Steuerersparnis ist nicht gleich Steuerabzug
Entscheidend ist die Gesamtrechnung. Ein vereinfachtes Beispiel: Eine Sanierung kostet 40'000 Franken. Davon werden nach den heute geltenden Regeln beispielsweise 30'000 Franken als abzugsfähig anerkannt. Bei einem angenommenen Grenzsteuersatz von 25 Prozent sinkt die Steuerrechnung dadurch um rund 7'500 Franken. Der Steuerabzug beträgt also 30'000 Franken, die tatsächliche Steuerersparnis aber nur 7'500 Franken. Welcher Teil einer Renovation tatsächlich abzugsfähig ist, hängt unter anderem davon ab, ob die Arbeiten werterhaltend, wertvermehrend oder energetisch begründet sind.
Wäre die Sanierung ohnehin 2028 oder 2029 fällig, kann diese Steuerersparnis für eine Umsetzung vor dem Systemwechsel sprechen. Müsste dasselbe Bauteil technisch erst 2035 ersetzt werden, sieht die Rechnung anders aus: Durch den frühen Ersatz geht Restlebensdauer verloren und Kapital wird Jahre früher gebunden. Dazu können Finanzierungskosten kommen. Diese Mehrkosten können die Steuerersparnis rasch übersteigen. Auch Förderbeiträge sollten deshalb in die Gesamtrechnung einfliessen.
Bund und Kantone: Ab 2029 gelten nicht überall dieselben Möglichkeiten
Für selbstgenutztes Wohneigentum entfällt ab 2029 der Abzug für den normalen Liegenschaftsunterhalt bei Bund, Kantonen und Gemeinden. Bei vermieteten oder verpachteten Wohnliegenschaften bleibt dieser Unterhaltskostenabzug dagegen bestehen. Bei der direkten Bundessteuer fällt zudem der Abzug für Investitionen in Energiesparen und Umweltschutz weg. Die Kantone dürfen solche Abzüge jedoch weiterhin vorsehen – allerdings längstens bis 2050. Deshalb lässt sich eine energetische Sanierung nach 2029 steuerlich nicht pauschal für die ganze Schweiz beurteilen.
Wie unterschiedlich sich die kantonalen Regeln entwickeln können, zeigt der Stand im September 2026: Im Kanton Bern ist noch offen, ob Energiesparmassnahmen nach dem Systemwechsel kantonal abzugsfähig bleiben. Der Kanton Aargau hat vorgeschlagen, diesen Abzug weiterhin zuzulassen. Die Bündner Regierung schlägt dagegen vor, den Abzug für Energiespar- und Umweltschutzmassnahmen mit dem Systemwechsel aufzuheben. Die entsprechenden kantonalen Gesetzgebungsverfahren sind teilweise noch nicht abgeschlossen. Wer eine Sanierung vor 2029 plant, sollte deshalb den Rechtsstand im eigenen Kanton vor der Auftragsvergabe nochmals prüfen.
Auch bei selbstgenutzten Zweitliegenschaften fällt der Eigenmietwert ab 2029 weg. Gleichzeitig erhalten die Kantone die Möglichkeit, auf überwiegend selbstgenutzten Zweitliegenschaften eine besondere Liegenschaftssteuer einzuführen. Bei teilweise oder vollständig vermieteten Objekten gelten wiederum andere Regeln für Unterhalt und Schuldzinsen.
Die Zeitachse bis zum Systemwechsel
| Zeitraum |
Orientierung |
| bis 2029 |
Bestehendes System: ohnehin anstehende Sanierungen prüfen und heutige Abzugsmöglichkeiten in die Planung einbeziehen. |
| 1. Januar 2029 |
Systemwechsel: Der Eigenmietwert fällt bei selbstgenutztem Wohneigentum weg. Der normale Unterhaltsabzug entfällt. |
| Ab 1. Januar 2029 |
Technischen und wirtschaftlichen Nutzen stärker gewichten, mögliche kantonale Möglichkeiten für energetische Sanierungen prüfen. |
Wichtig für die Planung bis Ende 2028: Normale Unterhaltskosten können nicht beliebig in spätere Steuerjahre verschoben werden. Für bestimmte Energiespar-, Umweltschutz- und Rückbaukosten bestehen heute zwar Übertragungsmöglichkeiten auf bis zu zwei folgende Steuerperioden. Wer grössere Arbeiten nahe am Jahreswechsel 2028/2029 plant, sollte sich darauf aber nicht verlassen und klären, welchem Steuerjahr die Kosten im eigenen Kanton zugerechnet werden.
Die Praxis ist nicht überall identisch: Im Kanton Bern ist für Unterhaltskosten grundsätzlich das Rechnungsdatum massgebend, Zürich lässt grundsätzlich die Fälligkeit oder Zahlung zu, wobei an der gewählten Methode festzuhalten ist.
Faustregel: Sanieren vor 2029 kann sinnvoll sein, wenn eine Massnahme ohnehin bald fällig ist und heute tatsächlich einen relevanten Steuerabzug ermöglicht. Ein technisch noch intaktes Bauteil allein wegen eines möglichen Steuerabzugs vorzeitig zu ersetzen, ist dagegen meist keine überzeugende Rechnung.