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CO2-Bilanz von Gebäuden senken – auch beim Erstellen

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CO2-Bilanz von Gebäuden senken

Nachhaltige Häuser schonen das Klima nicht erst im Betrieb, sondern auch schon bei der Erstellung. Wie sich die CO2-Emissionen derart umfassend reduzieren lassen, erfährst du hier.

Das Wichtigste in Kürze

  • Das Erstellen von Gebäuden erzeugt indirekte Treibhausgasemissionen, deren Menge als graue Energie bezeichnet wird. 

  • Zur Reduktion der grauen Energie sind das Gebäudekonzept und die Baustoffwahl anzupassen. 

  • Freiwillige Gebäudestandards beinhalten Vorgaben für die Reduktion von grauer Energie. 

  • Etablierte Bilanzierungsverfahren liefern projektspezifische Informationen über die graue Energie. 

Hohe Anteile an grauer Energie bei der Erstellung von Gebäuden

Ein Neubau ist energieeffizient und nutzt meistens eine erneuerbare Energiequelle für das Heizen und die Warmwassererzeugung. Moderne Gebäude lassen sich deshalb sparsam und CO2-frei betreiben. Noch besser schützen sie das Klima aber, wenn sie auch ihre indirekten Emissionen reduzieren. Denn bereits bei der Erstellung wird ein Treibhausgas-Rucksack gefüllt: Die Herstellung von Baustoffen, ihr Transport auf die Baustelle sowie der Rückbau der verbauten Materialien erzeugen viele CO2-Emissionen.

Gebäudeanalysen zeigen, dass diese vor- und nachgelagerten Prozesse die Klimabilanz eines Neubaus sogar beträchtlich belasten. Der indirekt erzeugte Ausstoss, der als graue Energie bezeichnet wird, ist ebenso gross, wie wenn dasselbe Objekt über 60 Jahre fossil beheizt würde.  

Gebäude im Minergie- sowie im Minergie-ECO-Standard erfüllen heute schon Vorgaben, welche die graue Energie eines Gebäudes limitieren. Grenzwerte für den indirekten CO2-Ausstoss bei der Erstellung wollen der Bund und die Kantone nun aber für alle Neubauten verbindlich einführen. 

Grenzwerte gesetzlich gefordert

Die Mustervorschriften der Kantone im Energiebereich (MuKEn) schlagen eine Ergänzung zu den bisherigen Auflagen für eine Baubewilligung vor. Die kantonalen Baugesetze sollen demnach das Heizen mit erneuerbarer Energie bevorzugen und stattdessen fossile Brennstoffe verbieten. Zudem ist geplant, die Treibhausgasemissionen bei der Erstellung einzudämmen und dazu Grenzwerte für die graue Energie einzuführen. Es wird erwartet, dass die kantonalen Energie- und Baugesetze ab 2030 dahingehend angepasst werden.

Graue Energie reduzieren – so gehst du vor!

Neubauten mit wenig grauer Energie sind heute schon machbar. Eine Strategie dafür ist: Wer mineralische Ressourcen möglichst sparsam verwendet und stattdessen Baustoffe vor allem aus nachwachsender Produktion wählt, verringert den CO2-Fussabdruck erheblich. Die Leichtbauweise mit Holz, Hanf oder Stroh steht diesbezüglich besser da als ein massiv erstelltes Wohnhaus mit Mauerwerk oder aus Beton. 
Doch bevor das passende Material auszuwählen ist, können Bauherrschaften die Weichen auf eine hohe Ressourceneffizienz stellen. Das Nutzungsprogramm, das ein Neubau erfüllen soll, beeinflusst sehr viel dessen, was an grauer Energie bei der Erstellung benötigt wird.  

Wieviel Fläche? Wieviel Komfort? 

Um erstellungsbedingte CO2-Emissionen einzusparen, lässt sich neben dem Nutzungsprogramm auch das Raumangebot reduzieren. Es gilt, unter anderem den Flächenbedarf zu optimieren, ohne die Funktionalität oder den Komfort beim Wohnen einzuschränken. Genügsame Raumkonzepte reduzieren die graue Energie, weil die verfügbare Nutzfläche teilweise multifunktional beansprucht werden kann. Auch die Infrastruktur kann in grösseren Wohnhäusern geteilt werden, etwa mit der Erschliessung durch ein gemeinsames Treppenhaus anstatt mehrerer separater Verkehrszonen.

Ein wirksames Mittel, um graue Energie beim Hausbau einzusparen, ist der teilweise bis vollständige Verzicht auf Untergeschosse. Weil diese meistens nur massiv erstellt werden können, spart jede nicht erstellte Kellerwand relativ viele indirekte Treibhausgasemissionen.  

Weiterbauen statt ersetzen

Ein Optimalfall ist das Weiterbauen im Bestand: Ein bestehendes Gebäude erneuern und erweitern, anstatt dieses abzubrechen und zu ersetzen, spart sehr viel graue Energie. Die Herausforderung besteht darin, die Verlängerung der Nutzungsdauer mit den künftigen Nutzungswünschen in Einklang zu bringen. Dadurch werden Ressourcen auch vor einem Rückbau verschont, was erheblich weniger Bauabfälle erzeugt.  
Auf die Bauteilebene bezogen lässt sich analog klimaoptimiert bauen: Werden einzelne Bauteile aus einer Bauteilbörse wiederverwendet, sind deren indirekten Treibhausgasemissionen bisweilen viermal kleiner als bei neuen Bauteilen. Die Angebotspalette zur Wiederverwendung erweitert sich laufend; verfügbar sind etwa Fenster, Metallfassaden sowie Stahlträger und Holzbalken.

Kompakte Form, gradliniger Rohbau

Im Rohbau steckt viel Material. Eine kompakte Form und eine einfache Tragstruktur verbessern die Ressourceneffizienz eines Neubaus. Schlanke Wände und Decken, falls sie nur wenige Schichten aufweisen, bieten weitere gute Ansätze für ein Gebäude mit wenig grauer Energie. Zusätzliche Verbesserungen in der Klimabilanz lassen sich erreichen, wenn die einzelnen Bauteile dauerhaft konstruiert sind. Dadurch muss weniger Material bei einer Gebäudeerneuerung ersetzt werden.

Haustechnik: Leitungen reduzieren

Aus bisherigen Analysen weiss man: Die Haustechnik zum Heizen, Lüften sowie die sanitären Einrichtungen beanspruchen bis zu einem Viertel der grauen Energie eines Gebäudes. Reduzieren lässt sich dieser Anteil etwa durch möglichst kleine Heizungsanlagen. Voraussetzung dafür ist: Ihre Dimensionierung erfüllt den effektiven Leistungsbedarf.  

Optimiert werden kann der Materialaufwand ansonsten durch eine interne Erschliessung über kurze Leitungen, Kanäle und Schächte. Jeder Laufmeter weniger senkt die indirekten CO2-Emissionen, weil die Infrastruktur meistens aus Metall gefertigt ist.  

Und zu beachten ist die Trennung der Gebäudetechnik vom Bausystem: Leitungen, Kanäle und Rohre, die auf Putz ausgeführt sind und kein Bauteil durchdringen vereinfachen eine spätere Erneuerung. Ausserdem ist die Systemtrennung vorteilhaft, weil leitungsfreie Zwischendecken erheblich schlanker und daher mit weniger Material auskommen.

Material wiederverwenden

Beim Beschaffen von Werk- und Baustoffen sind Herkunft und Fabrikation zu beachten. Produkte aus nachwachsenden, biogenen Rohstoffen begünstigen eine Bauweise mit wenig grauer Energie, ebenso wie solche, die mit wenig Energieaufwand hergestellt und veredelt werden, wie zum Beispiel Recycling-Baustoffe. Beim Beton ist allerdings eine möglichst zementreduzierte Mischung zu berücksichtigen. Dadurch lässt sich der Anteil an indirekten Treibhausgasemissionen erheblich senken.  

Bilanzieren: Fachpersonen beiziehen

Zur Bilanzierung der grauen Energie bieten sich unterschiedliche Nachweisverfahren an. Einfache Berechnungen lassen sich mit dem Minergie-Tool durchführen, unabhängig einer Zertifizierung. Dieses steht auf der Label-Plattform zur freien Anwendung zur Verfügung. Ein einfach anwendbares Instrument ist ebenfalls die Rechenhilfe SIA 390/1 «Klimapfad». Sie ist über die Webplattform energytools.ch kostenlos abrufbar.

Bauherrschaften ist allerdings folgendes zu empfehlen: Zum einen sind die Berechnungen an eine Fachperson für die CO2-Bilanzierung zu delegieren. Zum anderen ist die Projektierung des Gebäudes periodisch mit Zwischenbilanzierungen zu überprüfen. Wird dafür jeweils dieselbe Fachperson beauftragt, werden Informationen erzeugt, die sich bei steigendem Detaillierungsgrad gut vergleichen lassen. 

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CO2-Speicherung: nicht bilanzierbar

Gebäude aus Beton oder Holz können als CO2-Speicher wirken, weil diese Materialien selbst einen Kohlenstoffgehalt aufweisen. Der Speichereffekt kann sogar quantifiziert werden. Unter anderem werden die Speicherwerte für Gebäude im Standard Minergie, Minergie-ECO, Minergie-Netto-Null, SNBS-Hochbau oder SIA-Klimapfad deklariert. Allerdings besitzen diese Angaben nur informativem Charakter; sie dürfen für die Bilanzierung der grauen Energie nicht berücksichtigt werden. 

Häufige Fragen

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