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Interview Schädlinge: Tipps vom Profi für ein schädlingsfreies Zuhause

Interview ca. 5 Leseminuten in Zusammenarbeit mit Jean-Martin Fierz, Desinfecta AG
Jean-Martin Fierz von der Desinfecta AG

Ob Küche, Kleiderschrank oder Dachboden, ungebetene Gäste können Nerven und Bausubstanz strapazieren. Jean-Martin Fierz von der Desinfecta AG erklärt, welche Schädlinge besonders häufig auftreten, wie man sie erkennt und wann man selbst handeln kann - oder Profis braucht.

Experte in diesem Interview

Jean-Martin Fierz, Desinfecta AG

Jean-Martin Fierz
Desinfecta AG

Jean-Martin Fierz hat Biologie studiert und ist Leiter Entwicklung & Qualität sowie Mitglied der Geschäftsleitung der Desinfecta AG. Er verfügt über langjährige Erfahrung in der Entwicklung und Qualitätssicherung von Produkten für Hygiene, Desinfektion und Schädlingsbekämpfung.

Das Wichtigste in Kürze

  • Ungeziefer im Haus wie Ameisen, Motten, Silberfischchen oder Mäuse tritt häufig durch kleine Undichtigkeiten, Lebensmittelreste oder Feuchtigkeit auf, entscheidend ist eine frühzeitige Erkennung.
  • Vorbeugung ist zentral, saubere Lagerung von Lebensmitteln, regelmässiges Lüften und Abdichten von Fugen reduzieren das Risiko eines Schädlingsbefalls deutlich.
  • Bei einem akuten Befall solltest du rasch handeln, je nach Art des Schädlings sind unterschiedliche Massnahmen sinnvoll, von einfachen Hausmitteln bis zur professionellen Bekämpfung.
  • Chemische Mittel sind mit Vorsicht zu verwenden, oft sind gezielte, fachgerechte Methoden wirksamer und nachhaltiger.

Herr Fierz, wann wird ein Insekt oder Tier zum Schädling?

Ein Schädling ist ein Tier zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort. Die meisten Schädlinge sind hausgemacht. Das bedeutet, sie wurden aus ihrer natürlichen Umgebung um die ganze Welt verschleppt und waren früher in der Schweiz gar nicht heimisch. Ein Beispiel ist die Hausmaus. Sie stammt ursprünglich aus den Steppen Zentralasiens, wo sie niemanden stört. Erst in der Nähe zum Menschen wird sie zum Schädling.

Beobachten Sie eine Zunahme der Probleme mit unerwünschten Gästen im und ums Haus – oder ist unsere Toleranz einfach gesunken?

Wir beobachten keine generelle Zunahme. Allerdings reagieren Städter empfindlicher auf Schädlinge als Menschen auf dem Land.

Merkblatt Schädlinge

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Nutze unsere praktische Merkliste (PDF) mit Tipps für ein schädlingsfreies Zuhause.

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Welche Schädlinge sind aus Ihrer Sicht eher harmlos – und bei welchen Arten ist rasches Handeln geboten, weil sie Hygiene, Gesundheit oder Bausubstanz gefährden können?

Das kommt auf die Situation an und darauf, wo der Schädling auftritt. Eine Schabe in der Kanalisation richtet nicht denselben Schaden an wie eine Schabe in der Küche. Gefährlich sind vor allem Hygieneschädlinge, die die Gesundheit beeinträchtigen können. Dazu zählen alle Schabenarten sowie Nager wie Ratten und Mäuse. Letztere können durch ihre Nagetätigkeit zudem Schäden an der Bausubstanz verursachen oder Kurzschlüsse und Brände auslösen. Solche Tiere sollten nur von Profis bekämpft werden. Harmloser sind dagegen zum Beispiel Dörrobstmotten: Hier reicht meist das Entsorgen der befallenen Ware.

Welche Tiere rufen Ihre Firma am häufigsten auf den Plan – und gibt es bestimmte «Klassiker», etwa im Frühling oder Spätsommer?

In den Sommermonaten sind es vor allem Wespen und Ameisen. Nach den Ferien nehmen die Fälle von Bettwanzen zu. Im Winter häufen sich Nagerfälle, weil diese von der Wärme der Haushalte angezogen werden.

Ob Lebensmittelmotten, Ameisen oder Fruchtfliegen – was kann man tun, wenn es in der Küche plötzlich wimmelt? Und wie verhindert man solche Befälle nachhaltig?

Bei Lebensmittelmotten sollte befallene Ware entsorgt und die Umgebung gründlich gereinigt werden. Bei Ameisen hilft es, das Gebäude dicht zu halten und gründlich zu reinigen, um die Tiere gar nicht erst anzuziehen. Finden Ameisen dennoch den Weg ins Haus, sollte man auf eigene Massnahmen verzichten und einen professionellen Schädlingsbekämpfer hinzuziehen. Fruchtfliegen lassen sich vermeiden, indem Obst und Gemüse im Kühlschrank gelagert, PET-, Frucht- und Bierflaschen gründlich ausgespült und Abflüsse sauber gehalten werden.

Motten im Kleiderschrank sind ein Dauerbrenner – woran erkennt man einen echten Befall und wie wird man ihn zuverlässig wieder los?

Ein echter Befall zeigt sich durch herumfliegende Textilmotten und durch Löcher in Kleidungsstücken oder Teppichen aus tierischen Materialien wie Schafswolle oder Seide. Textilmotten beschädigen gelegentlich auch Baumwolle, auch wenn sie sich nicht davon ernähren. Befallene Ware sollte für zwei Wochen ins Gefrierfach gelegt werden. Nicht befallene Textilien mit tierischen Fasern sollten während dieser Zeit luftdicht verpackt werden.

Marder auf dem Estrich – sie sind nur laut oder auch gefährlich?

Marder auf dem Estrich sind vor allem wegen des Lärms unangenehm, den sie verursachen. In manchen Fällen können sie auch das Dach und die Isolation beschädigen und damit die Bausubstanz gefährden. Bei einer Mardervergrämung wird ein natürliches Repellent eingesetzt. Dies ist ein ungiftiger Duft- und Geschmacksstoff, der im Revier des Marders ausgebracht wird. Die Tiere nehmen das Repellent über ihr Fell auf. Beim anschliessenden Putzen gelangt es an die Schleimhäute und erzeugt ein unangenehmes Gefühl, das sie mit dem Revier verbinden. Zunächst versuchen die Marder noch einige Tage, ihr Territorium zu verteidigen, geben dann jedoch auf, und auch nachfolgende Marder meiden das Gebiet. Potenzielle Einstiegsmöglichkeiten sollten anschliessend baulich verschlossen werden, um erneute Besuche zu verhindern.

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Ratten und Mäuse gelten als besonders hartnäckige Gäste. Was sind häufige Ursachen für einen Befall, und lassen sich Nager dauerhaft fernhalten?

Ratten und insbesondere Mäuse werden oft mit Waren eingeschleppt oder gelangen aus der Umgebung ins Haus. Präventiv sollte man keine Versteckmöglichkeiten oder Nahrungsquellen im Garten anbieten und Türen sowie Tore sorgfältig schliessen, denn ansonsten ist es schwierig, eine Ansiedlung zu verhindern. Sind die Tiere erst einmal da, kann man nur versuchen, ihnen das Leben schwer zu machen, damit sie sich nicht ungehindert vermehren und ausbreiten. Auf jeden Fall sollte ein professioneller Schädlingsbekämpfer hinzugezogen werden, um den Befall effektiv zu kontrollieren.

Viele Hauseigentümerinnen und Hauseigentümer stören sich an Taubenkot. Wie kann man Tauben von Garten und Gebäude fernhalten?

In der Regel sind bauliche Massnahmen wie Netze oder Spikes nötig, um Tauben daran zu hindern, sich auf einem Gebäude niederzulassen.

Was hilft wirklich gegen Mücken im Sommer? Und woran erkennt man, ob es sich um eine invasive Tigermücke handelt?

Gegen Mücken im Sommer gibt es kein Patentrezept. Wichtig ist, dass sich im Garten kein stehendes Regenwasser ansammelt, zum Beispiel in Topfuntersätzen oder anderen Gefässen, da dies den Mücken als Brutstätte für Eier und Larven dient. Besonders die invasive Tigermücke legt ihre Eier in solchen kleinen Wasseransammlungen ab. Sie lässt sich an ihrer schwarz-weissen Färbung erkennen. Die Hinterbeine tragen fünf weisse Ringe, das letzte Beinglied ist ebenfalls weiss.

Darf man ein Hornissen-Nest auf dem einfach entfernen lassen? Und was gilt für Wespennester?

Heimische Hornissen sind in der Schweiz nicht gesetzlich geschützt, aber dennoch schützenswert. Bei einem Nest sollte man zunächst den Hornissenschutz Schweiz kontaktieren, um zu prüfen, ob es umgesiedelt werden kann. Ist dies nicht möglich, kann das Nest bekämpft werden. Wespennester dürfen jederzeit entfernt werden.

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Wenn es in alten Dachbalken knistert: Was hilft gegen Holzschädlinge – und wie gefährlich ist ein Befall fürs Haus?

Holzschädlinge müssen je nach Situation beurteilt werden. Gefährliche Arten wie der Hausbock können die Bausubstanz stark beschädigen und müssen immer behandelt werden. Der klassische Holzwurm, auch gemeiner Nagekäfer genannt, frisst sich sehr langsam durchs Gebälk. Er wird meist nur bekämpft, wenn er Kunstwerke, Möbel oder andere wertvolle Gegenstände befällt.

Ab wann raten Sie, nicht mehr selbst zu experimentieren, sondern Fachleute zu holen? Und was zeichnet eine seriöse Schädlingsbekämpfungsfirma aus?

Bei allen Schädlingen wie Nager, Schaben, Bettwanzen, Flöhen, Ameisen und Wespen sollte man stets Fachpersonen hinzuziehen. Weniger problematische Tiere wie Essigfliegen, Stubenfliegen oder Motten lassen sich oft mit gründlicher Reinigung und gezielten präventiven Massnahmen kontrollieren.

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