Welche Rolle spielt der Klimawandel bei Berg- und Felsstürzen?
Die Vermutung, dass die steigenden Temperaturen und der auftauende Permafrost das Risiko von Fels- und Bergstürzen erhöht, liegt auf der Hand. Der Permafrost stabilisiert Felswände und Berghänge. Schmilzt dieses Eis, gehen Bindekräfte zwischen den Gesteinsblöcken verloren. Bestehende Risse weiten sich aus und Gesteinspakete können in Bewegung geraten.
Zwar herrscht in der Fachwelt ein breiter Konsens darüber, dass der tauende Permafrost ein bedeutender Risikofaktor ist, allerdings wird auch vor einer Pauschalisierung gewarnt. Es wird angeführt, dass es auch in Regionen ohne Permafrost zu grossen Gesteinsbewegungen kommt (z. B. Brienz), dass der Permafrost schwer zugänglich und schwer direkt messbar ist und auch die Stärke und Schnelligkeit der Auswirkungen und die regionalen Unterschiede Teile laufender wissenschaftlicher Debatten sind.
Auch beim Abbruch des Birchgletschers ob Blatten ist ein direkter Zusammenhang mit dem Klimawandel nicht nachgewiesen. Das halten Forschende der ETH Zürich in einem Faktenblatt fest. Die direkte Verknüpfung einzelner Ereignisse mit dem Klimawandel sei schwierig und oft spekulativ, schreiben ETH und WSL-Gletscherforschende. «Dieses Ereignis hätte sicherlich auch unabhängig vom Klimawandel stattfinden können», heisst es dort. Allerdings führen die weltweit steigenden Temperaturen tatsächlich zu drastischen Veränderungen in Hochgebirgsregionen. Diese wirkten sich kurzfristig und mittelfristig negativ auf die allgemeine Stabilität von Permafrost-betroffenen Felswänden aus. Insofern erscheint es wahrscheinlich, dass der Klimawandel bei diesem Ereignis eine Rolle gespielt hat.