Gründe für tiefere Bewertungen einer Immobilie
In den letzten Jahren kannten die Preise für Wohneigentum praktisch nur eine Richtung: nach oben. Auch 2025 setzte sich der Preisauftrieb fort, wenn auch mit etwas gedämpfter Dynamik. Eigentumswohnungen kosteten im Sommer 2025 4,6 Prozent mehr als im Vorjahr, Einfamilienhäuser 3,6 Prozent, wobei die Preise im 2. Quartal 2025 rückläufig waren. Wieso also sollten die Bewertungen tiefer ausfallen?
Nun, sinkende Schätzwerte sind kein Zufall. Auf der Finanzierungsseite ergeben sich zunehmend Herausforderungen, die einem weiteren Preisanstieg entgegenwirken könnten. Die Hypothekarzinsen sind trotz sinkender Leitzinsen nicht spürbar gesunken. Ausserdem haben viele Banken ihre Aufschläge erhöht und geben Zinsvorteile nur noch teilweise weiter. Stagnierende oder sogar leicht rückläufige Preise veranlassen Banken zu vorsichtigeren Annahmen. Dazu kommt, dass die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht FINMA die Anforderungen an das Hypothekargeschäft verschärft hat. Banken müssen ihre Risiken noch strenger absichern und achten deshalb stärker auf solide Belehnungsverhältnisse.
Zudem setzen viele Institute mittlerweile auf automatisierte Bewertungsmodelle. Dabei handelt es sich um softwarebasierte Instrumente, die mathematische Modelle und Daten nutzen, um den Immobilienwert zu ermitteln oder die Kreditwürdigkeit der Kundinnen und Kunden einzuschätzen. Diese automatisierten Bewertungsmodelle für Banken neigen zu einem konservativeren Ansatz, logischerweise, denn sie basieren primär auf der Sicherheit für das Bankdarlehen und schätzen den Immobilienwert so ein, dass er im ungünstigsten Fall die Sicherheit der Bank gewährleisten kann. So entstehen Werte, die oft deutlich unter denen liegen, die du als Eigentümerin oder Eigentümer auf Immobilienportalen siehst oder die professionelle Immobilienschätzer ermitteln. Anders gesagt: Der Schätzwert der Bank ist nicht identisch mit dem Marktwert. Für die Kreditvergabe zählt vor allem der sogenannte Belehnungswert – also der Betrag, den die Bank als sicher ansieht. Kurz: Für die Bank zählt allein die Absicherung des Kredits.
Das hat auf der anderen Seite den positiven Effekt, dass völlig überzogene Preisvorstellungen von Verkäuferinnen und Verkäufern wenig Erfolg haben. Denn wenn der Angebotspreis weit über dem Verkehrswert liegt, müssen Käuferinnen und Käufer die Differenz in der Regel aus Eigenmitteln finanzieren.