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Architektur-Reportage aus Thun: Umbau eines alten Einfamilienhauses

Reportage ca. 3 Leseminuten
Die Südfassade wurde rückgebaut und mit grosszügigen Fensterfronten bzw. Balkonen ersetzt.

In einem Einfamilienhausquartier in Thun hat eine Familie ein altes Haus erworben. Dank eines geschickten Um- und Anbau erfüllt es nun die Wohnbedürfnisse der heutigen Zeit.

Das Wichtigste in Kürze

  • Eine Familie kaufte in Thun überraschend ein Einfamilienhaus aus dem Jahr 1922 und passte es mit einem durchdachten Um- und Anbau an die heutigen Wohnbedürfnisse an. Der neue Gebäudeteil schafft mehr Platz und verbindet modernes Wohnen mit dem Charakter des Altbaus.
  • Der neue Anbau erweitert die Wohnfläche um einen offenen Essbereich, eine moderne Küche und einen neuen Eingangsbereich. Besonders prägend sind das Panorama Eckfenster mit Sitzbank sowie die klare architektonische Abgrenzung zwischen Alt und Neu.
  • Bei der Sanierung standen energetische Verbesserungen im Fokus. Die Gebäudehülle wurde verbessert, Fenster ersetzt und eine Photovoltaikanlage installiert, die deutlich mehr Strom produziert, als das Haus selbst benötigt.
  • Dank der grossflächigen Photovoltaikanlage verbraucht das Haus trotz grösserer Wohnfläche weniger als die Hälfte der früheren Energie. Die Anlage erzeugt einen Energieüberschuss von rund 70 Prozent und unterstützt den Eigenverbrauch zu einem grossen Teil.
  • Mit rund 1300 Stunden Eigenleistungen trug die Bauherrschaft wesentlich zum Umbau bei. Die eingesparten Kosten konnten in hochwertige Details investiert werden, was dem Haus einen individuellen Charakter verleiht und die persönliche Verbundenheit mit dem Projekt stärkt.

Zufall spielte mit

Eigentlich waren die Bauherrinnen und Bauherren gar nicht auf der Suche nach einem Haus. Sie waren zwar grundsätzlich an Wohneigentum interessiert, hatten aber wenig Zeit, um sich nach einem geeigneten Objekt umzusehen. Als ihnen eine Bekannte sagte, ihre Nachbarin möchte ihr Haus in Thun verkaufen, ging jedoch alles schnell: Das Bauherrenpaar schaute sich das Haus an und sagte zu. Bei der Besichtigung dabei war Architekt Adrian Christen, ein langjähriger Freund. Er leitete den Um- und Anbau, der bereits wenige Monate später begann. 

Altes und Neues

Das Einfamilienhaus aus dem Jahr 1922 war zu klein, um heutigen Ansprüchen zu genügen. Deshalb entschlossen sich die Bauherren, die Nettowohnfläche mit einem Anbau zu vergrössern. Im einstöckigen, nicht unterkellerten Anbau befinden sich der neue Eingang mit Entrée sowie die Küche mit offenem Essbereich. Auffallendstes Merkmal des neuen Gebäudeteils ist ein Panorama-Eck-Fenster mit grosser Sitzbank. Der Anbau ist länger als das bestehende Haus, damit er auf der Gartenterrasse Sichtschutz zur Strasse hin bietet. Auch sonst hebt er sich mit seiner kubischen Form, Unterschieden beim Innenausbau und einem feineren Verputz der Fassade bewusst vom bestehenden Gebäudeteil ab.

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Photovoltaik statt Wärmepumpe

Bei der Renovation des alten Gebäudeteils musste energetisch einiges gemacht werden: Die Wärmedämmung wurde verstärkt, die Fenster wurden ersetzt, und im Keller steht eine neue Gasheizung. «Für eine Wärmepumpe reichte das Geld nicht», so die Bauherrin. Der Architekt hatte dem Bauherrenpaar empfohlen, lieber eine Photovoltaikanlage zu realisieren als das Heizsystem zu ändern: «Ein Dach hat eine Lebensdauer von mindestens 40 Jahren. Eine Heizung muss hingegen früher ersetzt werden – dann kann man immer noch auf eine Wärmepumpe umsteigen», sagt Adrian Christen.

Die Südfassade wurde rückgebaut und mit grosszügigen Fensterfronten bzw. Balkonen ersetzt.
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Mit dem Panorama-Eckfenster mit grosser Sitzbank beim Essbereich hat sich die Bauherrschaft einen grossen Wunsch erfüllt.

Deutlicher Energieüberschuss  

Der Photovoltaikanlage ist es zu verdanken, dass das Gebäude nach dem Umbau trotz gestiegener Wohnfläche nicht einmal mehr die Hälfte der Energie verbraucht. Aufgrund der Ost-West-Ausrichtung des Daches konnte sie ganzflächig in beiden Dachseiten integriert werden. Sie sollte jährlich mindestens 16'380 Kilowattstunden Energie produzieren, was einen Energieüberschuss von rund 70 Prozent bedeutet. «Wir möchten möglichst viel von unserem eigenen Strom verbrauchen. Deshalb benutze ich Waschmaschine und Geschirrspüler vorwiegend zu Zeiten, in denen unser Dach Strom erzeugt», erklärt die Bauherrin.

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1300 Stunden Eigenleistungen

Das Bauherrenpaar übernahm aussergewöhnlich viele Arbeiten selbst. Unterstützt wurde es von zahlreichen Freunden, denen es einst selbst bei Renovationen zur Seite gestanden war. So kamen allein bis zum Einzug der Familie 1300 Stunden Eigenleistungen zusammen. Die Bauherren haben beispielsweise sämtliche Abbrucharbeiten übernommen, Bodenbeläge und Gipsdecken eingebaut, alte verleimte Teppiche, Novilonbeläge und Bodenplatten entfernt, alle Leitungen für Strom, Gasheizung und Wasser vorbereitet, die Aussenterrasse samt Treppen konstruiert, fast alle Malerarbeiten im Innenbereich selber ausgeführt, mehrere Wände neu gebaut und versetzt und überdies – in Absprache mit dem Architekten – eine tragende Wand durchbrochen.

Liebe fürs Detail

Der grosse Aufwand für die Eigenleistungen lohnte sich, sagt die Bauherrin: «Wenn ich durch das Haus gehe, bin ich stolz auf das, was wir gemacht haben. Bei der Innentreppe benötigte ich zum Beispiel einen Abend pro Stufe, um sie vom Leim zu befreien. Dafür sehe ich die Treppe nun mit ganz anderen Augen.» Das gesparte Geld hat das Paar im Rahmen des Budgets immer gleich wieder für Finessen im Innenausbau ausgegeben. So hat es sich etwa gestemmte Türen geleistet, wie sie schon vorher im Haus zu finden waren. Mit dem Resultat ist es rundum zufrieden – auch wenn es mit den Eigenleistungen noch lange nicht vorbei ist, gibt es doch immer noch etwas zu verbessern.

Besonders stolz ist die Bauherrin auf die Treppe, die sie in vielen Stunden von Leimspuren befreit hat.
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