myky

Architektur-Reportage: Wohnen in der Landwirtschaftszone

Reportage ca. 4 Leseminuten
Das Aussehen des Neubaus musste sich eng an seinen Vorgängerbau anlehnen.
Das Aussehen des Neubaus musste sich eng an seinen Vorgängerbau anlehnen. Bild: zvg

In der Landwirtschaftszone in Hondrich bei Spiez fällt ein Minergie-P-Einfamilienhaus auf: Es sieht neu aus, ist aber auf «alt» gemacht. Denn wegen kantonaler Auflagen musste es sich äusserlich stark an seinem Vorgänger-Bau orientieren. Innen jedoch ist es durch und durch zeitgemäss.

Das Wichtigste in Kürze

  • Das Minergie-P-Einfamilienhaus in der Landwirtschaftszone von Hondrich wirkt von aussen traditionell, erfüllt innen jedoch höchste energetische und moderne Wohnstandards.
  • Wegen der Lage in der Landwirtschaftszone musste sich der Neubau strikt an das ursprüngliche Gebäude anpassen, etwa bei Dachneigung, Firsthöhe, Fassadenmaterial und Fensteranordnung.
  • Die kantonalen Auflagen verlangten zudem Sonderbewilligungen und beschränkten die Wohnfläche auf maximal 30 Prozent mehr als beim Vorgängerbau.
  • Der Entscheid für einen Neubau fiel nach sorgfältiger Prüfung, da die Bausubstanz des über 100-jährigen Hauses nicht mehr tragfähig war.
  • Dank Holzbauweise und Solaranlage entstand ein energieeffizientes Zuhause mit moderner Haustechnik, das sich harmonisch in die ländliche Umgebung einfügt.

Ein leerstehendes Haus bekommt eine neue Zukunft

Die Geschichte dieses Einfamilienhauses in Hondrich liest sich ein wenig wie ein Märchen. Denn sie beginnt mit einem alten Haus, in dem ein alter Mann lebte. Nachdem er gestorben war, stand das Haus mit zwei Wohnteilen und einem Wirtschaftsteil lange leer. Fast drei Jahrzehnte, um genau zu sein. Zur Erbengemeinschaft, der das Haus gehörte, zählte auch Stefan Gfeller. Der Enkel des vorherigen Besitzers wollte das alte Gebäude schliesslich übernehmen. Da in der Familie niemand anderes Interesse hatte, bekam das Haus so eine neue Eigentümerschaft. Seine ursprüngliche Idee, das über 100-jährige Haus zu renovieren, musste die Bauherrschaft allerdings bald aufgeben: Die Substanz war einfach zu schlecht. «Mancherorts konnte ich mit dem blossen Finger ins Holz bohren und morsche Stücke herausreissen», erzählt Stefan Gfeller.

Hausdossier V 2 500x500px Pos

Wie behältst du den Überblick über dein Wohneigentum?

Wo bewahre ich wichtige Dokumente auf? Wann ist welche Wartung fällig? Wie plane ich eine Sanierung richtig? Genau hier setzt myky an und schafft mit dem myky-Dossier Klarheit und Zugriff auf alles Wichtige an einem zentralen, sicheren Ort.

Landwirtschaftszone sorgt für strenge Auflagen

Mit dem Neubau beauftragte die Bauherrschaft den Zimmermann und Bauleiter Hugo Rainer von Wiedmer Holzbau. Beim Projekt mit dabei war das Amt für Gebäude und Raumordnung des Kantons Bern. Denn weil sich das ursprüngliche Haus in der Landwirtschaftszone befunden hatte, galten spezielle Richtlinien für die Gestaltung des Neubaus. So mussten die Ausrichtung, der Neigungswinkel des Dachs, die Firsthöhe, die Befensterung mit Gymwänden und das Fassadenmaterial vom ursprünglichen Gebäude übernommen werden. Zudem durfte der Neubau nur max. 30 Prozent mehr Wohnfläche besitzen. Weiter waren Sonderbewilligungen nötig, weil das Gebäude zu nahe an der Strasse wie auch zu nahe am Wald stand bzw. steht.

Speziell sind die Gymwände, die als willkommenen Sichtschutz dienen.
Speziell sind die Gymwände, die als willkommenen Sichtschutz dienen. Bild: zvg
Service Teaser Experten

Suchst du die richtigen Expertinnen oder Experten für dein Projekt?

Finde geprüfte Fachpersonen in deiner Nähe und erhalte Unterstützung für deine Sanierung oder Modernisierung.

Intensive Auseinandersetzung mit dem Bau erwies sich als Plus

Die Zusammenarbeit mit dem Amt für Gebäude und Raumordnung hat die Bauherrschaft in guter Erinnerung: «Unsere Vorschläge gingen ein paar Mal hin und her. Der Prozess war sicher schwerfälliger als bei einem normalen Neubau. Durch die Verlangsamung erhielten wir jedoch Gelegenheit, uns viele Gedanken zum Haus zu machen.» Die intensive Auseinandersetzung erwies sich als Plus: Gerade für die Bauherrin, die aus einer Stadt stammt, war der Umzug ins ländliche Hondrich eine Sache, mit der sie sich erst anfreunden musste: «Ganz am Anfang hatten wir auch überlegt, das Haus zu vermieten», erzählt Sybille Gfeller. Doch dann hätten sie sich so eingehend mit ihm beschäftigen müssen, dass sie entschieden, es mit ihrem Nachwuchs selbst zu bewohnen. Zumindest bis auf weiteres: «Wir wollen uns keinen Druck auferlegen und betrachten dies nicht unbedingt als Entscheid fürs Leben», so ein Mitglied der Bauherrschaft.

Architektur-Reportage: Wohnen in der Landwirtschaftszone: Küche, rote Küchenfront Die Küche überrascht mit einem farblichen Akzent: Als Front wählte die Bauherrschaft rostbraune MDF-Platten. Das Erdgeschoss zeichnet sich durch einen grosszügigen Ess- und
Die Küche überrascht mit einem farblichen Akzent: Als Front wählte die Bauherrschaft rostbraune MDF-Platten. Bild: zvg

Nur wenig originale Substanz wurde beibehalten

2012 erfolgte der Abriss, 2013 entstand der Minergie-P-zertifizierte Neubau mit 190 Quadratmetern Nettowohnfläche. Die Fichtenholz-Konstruktion in Leichtbauweise erlaubte es, das Haus innert dreier Tage aufzurichten. Geheizt wird primär mit einer Solaranlage, die das Warmwasser in einem grossen Jenni-Wärmepspeicher erwärmt. Reicht dies nicht aus, kommen ein Schwedenofen im Wohnbereich und ein Holzpellets-Heizkessel im Keller zum Einsatz. Vom alten Gebäude blieb nur wenig übrig: Lediglich ein Teil des Fundaments konnte beibehalten werden. Zudem haben die Bauherren zwei Möbelstücke vom alten Haus gerettet und auf Vordermann gebracht: ein Buffet und ein Holzschrank. Zwei Jahre nach dem Einzug hat sich die Familie gut eingelebt: Ihr Zuhause am Waldrand ist beiden Bauherren längst ans Herz gewachsen. Es mag vielleicht kein Märchenschloss sein, aber weit davon entfernt ist es nicht.

Service Teaser Solar de

Lohnt sich eine Solaranlage auf deinem Dach?

Mit dem myky-Solarrechner findest du in wenigen Minuten heraus, wie viel Strom du mit einer Solaranlage produzieren kannst und wann sich deine Investition auszahlt.

Häufige Fragen

Newsletter V2 500x500px Pos

Tipps für dein Zuhause

Abonniere unseren Newsletter und erhalte regelmässig Tipps rund um dein Zuhause.