Warum ist Minergie strenger als die Bauvorschriften?
Die Basis von energieeffizienten Gebäuden bildet eine gut gedämmte Aussenhülle und eine effiziente Wärmeversorgung. Im Vergleich zu den kantonalen Bauvorschriften sind die Minergie-Grenzwerte strenger. Die Limite für den Heizwärmebedarf ist zum Beispiel rund ein Viertel niedriger als der gesetzliche Mindeststandard.
Neben einer sparsamen Wärmebilanz verlangt Minergie auch eine hohe Gesamtenergieeffizienz. Bewertet wird, wie hoch der Energiebedarf für Haustechnik, Warmwasser, Elektrogeräte im Wohnbereich sowie Beleuchtung und Haushaltsgeräte ist und zu welchem Anteil dieser mit Photovoltaik gedeckt wird. Dieselben Berechnungsgrundlagen werden auch für eine Kategorisierung gemäss dem Gebäudeenergieausweis der Kantone (GEAK) verwendet.
Die energetischen Anforderungen werden kombiniert mit Vorgaben an die Raumluftqualität und den Hitzeschutz. Für Wohnende bedeutet das: Ein Minergie-Gebäude soll nicht nur wenig Energie verbrauchen, sondern sich auch im Alltag komfortabel anfühlen.
Kontrollierter Luftwechsel
Zwingend ist für das Minergie-Zertifikat ein kontrollierter mechanischer Luftwechsel. Dafür sind verschiedene Systeme mit optimierbarem Installationsaufwand verfügbar. Ein kontrollierter Luftwechsel trägt dazu bei, dass die Raumluftqualität hoch bleibt und Feuchtigkeit gezielt abgeführt wird. Die Lüftung stellt damit gleichzeitig einen hohen Komfort, Bauschadenfreiheit und Energieeffizienz sicher.
Wärme und Strom aus fossilfreien Quellen
Eine weitere Hauptanforderung lautet: Wärme und Strom sollen aus fossilfreien Quellen stammen. Heizung und Wassererwärmung können mit Biomasse, Solarenergie oder Umgebungswärme aus Aussenluft, Erdreich oder Grundwasser versorgt werden. Auch Anschlüsse an einen klimafreundlichen Wärmeverbund werden akzeptiert.
Minergie verlangt ausserdem eine höhere Eigenstromproduktion als das Energiegesetz. Das lokale Solarpotenzial soll stärker ausgenutzt werden. Ein Minergie-Gebäude wird nach den neuen Regeln das Solarenergiepotenzial auf dem Dach vollständig nutzen; bei Minergie-A kommen teilweise auch Fassadenflächen dazu.
Sommerlicher Wärmeschutz
Die Anforderungen an den sommerlichen Wärmeschutz wurden erhöht. Damit Minergie-Gebäude auch den klimatischen Veränderungen widerstehen, benötigen sie ein durchdachtes Hitzeschutzkonzept. Nötig sind als Ergänzung zur gut gedämmten Gebäudehülle zum Beispiel geeignete Beschattung, Nachtauskühlung, Freecooling oder aktive Kühlung.
In der Planung muss dank der Verwendung der modellierten Klimadaten für 2035 zudem darauf geachtet werden, dass ein ausserordentlicher Hitzesommer als alltägliches Betriebsszenario berücksichtigt wird. Gerade für Wohnhäuser, Schulen und Pflegeeinrichtungen ist dieser Punkt wichtig, weil der Umgang mit Hitzeschutz in der Schweiz noch nicht wirklich Teil unserer Baukultur ist.