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Netto-Null-Standard oder ein rotes G: Wie gut ist dein Haus?

ca. 6 Leseminuten in Zusammenarbeit mit Andreas Meyer Primavesi, Verein Minergie & Verein GEAK
Energieeffizienzklassen bei Häusern in der Schweiz

Der Gebäudeenergieausweis der Kantone teilt jedes Haus in verschiedene Energieklassen ein. Der Gebäudestandard Minergie zertifiziert Häuser mithilfe weiterer Ökokriterien. Erfahre mehr darüber, was die Bewertungsvarianten aussagen und bewirken sollen?

Experte in diesem Artikel

Andreas Meyer Primavesi
Verein Minergie & Verein GEAK

Andreas Meyer Primavesi ist Geschäftsführer des Vereins Minergie und des Vereins GEAK. Der dipl. Forstingenieur ETH verfügt über langjährige Erfahrung in der Energiepolitik und Gebäudeeffizienz und war am Aufbau des nationalen Gebäudeprogramms beteiligt.

Das Wichtigste in Kürze

  • Minergie ist ein in der Schweiz etablierter Gebäudestandard. 

  • Neben dem Minergie-Basisstandard können weitere energie- und klimarelevante Qualitätsaspekte für Minergie-P, Minergie-A und Minergie-Netto-Null zertifiziert werden. 

  • Das Minergie-ECO-Haus bietet zusätzlich ein angenehmes Klima und erfüllt Anforderungen an ein gesundheitsförderndes Bauen. 

  • Der Gebäudeenergieausweis der Kantone (GEAK) bewertet ein Gebäude in Bezug auf Energieeffizienz, erneuerbare Energie und CO2-Ausstoss und weist auf das Sanierungspotenzial hin. 

Was ist der Minergie-Basisstandard?

Minergie bezeichnet einen freiwilligen Nachhaltigkeitsstandard für Neubauten und modernisierte Gebäude, die besser sind als konventionelle Bautypen. Für den Basisstandard sind mehr Vorgaben zu erfüllen als für eine Baubewilligung. Vorgegeben sind zum Beispiel ein überdurchschnittlicher Wärmeschutz, eine CO2-freie Wärmeversorgung, die Eigenstromerzeugung sowie ein geringer Ressourcenbedarf bei der Erstellung. Wie du zu deinem Minergie-Zertifikat kommst, erfährst du hier.

Das Minergie-Haus weist auch im Hitzesommer angenehme Innenraumtemperaturen aus. «Was wir heute bauen, soll ein behagliches Wohnen und Arbeiten für die klimatischen Bedingungen in der Zukunft ermöglichen», ergänzt Andreas Meyer Primavesi, Geschäftsleiter des Vereins Minergie. Deshalb sind zertifizierte Bauten gut vor Hitzewellen gewappnet und zwingend mit einem Sonnenschutz auszustatten. Die Lüftungsanlage kann aber zur Optimierung der Nachtauskühlung verwendet werden. Der Betrieb eines Kühlgeräts ist derweil über die Produktion von Eigenstrom zu organisieren. Mehrere Kantone fördern den Neubau oder eine Gebäudesanierung nach Minergie-Standard finanziell. 

Vielfalt an Minergie Standards 

Die Minergie-Labelfamilie besteht aus einem vielfältigen Angebot an Qualitätsstandards, die unterschiedliche Ziele für die Planung, den Bau und den Betrieb eines Gebäudes definieren:

  • Minergie: Im Fokus stehen ein niedriger Heizwärmebedarf, eine energieeffiziente Nutzung, eine erneuerbare Energieversorgung sowie die Reduktion von grauer Energie.
  • Minergie-P: Im Vergleich zum Basisstandard wird ein niedrigerer Heizwärmebedarf verlangt. Der thermische Raumkomfort wird überwiegend durch die passive Nutzung von Sonnenwärme sichergestellt.  
  • Minergie-A: Das Minergie-P-Prinzip, den Heizwärmebedarf möglichst tief zu halten, wird mit dem Einsatz von lokaler Energieerzeugung kombiniert. Minergie-A-Häuser weisen eine ausgeglichene Energiebilanz aus. Dazu produzieren sie einen jährlichen Solarstromertrag, der mindestens so gross ist wie der Jahresbedarf an Wärme- und/oder Kühlenergie.
  • Minergie Netto-Null: Um die graue Energie bei der Erstellung zu reduzieren und auszugleichen, bietet der Gebäudestandard Minergie-Netto-Null ein Nachweisverfahren für klimaneutrale Gebäude an.
  • Minergie-Areale: Für den Standard Minergie-Areal sind zusätzliche Anforderungen an das Mobilitätskonzept und die Klimaanpassung im Aussenraum zu erfüllen.
  • Minergie-Zusatzzertifikate: Die gebäude- und arealbezogenen Standards lassen sich erweitern, durch den ECO-Nachweis für eine bauökologische und gesundheitsfördernde Bauweise. Zusätzliche Zertifizierungen sind möglich für eine Qualitätssicherung (Minergie-Qualitätssystem Bau MQS Bau) oder einen Checkup im Betrieb (Minergie-Betrieb 

Vorgehen bei Gebäudesanierung: Minergie oder GEAK?

Möchtest du dein Eigenheim modernisieren, kannst du dies mit der Minergie-Systemerneuerung strategisch einfach vorbereiten. Dabei handelt es sich um standardisierte Sanierungsvarianten, die ein bestehendes Gebäude in ein Minergie-Haus verwandeln. Dazu kannst du auswählen zwischen mehreren Systemlösungen – entweder die Aussenhülle verbessern, mehr erneuerbare Energie einsetzen oder beide Massnahmen miteinander kombinieren. Die Sanierungsvarianten sind optimal auf den GEAK abgestimmt. Ein Minergie-Gebäude zeichnet sich aus durch jeweils ein grünes «A» in allen drei GEAK-Kategorien: Energieeffizienz Gebäudehülle, Gesamtenergieeffizienz und direkte CO2-Emissionen. Eine schlechtere GEAK-Klassierung gibt demgegenüber erste Anhaltspunkte, wie und in welchen Bereichen die energetische Qualität des Gebäudes – etwa durch eine Sanierung – optimal verbessert werden kann.

Zentrale Qualitätsgrösse: der Heizwärmebedarf

«Ein GEAK bewertet den aktuellen energetischen Zustand eines Gebäudes», sagt Andreas Meyer Primavesi, der auch Geschäftsführer des Vereins GEAK ist. Wichtigste Kenngrösse dafür ist der Energieverbrauch pro Jahr, der jeweils auf die Energiebezugsfläche des Gebäudes bezogen wird. Der spezifische Jahres-Energieverbrauch lässt sich anhand folgender Werte für den Heizwärmebedarf veranschaulichen:

  • Für neue Wohnhäuser (Einfamilien- und Mehrfamilienhäuser) mit Minergie-Zertifikat darf der Heizwärmebedarf den Wert 35 kWh/m2 nicht übersteigen.
  • Minergie-P und Minergie-A setzen tiefere Grenzwerte unter 30 kWh/m2 voraus.
  • Für eine Minergie-Systemerneuerung werden höchstens 60 kWh/m2 toleriert.
  • Im Vergleich dazu: Ein konventioneller Neubau verbraucht etwa 40 kWh/m2; für ein nicht saniertes, 50-jähriges Gebäude sind Werte knapp unter 100 kWh/m2 typisch.  

GEAK: unterschiedliche Kategorien und Klassen

Der Gebäudeenergieausweis der Kantone (GEAK) bewertet nicht nur die Effizienz der Gebäudehülle mit dem Heizwärmebedarf. Zusätzlich werden auch die Gesamtenergieeffizienz und die direkten CO2-Emissionen quantifiziert und in die verschiedenen Kategorien A (sehr gut) bis G (sehr schlecht) eingeteilt.  

  • Effizienz der Gebäudehülle: Die Effizienz der Gebäudehülle beschreibt die Qualität des Wärmeschutzes, insbesondere die Wärmedämmung von Wand, Dach und Böden, sowie der Fenster. Konventionelle Neubauten erreichen mindestens ein «B».
  • Gesamtenergieeffizienz: Die Gesamtenergieeffizienz eines Gebäudes kombiniert die Bewertung des Heizwärmebedarfs mit derjenigen für die lokale Wärme- und Stromerzeugung. Je mehr erneuerbare Energien vor Ort verwendet wird, umso besser ist die Klassierung.
  • Direkte CO2-Emissionen: Von der Wärmeerzeugung für Heizung und Warmwasser hängt ab, wie gut die dritte GEAK-Kategorie «Direkte CO2-Emissionen» bewertet wird. Fossile Heizungsanlagen schneiden schlecht ab; alternative Systeme wie Holzheizung, Wärmepumpe oder Fernwärme ergeben eine gute Klassierung. Treibhausgasemissionen, die für Strom oder Fernwärme in vorgelagerten Prozessen verursacht werden, werden im GEAK-Ausweis quantifiziert, aber fliessen nicht in die Bewertung ein. 

Häufige Fragen

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