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Architektur-Reportage: Solardach trotz Denkmalschutz in Bern

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Architektur-Reportage: Energie produzierendes Dach trotz Denkmalschutz
Das Einfamilienhaus der Familie Hutterli wurde 1898 im Berner Kirchenfeldquartier im Neobarockstil erbaut. Bild: Manuel Hutterli

Im Kirchenfeldquartier in Bern hat ein Bauherrenpaar bewiesen, dass sich Energieeffizienz gut mit Auflagen des Denkmalschutzes vereinbaren lässt: Nach der energetischen Sanierung benötigt ihr Einfamilienhaus 10x weniger Fremdenergie.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die energetische Sanierung des denkmalgeschützten Einfamilienhauses in Bern zeigt, dass sich Energieeffizienz und Denkmalschutz erfolgreich kombinieren lassen. Der Bedarf an Fremdenergie konnte um den Faktor 10 gesenkt werden.
  • Durch gezielte Dämmung mit Zellulose und Isofloc H2Wall sowie neue Isolierfenster mit Krypton wurde die Gebäudehülle deutlich verbessert, bei gleichzeitigem Erhalt des historischen Erscheinungsbildes.
  • Eine nahezu unsichtbare Solaranlage mit Naturschieferkollektoren sowie eine hybride Photovoltaikanlage liefern Strom und Wärme, ohne die denkmalpflegerischen Anforderungen zu verletzen.
  • Das nachhaltige Heizsystem mit Erdsonden Wärmepumpe, Solarspeicher, Wandheizung und Komfortlüftung sorgt für hohen Wohnkomfort und reduziert die CO2 Emissionen um den Faktor 14.
  • Für ihr Engagement erhielt die Bauherrschaft einen Schweizer Solarpreis, ein Beleg dafür, dass ambitionierte Sanierung auch bei geschützten Gebäuden möglich ist.

Das Einfamilienhaus der Familie Hutterli wurde 1898 im Berner Kirchenfeldquartier im Neobarockstil erbaut. Das denkmalgeschützte, dreigeschossige Gebäude befindet sich seit über einem halben Jahrhundert im Familienbesitz, mittlerweile leben Hutterlis dort in der dritten und vierten Generation. 

Energetische Gesamtsanierung erfolgte in Etappen

Der Unterhalt war lange vernachlässigt worden, sagt Bauherr Manuel Hutterli: «Im Sommer wurde die Dachhaut bis zu 70 °C heiss. Deshalb stiegen die Temperaturen im bewohnten Dachgeschoss auf über 35 °C.» Als sich abzeichnete, dass die Gasheizung ersetzt werden musste, entschied sich das Bauherrenpaar zu einer energetischen Gesamtsanierung. Um Kosten zu sparen, etappierte die Bauherrschaft die Arbeiten, auch wenn dies wegen des länger währenden Baustellencharakters einige Unannehmlichkeiten für die Familie bedeutete.

Architektur-Reportage Bern Denkmalschutz: Wohn-und Essbereich mit Kaminofen
Im Wohn-Ess-Bereich befindet sich ein Kaminofen, der für behagliche Wärme sorgt. Bild: Manuel Hutterli

Wie mit Eigenleistungen das Budget geschont werden konnte

Das Budget schonten auch die zahlreichen Eigenleistungen. Da beide Bauherren von Beruf Physikerin respektive Physiker sind und sich in technischen Belangen gut auskennen, konnten sie viele Aufgaben selbst übernehmen. Beispielsweise gehen die Konzeption, die von 2008 bis 2011 dauerte, sowie die Programmierung der Steuerung der Komponenten auf ihr Konto. Bei der Planung wurden sie von Markus Dürig von der Hans Dürig AG aus Riggisberg unterstützt. Für die Bauleitung zuständig waren Wermuth und Partner Architekten.

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Diese Dämmmaterialien kamen zum Einsatz

Dach, Dachgeschoss, Kellerdecke sowie alle Zimmerdecken des Einfamilienhauses wurden mit Zellulose gedämmt. Im Zweischalenmauerwerk des Gebäudes setzte die Bauherrschaft das Granulat Isofloc H2Wall ein, das neu Pearl heisst. «Dieses Dämmmaterial gilt für Aussenwände von Objekten im kantonalen Bauinventar als State of the Art. Zudem ist es sehr kostengünstig, weil es eingeblasen werden kann», sagt Manuel Hutterli. Die Fensterscheiben wurden durch Isolierglas ersetzt, während die historischen Originalfensterrahmen beibehalten bzw. nachgebaut wurden. Gedämmt wurden die Fenster mit dem Gas Krypton.

Die Fenster haben ihr originales Aussehen beibehalten, weisen nun aber zeitgemässe Energieeigenschaften auf.
Die Fenster haben ihr originales Aussehen beibehalten, weisen nun aber zeitgemässe Energieeigenschaften auf. Bild: Manuel Hutterli

Solaranlage aus Naturschieferkollektoren

Auf dem steileren, unteren Teil des Süddaches hat die Bauherrschaft eine von ihnen selbst konzipierte Solaranlage aus Naturschieferkollektoren anbringen lassen. Sie besteht aus Kollektorlamellen, die von Innovar produziert wurden, aus Verbindungsleitungen, die von Bill und Künzi hergestellt und montiert wurden, sowie aus einer Eindeckung mit Naturschieferplatten, für die Kehrli Bedachungen zuständig war. Die Solaranlage ist optisch nicht von der Naturschieferabdeckung auf den drei anderen Seiten unterscheidbar und entspricht damit den denkmalpflegerischen Anforderungen. Nach dem Reaktorunglück in Fukushima, das in die Zeit der Sanierung fiel, erlaubte die Denkmalpflege auch eine Anlage auf dem flacheren, oberen Teil des Dachs. Deshalb liessen die Bauherrschaft dort eine hybride Photovoltaikanlage installieren. Sie erzeugt Strom und unterstützt Heizung und Warmwasseraufbereitung.

Auf dem Steildach wurden 13 Quadratmeter Schieferkollektoren installiert.
Auf dem Steildach wurden 13 Quadratmeter Schieferkollektoren installiert. Bild: Manuel Hutterli
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Kombiniertes Heizsystem aus Wärmepumpe, Kaminofen und Wandheizung

Zum Heiz-und Warmwassersystem gehören weiter eine Wärmepumpe mit Erdsonden, ein Jenni-Solarspeichertank mit einem Volumen von 2840 Liter, ein wasserführender Kaminofen sowie eine Wandheizung im Erdgeschoss. Die Wärmepumpe entnimmt dem Boden im Winter Wärme, in den anderen Monaten wird die Wärme mit dem Überschuss der Sonnenkollektoren dem Boden wieder zugeführt. «Nachhaltig ist nur ein System, das den Boden auf Dauer nicht abkühlt», sagt Manuel Hutterli. Mit der Wandheizung ist der Bauherr so zufrieden, dass er sie bei der nächsten Renovationsetappe auch im ersten Stock einführen will: «Die temperierten Wände erzeugen ein sehr angenehmes Wohngefühl.» Auch die Fenster haben den Wohnkomfort erhöht, da keine Zugluft mehr entsteht. Für die Lüftung sorgt eine Komfortlüftung mit Wärmerückgewinnung.

Gebäude wurde mit Schweizer Solarpreis ausgezeichnet

Mit der energetischen Sanierung ist Manuel Hutterli rundum zufrieden. Die Fremdenergiezufuhr für Heizung, Warmwasser, Lüftung und Steuerung (d.h. ohne Haushaltsstrom) konnte um Faktor 10 verringert werden, die CO2-Emissionen gar um Faktor 14. Der Stromzukauf reduzierte sich trotz des Wechsels von der Gasheizung zu einer Wärmepumpe um Faktor 2,2. Für ihr Engagement zur Verbesserung der Energiebilanz ihres Gebäudes erhielten die Bauherren 2014 einen Schweizer Solarpreis.

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