Graue Energie reduzieren – so gehst du vor!
Neubauten mit wenig grauer Energie sind heute schon machbar. Eine Strategie dafür ist: Wer mineralische Ressourcen möglichst sparsam verwendet und stattdessen Baustoffe vor allem aus nachwachsender Produktion wählt, verringert den CO2-Fussabdruck erheblich. Die Leichtbauweise mit Holz, Hanf oder Stroh steht diesbezüglich besser da als ein massiv erstelltes Wohnhaus mit Mauerwerk oder aus Beton.
Doch bevor das passende Material auszuwählen ist, können Bauherrschaften die Weichen auf eine hohe Ressourceneffizienz stellen. Das Nutzungsprogramm, das ein Neubau erfüllen soll, beeinflusst sehr viel dessen, was an grauer Energie bei der Erstellung benötigt wird.
Wieviel Fläche? Wieviel Komfort?
Um erstellungsbedingte CO2-Emissionen einzusparen, lässt sich neben dem Nutzungsprogramm auch das Raumangebot reduzieren. Es gilt, unter anderem den Flächenbedarf zu optimieren, ohne die Funktionalität oder den Komfort beim Wohnen einzuschränken. Genügsame Raumkonzepte reduzieren die graue Energie, weil die verfügbare Nutzfläche teilweise multifunktional beansprucht werden kann. Auch die Infrastruktur kann in grösseren Wohnhäusern geteilt werden, etwa mit der Erschliessung durch ein gemeinsames Treppenhaus anstatt mehrerer separater Verkehrszonen.
Ein wirksames Mittel, um graue Energie beim Hausbau einzusparen, ist der teilweise bis vollständige Verzicht auf Untergeschosse. Weil diese meistens nur massiv erstellt werden können, spart jede nicht erstellte Kellerwand relativ viele indirekte Treibhausgasemissionen.
Weiterbauen statt ersetzen
Ein Optimalfall ist das Weiterbauen im Bestand: Ein bestehendes Gebäude erneuern und erweitern, anstatt dieses abzubrechen und zu ersetzen, spart sehr viel graue Energie. Die Herausforderung besteht darin, die Verlängerung der Nutzungsdauer mit den künftigen Nutzungswünschen in Einklang zu bringen. Dadurch werden Ressourcen auch vor einem Rückbau verschont, was erheblich weniger Bauabfälle erzeugt.
Auf die Bauteilebene bezogen lässt sich analog klimaoptimiert bauen: Werden einzelne Bauteile aus einer Bauteilbörse wiederverwendet, sind deren indirekten Treibhausgasemissionen bisweilen viermal kleiner als bei neuen Bauteilen. Die Angebotspalette zur Wiederverwendung erweitert sich laufend; verfügbar sind etwa Fenster, Metallfassaden sowie Stahlträger und Holzbalken.
Kompakte Form, gradliniger Rohbau
Im Rohbau steckt viel Material. Eine kompakte Form und eine einfache Tragstruktur verbessern die Ressourceneffizienz eines Neubaus. Schlanke Wände und Decken, falls sie nur wenige Schichten aufweisen, bieten weitere gute Ansätze für ein Gebäude mit wenig grauer Energie. Zusätzliche Verbesserungen in der Klimabilanz lassen sich erreichen, wenn die einzelnen Bauteile dauerhaft konstruiert sind. Dadurch muss weniger Material bei einer Gebäudeerneuerung ersetzt werden.
Haustechnik: Leitungen reduzieren
Aus bisherigen Analysen weiss man: Die Haustechnik zum Heizen, Lüften sowie die sanitären Einrichtungen beanspruchen bis zu einem Viertel der grauen Energie eines Gebäudes. Reduzieren lässt sich dieser Anteil etwa durch möglichst kleine Heizungsanlagen. Voraussetzung dafür ist: Ihre Dimensionierung erfüllt den effektiven Leistungsbedarf.
Optimiert werden kann der Materialaufwand ansonsten durch eine interne Erschliessung über kurze Leitungen, Kanäle und Schächte. Jeder Laufmeter weniger senkt die indirekten CO2-Emissionen, weil die Infrastruktur meistens aus Metall gefertigt ist.
Und zu beachten ist die Trennung der Gebäudetechnik vom Bausystem: Leitungen, Kanäle und Rohre, die auf Putz ausgeführt sind und kein Bauteil durchdringen vereinfachen eine spätere Erneuerung. Ausserdem ist die Systemtrennung vorteilhaft, weil leitungsfreie Zwischendecken erheblich schlanker und daher mit weniger Material auskommen.
Material wiederverwenden
Beim Beschaffen von Werk- und Baustoffen sind Herkunft und Fabrikation zu beachten. Produkte aus nachwachsenden, biogenen Rohstoffen begünstigen eine Bauweise mit wenig grauer Energie, ebenso wie solche, die mit wenig Energieaufwand hergestellt und veredelt werden, wie zum Beispiel Recycling-Baustoffe. Beim Beton ist allerdings eine möglichst zementreduzierte Mischung zu berücksichtigen. Dadurch lässt sich der Anteil an indirekten Treibhausgasemissionen erheblich senken.