myky

Bergsturz in der Schweiz: Ursachen, Risiken und Schutz

ca. 5 Leseminuten
Bergsturz oberhalb eines Dorfes in den Schweizer Alpen mit grossem Schuttkegel am Berghang.

Fels- und Bergstürze sind in einem Alpenland wie der Schweiz Teil natürlicher und präsenter Prozesse. Das individuelle Risiko ist dank konsequenter Gefahrenkartierung gering. Aber die Katastrophe in Blatten oder 2024 die massiven Gesteinsbewegungen in Brienz zeigen auf, wie schwerwiegend die Folgen sein können.

Das Wichtigste in Kürze

  • Bergstürze sind in der Schweiz seltene, aber potenziell katastrophale Naturereignisse. Die Ereignisse in Blatten, Brienz und Bondo zeigen, welche Folgen grosse Gesteinsmassen für Menschen und Siedlungen haben können.
  • Das Risiko für die Bevölkerung bleibt dank Frühwarnsystemen und Gefahrenkartierungen vergleichsweise gering. Bewegungen im Gelände werden laufend überwacht, damit Evakuationen rechtzeitig erfolgen können.
  • Zu den wichtigsten Ursachen zählen geologische Schwächen, Wasser, Frost und teilweise auch Permafrost. Der Einfluss des Klimawandels wird von Fachleuten als wahrscheinlich eingestuft, lässt sich bei einzelnen Ereignissen jedoch nicht eindeutig nachweisen.
  • Der Unterschied zwischen Felssturz und Bergsturz liegt vor allem im Volumen der abgestürzten Gesteinsmassen. Bergstürze umfassen mindestens eine Million Kubikmeter Gestein und können ganze Täler verwüsten.

Wie kam es zur Katastrophe von Blatten?

Am 28. Mai 2025 haben geschätzte neun Millionen Kubikmeter Schutt, Geröll und Eis einen Grossteil der Walliser Gemeinde Blatten unter sich begraben. Der Schuttkegel des Bergsturzes ist stellenweise über 100 Meter hoch. Dahinter staute sich die Lonza zu einem See, der weitere Häuser des Dorfes überflutete. Bis auf einen weiterhin vermissten Mann wurden keine Menschen verletzt oder getötet, da die rund 300 Bewohnerinnen und Bewohner der Lötschentaler Gemeinde rund eine Woche zuvor evakuiert worden waren. Innerhalb von eineinhalb Stunden mussten sie ihre wichtigsten Habseligkeiten zusammenpacken und ihr Zuhause verlassen.

Fachleute aus Geologie und Ingenieurwesen beobachten die Gesteinsbewegungen im Lötschental seit Jahren. Im Fokus steht das 3341 Meter hohe Kleine Nesthorn. Am 20. Mai spitzte sich die Situation zu. Der Berg hatte sich um mehrere Meter bewegt, und es öffneten sich Risse. Nach einem Murgang hoch oberhalb von Blatten in der Region des Kleinen Nesthorns und des Birchgletschers wurde das Dorf geräumt.

Hunderttausende, ja Millionen Kubikmeter Gestein donnerten in den folgenden Tagen ins Tal. Zunächst erfüllte sich der Wunsch der Fachleute, dass der Abbruch in kleineren Mengen und nicht als riesiger Block erfolgen würde. Die Geröllmassen türmten sich jedoch auf dem unter dem Kleinen Nesthorn liegenden Birchgletscher auf. Schliesslich brach die Eiszunge unter den auflagernden Schuttmassen zusammen und raste ins Tal – mit verheerenden Folgen.

Service Teaser Dateien de

Hast du alle wichtigen Unterlagen zu deinem Zuhause griffbereit?

Speichere Verträge, Rechnungen und Pläne sicher an einem Ort und finde alles in Sekunden wieder.

Welche Berg- und Felsstürze prägten die Schweiz?

Auch wenn Blatten für eine Jahrhundertkatastrophe steht – Felsstürze oder Bergstürze sind keine Einzelfälle. So stürzten im April 2024 vom Piz Scerscen in der Berninagruppe fünf Millionen Kubikmeter Fels und Eis in das Haupttal. Im Juni 2023 kam ein Schuttstrom im Umfang von 1,2 Kubikkilometer erst kurz vor dem bündnerischen Dorf Brienz zum Stillstand. Das Dorf ist bis heute evakuiert. Der folgenschwerste Bergsturz der letzten Jahre mit acht Todesopfern ereignete sich im August 2017 in Bondo, ebenfalls im Kanton Graubünden. Drei Millionen Kubikmeter Gestein lösten sich vom Berg. Murgänge durch das Val Bondasca erreichten das vier Kilometer entfernte Bondo und verursachten dort grosse Zerstörungen.

Das im Zusammenhang mit Bergstürzen tragischste Ereignis der letzten Jahrzehnte ereignete sich 1963 in der Nordost-italienischen Vajontschlucht, wo eine Bergflanke mit etwa 270 Millionen Kubikmeter Gestein in einen Stausee rutschte. Die nachfolgende Flutwelle riss ganze Dörfer weg – und 2000 Menschen in den Tod.

Was ist der Unterschied zwischen einem Bergsturz und einem Felssturz?

Von Felsstürzen wird gesprochen, wenn Gestein und Felsen mit einem Gesamtvolumen von mindestens 100 Kubikmetern ins Tal stürzen. Während dies häufiger vorkommt, sind Bergstürze seltenere Ereignisse, bei denen ein ganzer Hang oder Teile eines Berges in Bewegung geraten. Diese Massenbewegungen mit einem Volumen von mindestens 1 Million Kubikmeter Gestein – was dem Volumen von 1000 bis 2000 Einfamilienhäusern entspricht – können potenziell katastrophale Folgen haben.

Bergstürze unterscheiden sich gemäss dem BAFU-Faktenblatt «Sturzprozesse» nicht nur durch das grössere Sturzvolumen, sondern auch durch höhere Geschwindigkeiten und flachere Ablagerungen, wobei der Transportmechanismus durch eine starke Wechselwirkung zwischen den Komponenten gekennzeichnet ist.

Wie hoch ist das Risiko für Berg- und Felsstürze in der Schweiz?

Aufgrund der geografischen Gegebenheiten der Schweiz ist der Umgang mit Naturgefahren seit jeher von grösster Bedeutung. Bezogen auf Fels- und Bergstürze ist die Gefahr real, aber regional sehr unterschiedlich ausgeprägt. Das Bundesamt für Umwelt schätzt, dass sechs bis acht Prozent des Landes instabil und von Erdrutschen und Felsstürzen bedroht sind, vor allem in den Alpen und den unteren Alpenregionen. Die Zonen mit den höchsten Risiken für Fels- und Bergstürze sind die Bündner Südalpen, das Wallis und auch das Berner Oberland.

Hausdossier V 2 500x500px Pos

Wie behältst du den Überblick über dein Wohneigentum?

Wo bewahre ich wichtige Dokumente auf? Wann ist welche Wartung fällig? Wie plane ich eine Sanierung richtig? Genau hier setzt myky an und schafft mit dem myky-Dossier Klarheit und Zugriff auf alles Wichtige an einem zentralen, sicheren Ort.

Warum kommt es zu Bergstürzen?

Bergstürze haben gewaltige Ausmasse. Die Forschung zeigt, dass es sich bei ihnen um das Ergebnis mehrerer natürlicher Prozesse handelt, die über Jahre oder Jahrzehnte zur Instabilität des Gesteins führen können. Zentrale Ursachen sind geologische Schwächen wie Klüfte, Störungen und ungünstige Gesteinsschichtungen. Hinzu kommen physikalische Prozesse wie Frostsprengung und die Infiltration von Wasser infolge starker Niederschläge oder Schneeschmelze. Auch tektonische Spannungen oder kleinere Erdbeben können als unmittelbarer Auslöser wirken.

Welche Rolle spielt der Klimawandel bei Berg- und Felsstürzen?

Die Vermutung, dass die steigenden Temperaturen und der auftauende Permafrost das Risiko von Fels- und Bergstürzen erhöht, liegt auf der Hand. Der Permafrost stabilisiert Felswände und Berghänge. Schmilzt dieses Eis, gehen Bindekräfte zwischen den Gesteinsblöcken verloren. Bestehende Risse weiten sich aus und Gesteinspakete können in Bewegung geraten.

Zwar herrscht in der Fachwelt ein breiter Konsens darüber, dass der tauende Permafrost ein bedeutender Risikofaktor ist, allerdings wird auch vor einer Pauschalisierung gewarnt. Es wird angeführt, dass es auch in Regionen ohne Permafrost zu grossen Gesteinsbewegungen kommt (z. B. Brienz), dass der Permafrost schwer zugänglich und schwer direkt messbar ist und auch die Stärke und Schnelligkeit der Auswirkungen und die regionalen Unterschiede Teile laufender wissenschaftlicher Debatten sind.

Auch beim Abbruch des Birchgletschers ob Blatten ist ein direkter Zusammenhang mit dem Klimawandel nicht nachgewiesen. Das halten Forschende der ETH Zürich in einem Faktenblatt fest. Die direkte Verknüpfung einzelner Ereignisse mit dem Klimawandel sei schwierig und oft spekulativ, schreiben ETH und WSL-Gletscherforschende. «Dieses Ereignis hätte sicherlich auch unabhängig vom Klimawandel stattfinden können», heisst es dort. Allerdings führen die weltweit steigenden Temperaturen tatsächlich zu drastischen Veränderungen in Hochgebirgsregionen. Diese wirkten sich kurzfristig und mittelfristig negativ auf die allgemeine Stabilität von Permafrost-betroffenen Felswänden aus. Insofern erscheint es wahrscheinlich, dass der Klimawandel bei diesem Ereignis eine Rolle gespielt hat.

Wie können wir uns vor Berg- und Felsstürzen schützen?

Fels- und Bergstürze kündigen sich durch Steinschlag und Risse in Boden, Gestein und Gebäuden an. Je grösser das Volumen, desto länger ist in der Regel die Vorlaufzeit. Die Zeit also, um Menschen wie in Blatten oder Brienz rechtzeitig zu evakuieren. Einen eigentlichen Schutz vor den gewaltigen Gesteinsmassen gibt es nicht.

Insofern wird weniger auf den Schutz als vielmehr auf die rechtzeitige Warnung geachtet. Dabei stehen Frühwarnsysteme im Fokus. Die Schweiz gilt dabei international als Vorreiter. Sie verfügt über ein engmaschiges Frühwarnsystem, bei dem Radar, GPS, Laserscanner und Satelliten (InSAR) kleinste Bewegungen im Gelände millimetergenau erfassen, zum Einsatz kommen. Zusätzlich liefern Kameras und seismische Sensoren Echtzeitdaten. Diese werden zentral von Fachstellen wie dem SLF, Swisstopo und kantonalen Behörden ausgewertet. Erkennt das System kritische Beschleunigungen, können Warnstufen ausgelöst, Evakuationen vorbereitet und Schutzmassnahmen aktiviert werden.

Checkliste: Notfallplan

myky Wartungsplaner Illu

Checkliste: Notfallplan

Nutze unsere praktische Checkliste (PDF) zur Erstellung eines Notfallplans.

Checkliste: Notfallplan bei Katastrophen

Nutze unsere praktische Checkliste (PDF) zur Erstellung eines Notfallplans bei Katastrophen.

Häufige Fragen

Newsletter V2 500x500px Pos

Tipps für dein Zuhause

Abonniere unseren Newsletter und erhalte regelmässig Tipps rund um dein Zuhause.