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Interview Schädlinge im Garten: Natürlich vorbeugen und bekämpfen

Interview ca. 7 Leseminuten in Zusammenarbeit mit Othmar Ziswiler, JardinSuisse
Blattläuse auf den Blättern einer Gartenpflanze.

Ob Schnecken im Salatbeet oder Blattläuse auf dem Apfelbaum – wer gärtnert, teilt sein Grün oft ungewollt mit hungrigen ungebetenen Gästen. Othmar Ziswiler, Leiter Gärtnerischer Detailhandel bei JardinSuisse, verrät im Interview, wie man die Warnzeichen von Schädlingen im Garten erkennt, wann man handeln sollte und welche einfachen Tricks bereits zur Vorbeugung helfen.

Experte in diesem Interview

Othmar Ziswiler

Othmar Ziswiler
JardinSuisse

Othmar Ziswiler ist Leiter Gärtnerischer Detailhandel bei JardinSuisse, dem Unternehmerverband Gärtner Schweiz. Er vertritt die Interessen des Schweizer Gartenfachhandels und beschäftigt sich mit Vermarktungs- und Branchenthemen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Schädlinge verursachen je nach Art unterschiedliche Schäden. Regelmässige Kontrollen helfen dabei, einen Befall frühzeitig zu erkennen und rechtzeitig zu reagieren.
  • Vorbeugung ist oft wirksamer als Bekämpfung. Ein passender Standort, gute Pflege, Mischkulturen und widerstandsfähige Pflanzen senken das Risiko für Schädlingsbefall deutlich.
  • Natürliche Massnahmen wie Schneckenkragen, Schmierseifenlösung, Brennnesselsud oder das Fördern von Nützlingen helfen, viele Schädlinge ohne chemische Mittel in Schach zu halten.
  • Regelmässige Gartenpflege stärkt die Pflanzen und erschwert Schädlingen die Ausbreitung. Dazu gehören unter anderem Rückschnitt, Bodenpflege und tägliche Kontrollgänge.

Othmar Ziswiler, woran erkennt man, dass Schädlinge im Garten ein Problem sind?

Das ist je nach Schädling ganz unterschiedlich. Bei Schnecken erkennt man es beispielsweise an angefressenen Blättern an Salat und Blumenkohl. Bei Blattläusen kommt es hingegen zu eingerollten oder verformten Blättern, etwa am Kirschbaum oder an Rosen
 
Eine pauschale Antwort auf die Frage gibt es aber nicht – verschiedene Schädlinge verursachen unterschiedliche Symptome. Oft lässt sich der Verursacher aber recht schnell finden, denn in vielen Fällen sieht man die Schädlinge direkt an den betroffenen Pflanzen.

Wann sollte man handeln, wenn man Schädlinge bemerkt?

Das hängt stark vom Ausmass des Befalls und vom jeweiligen Schädling ab. In vielen Fällen ist ein gewisses Mass an Schädlingsbefall unproblematisch – etwa wenn eine einzelne Schnecke ein Blatt eines grossen Salates anknabbert, ist das kein Grund zur Sorge. Solange die Pflanze insgesamt gesund bleibt und nicht ernsthaft geschwächt wird, kann man oft abwarten.

Kritisch wird es, wenn die Schädlinge überhandnehmen und sichtbar Schaden anrichten, etwa durch grossflächigen Blattfrass, Wachstumsstörungen oder eine deutliche Schwächung der Pflanze. Dann sollte man gezielt Gegenmassnahmen ergreifen. Wo genau die Grenze liegt, ist individuell verschieden und hängt auch vom eigenen Anspruch an den Garten ab. Aussaaten und junge und somit kleine Pflanzen sind aber natürlich gefährdeter als ausgewachsene.

Ich persönlich handle je nach Situation und Schädling unterschiedlich: Bei Schnecken greife ich meist recht schnell ein, weil sie sehr schnell grossen Schaden anrichten können. Bei Blattläusen hingegen bin ich geduldiger – ich weiss, dass oft bald Nützlinge wie Marienkäfer auftauchen, die das Problem auf natürliche Weise wieder ins Gleichgewicht bringen. 

Gibt es einfache Mittel oder Tricks, mit denen man Schädlinge schon vorbeugen kann, bevor sie zum Problem werden?

Ja, es gibt einige einfache, aber wirkungsvolle Massnahmen zur Vorbeugung. Besonders wichtig ist es, Pflanzen an einen Standort zu setzen, der zu ihren Bedürfnissen passt. Tomaten zum Beispiel sollte man möglichst geschützt pflanzen, damit sie nicht ständig nass werden – idealerweise unter einem Vordach oder in einem Tomatenhaus. Beim Apfelbaum hingegen ist ein regelmässiger Rückschnitt entscheidend, damit die Krone luftig bleibt und Krankheiten oder Schädlinge sich nicht so leicht ausbreiten können. 
 
Grundsätzlich gilt: Je besser die Wachstumsbedingungen, desto widerstandsfähiger sind Pflanzen gegen Schädlinge und Krankheiten. Wer auf eine gute Pflege achtet, schafft starke, gesunde Pflanzen mit einer natürlichen Abwehrkraft. Unterstützend kann man auch Pflanzenstärkungsmittel einsetzen – sie fördern die Vitalität und helfen der Pflanze, sich besser gegen Schädlinge und Krankheiten zu wehren. 
 
In anderen Worten: Wer seinen Pflanzen also Sorge trägt und ihnen optimale Bedingungen bietet, senkt das Risiko für Schädlingsbefall deutlich – oft, bevor ein Problem überhaupt entsteht.

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Gibt es Pflanzen, die von Natur aus Schädlinge fernhalten – und wenn ja, welche?

Ja, es gibt tatsächlich einige Pflanzen, die durch ihren Duft oder bestimmte Inhaltsstoffe Schädlinge abschrecken und so als natürliche «Pflanzenschutzmittel» im Garten wirken können. Ein bekanntes Beispiel ist Tagetes, auch bekannt als Studentenblume: Sie wird häufig gegen Nematoden – kleine Fadenwürmer – im Boden eingesetzt, da ihre Wurzelausscheidungen die Schädlinge fernhalten oder reduzieren können. 
 
Auch bei der Kombination bestimmter Gemüsepflanzen lässt sich einiges erreichen. So kann man beispielsweise Rüebli sowie Sellerie neben Lauch oder Zwiebeln pflanzen – diese Kombination wirkt gegenseitig abschreckend auf typische Schadinsekten wie Lauchmotten oder Möhrenfliegen. Der Duft der einen Pflanze irritiert die Schädlinge der anderen, sodass ein Befall oft deutlich geringer ausfällt. 
 
Solche gezielten Mischkulturen oder «guten Nachbarn» sind somit eine einfache, ökologische Möglichkeit, den Schädlingsdruck im Garten auf natürliche Weise zu verringern.

Blattläuse gehören zu den häufigsten Gartenschädlingen. Wie erkennt man einen Befall rechtzeitig?

Am besten macht man täglich einen kurzen Kontrollgang durch den Garten – auch dann, wenn kein Giessen nötig ist. So bekommt man schnell ein Gefühl dafür, ob es den Pflanzen gut geht oder ob etwas nicht stimmt. Besonders wichtig ist es, die jungen Triebe und die Blattunterseiten genau anzuschauen, denn dort sitzen die Blattläuse bevorzugt. Mit der Zeit entwickelt man ein geschultes Auge und erkennt typische Anzeichen schneller.

Bei Apfel- und Kirschbäumen zeigen sich Blattläuse wie bereits gesagt oft durch eingerollte Blätter, während bei Rosen vor allem die jungen Blütenspitzen betroffen sind. Regelmässige Beobachtung hilft, einen Befall frühzeitig zu entdecken – bevor er grösseren Schaden anrichten kann. 

Gerade im Sommer sind weisse Fliegen im Garten oft lästig. Wie wird man sie am besten los, ohne gleich zur Chemiekeule zu greifen?

Weisse Fliegen treten besonders häufig an Kohlpflanzen auf und gehören zu den Schädlingen, die sich relativ schwer bekämpfen lassen. Oft ist ein leichter Befall kein Grund zur Sorge und kann einfach toleriert werden. Wenn die Population jedoch stark zunimmt, sollte man möglichst früh handeln.

Ein bewährtes Hausmittel ist Schmierseifenlösung: Dafür löst man etwas Schmierseife in Wasser auf und besprüht die befallenen Pflanzen damit gründlich. Wichtig ist, die Behandlung regelmässig zu wiederholen – denn sobald die Fliegen geschlüpft sind, legen sie innerhalb von rund zehn Tagen bereits die nächsten Eier ab. Wer nicht konsequent bleibt, bekommt das Problem kaum in den Griff.

Auch Brennnesselsud kann unterstützend eingesetzt werden. Zusätzlich empfehle ich, die Pflanzen mit Pflanzenstärkungsmitteln zu kräftigen – denn gesunde, widerstandsfähige Pflanzen werden seltener befallen. 

Schnecken können besonders in Gemüsebeeten zu Schäden führen, da sie junge Pflanzen fressen. Welche Massnahmen helfen, um die Schneckenpopulation im Garten zu kontrollieren?

Eine besonders effektive Methode ist der Einsatz von Schneckenkragen. Diese werden rund um die Setzlinge platziert und verfügen über einen speziellen Rand, den die Schnecken nicht überwinden können. Vor allem bei gefährdeten Pflanzen wie Salat lohnt sich der Einsatz solcher Kragen. Wichtig ist jedoch, die Pflanzen in den ersten Tagen regelmässig zu kontrollieren. Befindet sich nämlich bereits eine Schnecke innerhalb des Kragens, ist der Schutz unwirksam – sie muss dann manuell entfernt werden. 
 
Zusätzlich hilft es, abends bei Einbruch der Dämmerung die Beete abzugehen und Schnecken abzusammeln, da sie dann besonders aktiv sind. Ein ausgelegtes feuchtes Blatt oder ein Brett kann als Köder dienen – dort sammeln sich die Schnecken, und man kann sie am nächsten Morgen leicht entfernen.

Mäuse können im Garten Schäden an Pflanzen verursachen und sich unter Umständen auch in unerwünschten Bereichen wie Komposthaufen oder Beeten einnisten. Wie kann man mit diesem Problem umgehen, ohne den Garten unnötig zu beeinträchtigen?

Um Mäuse im Garten wirksam und möglichst schonend zu vertreiben, ist das Aufstellen von Fallen die erste und oft effektivste Massnahme. Bei Hochbeeten empfiehlt es sich, bereits beim Aufbau ein engmaschiges Draht- oder Wühlmausnetz unter der Erde zu verlegen, damit Mäuse gar nicht erst an die Pflanzenwurzeln gelangen. 
 
Ein weiterer hilfreicher Tipp ist, regelmässig für Bewegung im Boden zu sorgen – etwa durch Lockern mit einer Gartenkralle oder einem Rechen. Diese Störung mögen Mäuse nicht, da sie bevorzugt ruhige, ungestörte Bereiche zum Nisten suchen. Durch die regelmässige Bodenbearbeitung signalisiert man ihnen, dass dieser Ort für eine Besiedlung ungeeignet ist. 

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