf, dass dies bereits heute möglich ist.

Minergie-Betrieb richtet sich an Eigentümerinnen und Eigentümer sowie Betreiberinnen und Betreiber von Minergie-Gebäuden, welche das Potenzial ihrer Gebäude optimal nutzen wollen. Dank kontinuierlicher, automatisierter Auswertungen wird sichergestellt, dass die Gebäudetechnik jederzeit optimal eingestellt ist und funktioniert. Gut betriebene Gebäude erhalten zudem ein entsprechendes Zertifikat.

Fazit für Hauseigentümerinnen und Hauseigentümer in der Schweiz

Minergie ist kein einzelnes Produkt, sondern ein Schweizer Gebäudestandard mit mehreren Varianten. Wer ein Minergie-Haus bauen oder ein bestehendes Gebäude nach Minergie sanieren möchte, sollte früh klären, welcher Standard zum Gebäude, zum Budget und zu den Komfortzielen passt.

Besonders wichtig sind eine gute Gebäudehülle, kontrollierter Luftwechsel, erneuerbare Energien, Solarstrom, sommerlicher Wärmeschutz und eine Qualitätssicherung in Planung, Bau und Betrieb. Für Hauseigentümerinnen und Hauseigentümer lohnt sich Minergie vor allem dann, wenn Energieeffizienz, Komfort, Klimaschutz und langfristiger Werterhalt gemeinsam betrachtet werden.

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