So funktioniert eine Solarthermieanlage
Zentrales Element einer thermischen Solaranlage ist der Sonnenkollektor. Dabei handelt sich um quaderförmige Glasmodule, die einen schwarz beschichteten Absorber umhüllen. Der Aufbau und die Funktionsweise eines Kollektormoduls sehen folgendermassen aus:
- Das Wasser zirkuliert durch Leitungsschlaufen und wird durch Sonnenstrahlen erwärmt. Danach fliesst die Wärme über einen eigenen Kreislauf vom Sonnenkollektor in den Warmwasserspeicher.
- Die Glasabdeckung und die Kollektor-Rückseite sind gedämmt, um den Wärmeverlust zu minimieren.
- Ein Frostschutzmittel im Wasser des Kollektorkreislaufs verhindert, dass die Flüssigkeit bei tiefen Aussentemperaturen gefriert.
- Sobald die Temperatur im Kollektor höher ist als im Speicher, treibt eine Umwälzpumpe die Wasserzirkulation an. Ventile und Siphons im hydraulischen System verhindern, dass der Warmwasserspeicher überhitzt.
- Eine Alternative zum flachen Sonnenkollektor ist der Vakuumröhren-Kollektor. Dieser ist zwar teurer in der Anschaffung, aber erzielt 10 bis 50 Prozent höhere Wärmeerträge.
Wie viel Fläche auf dem Dach wird benötigt?
Erfahrungswerte vereinfachen die Dimensionierung von Sonnenkollektoren. Als Faustregel gilt: Pro Person in einem Haushalt sind 1 bis 1,5 m2 grosse Flächen auf dem Dach optimal auf den Sonnenlauf auszurichten. Die optimale Grösse für ein Einfamilienhaus beträgt deshalb 5 bis 6 m2, um etwa die Hälfte des Jahresbedarfs für die Warmwasseraufbereitung zu decken. Für beschattete oder suboptimal ausgerichtete Dächer sind Zuschläge von 50 Prozent einzuplanen. Ein grössere Kollektorfläche kann zusätzliche Wärme für weitere Anwendungen im Wohnbereich liefern wie etwa:
- Zur Unterstützung des Heizsystems: Sonnenkollektoren wärmen den Heizkreislauf beispielsweise auf 30°C vor.
- Zur ergänzenden Heizungsnutzung ist die hydraulische Integration sorgfältig zu planen.
- Eine 16 m2 grosse Kollektorfläche auf einem Einfamilienhaus deckt 20 bis 25 Prozent des jährlichen Gesamtwärmebedarfs für Heizung und Warmwasser ab.
- Sind Waschmaschine und Geschirrspüler mit einem Warmwasseranschluss ausgerüstet, können sie hydraulisch in das solare Erwärmungssystem eingebunden werden.
Wie Sonnenkollektoren auszurichten sind
Grundsätzlich lassen sich Flachkollektoren auf ein Schräg- respektive Flachdach montieren. Die Integration in Fassaden oder als Balkonbrüstung ist ebenfalls möglich. Um den solaren Wärmeertrag zu optimieren, sind die Besonnungsdauer und die geografische Ausrichtung der ausgewählten Flächen zu berücksichtigen.
- Ein nach Süden oder Westen ausgerichtetes Schrägdach erlaubt eine Integration oder ein Aufsetzen von Sonnenkollektoren. Dabei wird in der Regel nicht die gesamte Dachfläche benötigt.
- Auf einem Flachdach sind Sonnenkollektoren mit einem Winkel bis 45° aufzuständern und nach Süden respektive Westen auszurichten. Kollektoranlagen lassen sich mit einer Dachbegrünung kombinieren.
- An einer Hausfassade vertikal montierte Sonnenkollektoren liefern im Vergleich zu einer Dachanlage geringere Wärmeerträge. Das Ertragsprofil ist jedoch im Tagesverlauf ausgeglichener, mit höheren Anteilen morgens und abends. Vertikale Kollektoren optimieren den Winterertrag, weil der Einstrahlwinkel bei niedrigem Sonnenstand verbessert wird.
- Flach- und Röhrenkollektoren können als Ersatz von Balkonbrüstungen eingesetzt werden und funktionieren analog wie Fassadenkollektoren.
- Nach Süden oder Westen geneigte, unbeschattete Gartenböschungen stellen weitere Flächen dar, an denen Solarthermie-Module installiert werden können.
Welcher Wärmespeicher ist der richtige?
Thermische Solaranlagen benötigen in der Regel einen Wärmespeicher, damit die zeitliche Differenz zwischen Produktion und Verbrauch überbrückt werden kann. Abhängig vom Energiebedarf sind zwei verschiedene Speichersysteme möglich: Wird die Solarenergie nur für die Wassererwärmung genutzt, wird ein einziger Kombispeicher benötigt. Solche Wärmespeicher haben den Brauchwasserbehälter integriert und sind in einem Einfamilienhaus idealerweise 300 bis 400 Liter gross. Soll die solare Wärme die Heizungsanlage unterstützen, wird ein eigener Wärmespeicher mit Volumen von 800 bis 1500 Liter empfohlen. Einfluss auf die Wahl des Volumens hat zudem die Dauer, wie lange die Wärme gespeichert werden soll.
Warum sich eine Frischwasserstation lohnt
Der Speicherbewirtschaftung lässt sich mit einer zusätzlichen Frischwasserstation vereinfachen. Die solare Wärme dient dabei zum Aufheizen des Warmwassers auf eine Grundtemperatur von etwa 50 °C. Wird heisses Wasser angefordert, strömt dieses vom Energiespeicher durch einen Wärmetauscher, der elektrisch aufgeheizt wird und einen Durchlauferhitzer vergleichbar funktioniert. Dort wird es kurzzeitig auf mindestens 70 °C aufgeheizt. Dies verhindert das Bilden von Legionellen im Wasser. In der Regel erhöht eine Frischwasserstation die Energieeffizienz der Warmwasseraufbereitung.