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Lawinenschutz für Gebäude: So schützt du dein Haus

ca. 4 Leseminuten in Zusammenarbeit mit Hannes Suter, Gebäudeversicherung Bern (GVB)
Lawinenhang oberhalb von Gebäuden in einer verschneiten Berglandschaft.

Speziell in Bergregionen stellen Schnee und Lawinen erhebliche Gefahren dar. Diese reichen bei Gebäuden von einfachen Glasbrüchen bis hin zu Totalverlusten. Gegenmassnahmen sollten möglichst bereits beim Bau eines Gebäudes ergriffen werden.

Experte in diesem Artikel

Hannes Suter, Gebäudeversicherung Bern (GVB)

Hannes Suter
Gebäudeversicherung Bern (GVB)

Hannes Suter ist Fachspezialist Naturgefahren der Gebäudeversicherung Bern (GVB). Der Geograf verfügt über langjährige Erfahrung im Schutz vor Naturgefahren und begleitet Projekte in den Bereichen Prävention, Risikobeurteilung und Gebäudeschutz.

Das Wichtigste in Kürze

  • Lawinenschutz hat in der Schweiz eine lange Tradition, dennoch stellen Lawinen in Bergregionen weiterhin ein erhebliches Risiko für Gebäude dar, von Glasbruch bis zum Totalverlust, weshalb Schutzmassnahmen möglichst früh in die Planung einfliessen sollten.
  • Die Zerstörungskraft von Lawinen bleibt auch im Auslaufbereich gross, da Schneemassen, Druckwellen und mitgeführte Feststoffe wie Baumstämme oder Geröll Gebäude verformen, verschieben oder vollständig zerstören können.
  • Bei einem Neubau sind Gefahrenkarten, eine angepasste Gebäudeform, massive Bauweise, verstärkte Aussenwände sowie Bodenverankerung und Dammkonstruktionen zentrale Schutzmassnahmen, ergänzt durch die frühzeitige Einbindung einer Fachperson.
  • Bei bestehenden Gebäuden stehen vor allem Schutzmassnahmen im Umfeld wie Dämme oder Erdkeile sowie die Verstärkung von Öffnungen im Vordergrund, da eine nachträgliche statische Ertüchtigung oft nur begrenzt möglich ist.
  • Auch Schneedruck gefährdet Dächer und Tragwerke erheblich, weshalb Schneelasten regelmässig kontrolliert, Dächer bei Bedarf fachgerecht geräumt und bei Neu- oder Umbauten die geltenden SIA-Normen konsequent berücksichtigt werden sollten.

Lawinenschutz hat in der Schweiz lange Tradition

Die Lawinengefahr prägt seit Jahrhunderten das Leben der Menschen in den Alpen. Der Umgang mit Lawinen hat im Bergland Schweiz denn auch eine lange Tradition. Bereits Mitte des 19. Jahrhunderts begann man mit ersten Verbauungen und bis Mitte des 20. Jahrhunderts entstanden rund 1000 Kilometer Trockenmauern und Terrassen zum Schutz vor Lawinen. Sie waren so etwas wie der Beginn des Lawinenschutzes in der Schweiz. Seither wurde ein umfassendes System entwickelt, um sowohl die Sicherheit von Menschen als auch von Infrastrukturen in gefährdeten Gebieten zu gewährleisten.

Immense Zerstörungskraft von Lawinen

Denn die zerstörerische Kraft von Lawinen ist gewaltig. Im Anriss- und Transitgebiet, der sogenannten Sturzbahn, gewinnt eine Lawine an Geschwindigkeit und auch an Masse und Volumen, bis sie im Ablagerungsgebiet zum Stillstand kommt. Gebäude stehen zwar in der Regel eher im Auslaufbereich von Lawinen. Dort sind die Fliessgeschwindigkeiten durch das abflachende Terrain und die seitliche Ausbreitung geringer. Doch selbst bei geringen Fliesshöhen haben Lawinen noch immer eine immense Zerstörungskraft. Dies besonders dann, wenn sie zusätzlich Feststoffe wie Baumstämme und Geröll mitführen.

Wenn die Schneemasse oder die Druckwelle einer Staublawine auf ein Gebäude auftrifft, wird es gedrückt und kann sich je nach der Art des Drucks verformen. Die Einwirkung kann von einem Riss in der Wand über ein eingedrücktes Dach, eine Verschiebung oder ein Schrägstellen bis zur Zerstörung des Hauses reichen.

Doch der Wirkungsbereich von Lawinen lässt sich eingrenzen: räumlich durch das Gelände und Schutzbauwerke, zeitlich aufgrund der Schnee- und Wettersituation. Zum Schutz von Personen, Verkehrswegen und Gebäuden ist deshalb eine Kombination aus raumplanerischen, baulichen und organisatorischen Massnahmen besonders wirksam.

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Gebäudeschutz-Massnahmen bei einem Neubau

  • Erkundige dich bei der Gemeinde anhand der Gefahrenkarte, ob deine Parzelle in einem von Schneerutsch oder Lawinen gefährdeten Gebiet liegt. Diese Überprüfung empfiehlt sich vor allem für Bauparzellen in Bergregionen oder Hangsituationen.
  • Informiere dich auch bei langjährigen Anwohnerinnen und Anwohnern, lokalen Bauunternehmen und bei der Bauverwalterin oder beim Bauverwalter der Gemeinde über die Schneerutsch- und Lawinengefahr.
  • Zieh eine Fachperson bei der Planung von Gebäuden im Gefahrenbereich hinzu.
  • Achte darauf, dass das Gebäude optimal geschützt in das Gelände eingepasst ist oder wähle eine geeignete Gebäudeform und -ausrichtung.
  • Achte darauf, dass dein Gebäude massiv gebaut wird und hangseitig nur kleine Flächen und keine Fenster hat.
  • Aussenwände und Öffnungen bedürfen einer verstärkten Bauweise.
  • Eine Bodenverankerung und ein erdnahes Dach verringern zusätzlich das Risiko von Schäden.
  • Eine Dammkonstruktion dient der Abschirmung
  • Weitere Informationen findest du auch unter: Erdrutsch, Steinschlag und weitere Naturgefahren).
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Gebäudeschutz-Massnahmen bei bestehenden Gebäuden

  • Grundsätzlich können Gebäude nachträglich kaum verstärkt werden. Du kannst jedoch zum Schutz des Gebäudes in der Umgebung Hindernisse wie Dämme, Lawinen abweisende Erdkeile und Verbauungen erstellen.
  • Verstärke Öffnungen und Aussenwände.
  • Sichere Fenster und Türen im Aufprallbereich der Lawine zusätzlich oder mauere diese bei Nichtgebrauch zu.
  • Zieh eine Fachperson bei der Planung von Schutzmassnahmen gegen Lawinen oder Schneedruck hinzu.

Gefahr durch zu hohen Schneedruck

Nicht nur Lawinen können zu Gebäudeschäden führen. Auch der Schneedruck, also die Last, die durch den Schnee auf ein Gebäude, insbesondere auf dessen Dach, ausgeübt wird, ist ein grosses Problem. Schnee und Eis wirken durch ihr Gewicht (Auflast) und durch Kriech- und Gleitbewegungen auf Gebäudeteile ein. Zudem kann Schnee und Eis beim Abrutschen oder Abstürzen tieferliegende Vordächer und Nebengebäude beschädigen und Personen ernsthaft gefährden – auch indirekt, wenn beispielsweise ein Vordach einbricht.

Zu den wichtigsten Sofortmassnahmen bei starkem Schneefall und grossen Schneeansammlungen auf den Dächern gehören die regelmässige Überwachung der Schneelast und das Entfernen des Schnees, wenn der Druck zu gross ist. Diese Räumung sollte jedoch nur mit geeigneter Ausrüstung (rutschfeste Schuhe, Schutzhelm) oder durch geschulte Fachleute durchgeführt werden. Unbedingt zu beachten ist die Absperrung der gefährdeten Bereiche um das Gebäude.

Neubauten können durch eine konsequente Umsetzung der geltenden SIA-Normen (insbes. SIA 261 und 261/1) gut vor Schäden durch Schneedruck geschützt werden. Berücksichtige diese Baunormen (zusätzlich SIA 269/1) auch bei Erneuerungen und Erweiterungen bestehender Gebäude und sieh gegebenenfalls eine Verstärkung des Tragwerks und der Gebäudehülle vor. Wichtig ist, dass die Lasten über das gesamte Tragwerk bis in das Fundament abgetragen werden.

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