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Interview Bäume und Sträucher: Tipps von Bioterra

Interview ca. 5 Leseminuten in Zusammenarbeit mit Silvia Meister Gratwohl, Bioterra
Bäume und Sträucher im Garten

Ein schöner Garten entsteht nicht zufällig: Wer Sträucher und Bäume bewusst auswählt, sorgt nicht nur für grüne Vielfalt, sondern auch für einen lebendigen, gesunden Naturraum. Gartenexpertin Silvia Meister Gratwohl von Bioterra verrät, wie du verschiedene Standorte optimal bepflanzst, welche Gehölze Trockenheit gut vertragen und wie du mit einfachen Mitteln Tieren und Pflanzen etwas Gutes tust.

Expertin in diesem Interview

Silvia Meister Gratwohl
Bioterra

Seit über 20 Jahren ist Silvia Meister Gratwohl, Gartenberaterin von Bioterra. Als ausgebildete Bio-Gärtnerin kennt sie die Herausforderungen des Gärtnerns aus der Praxis.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die richtige Wahl von Sträuchern beginnt beim Standort, sonnig, halbschattig oder schattig, und bei der gewünschten Funktion im Garten. Einheimische Gehölze fördern zusätzlich die Biodiversität und sind oft robuster gegenüber lokalen Bedingungen.
  • Wildgehölze wie Berberitze, Vogelbeere oder Faulbaum sind wertvoll für Vögel, Schmetterlinge und Wildbienen. Wer sie in den Garten integriert, schafft einen lebendigen Naturraum und stärkt die heimische Tierwelt.
  • Für einen gesunden Obstbaum sind ein sonniger, luftiger Standort und ein durchlässiger Boden entscheidend. Staunässe und enge Platzverhältnisse schwächen den Baum und erhöhen das Risiko für Pilzkrankheiten.
  • Der Klimawandel verlangt zunehmend trockenheitsresistente Arten. Bäume und Sträucher wie Perückenstrauch, Felsenkirsche oder Goldregen kommen besser mit längeren, trockenen Phasen zurecht als feuchtigkeitsliebende Immergrüne.
  • Der richtige Schnittzeitpunkt hängt von der Art ab, frühlingsblühende Sträucher werden nach der Blüte geschnitten, andere Gehölze idealerweise im Winterhalbjahr. Ein gezielter Rückschnitt fördert die Verjüngung und Blühfreude.

Silvia Meister, worauf sollten Gartenbesitzerinnen und Gartenbesitzer bei der Auswahl von Sträuchern für den eigenen Garten besonders achten?

Zuerst sollte geklärt werden, was es für ein Standort ist: Liegt der Standort beispielsweise sonnig entlang einer Strasse oder eines Weges, wird es dort sehr heiss und der Boden trocknet schnell aus. Dieser Standort eignet sich für die gewöhnliche Felsenbirne, bereifte Rose oder den Blasenstrauch. Ist der Standort halbschattig mit Nachmittagssonne oder nur über den Mittag sonnig, fühlen sich das Gewöhnliche Pfaffenhütchen oder die Rote Heckenkirsche wohl. Ist der Standort eher schattig – etwa an der Nordseite des Hauses –, eignet sich zum Beispiel die immergrüne Eibe.

Auch die gewünschte Funktion der Sträucher spielt eine Rolle: Sollen sie einen Raum bilden und beispielsweise einem Sitzplatz Sichtschutz geben? Dann eignet sich eventuell eine geschnittene Hecke oder einige locker platzierte Zierblütensträucher wie die Weigelie und die Kolkwitzie. Wenn der Strauch grösser sein und Schatten spenden soll, sind beispielsweise die heimische Hasel oder die Pimpernuss perfekt. Wenn es ein auffallender Solitärstrauch sein soll, der im Blumenbeet oder vor einer Wand eine Augenweide ist, ist der blau blühende Mönchspfeffer oder der Etagen-Hartriegel mit seinem malerischen Wuchs eine gute Wahl. Wenn möglich soll man einheimische Sträucher bevorzugen, denn mit ihnen wird die Biodiversität gefördert.

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Welche Vorteile bieten Nadelbäume im Garten? Und: Gibt es hierbei auch Nachteile, die man im Auge behalten sollte?

Die meisten Nadelgehölze mit wenigen Ausnahmen wie etwa der Lärche sind immergrün und sind für den winterlichen Aspekt im Garten sehr attraktiv. Sie sind besonders wertvoll für Vögel, die sich in ihrem dichten Nadelkleid verstecken oder nisten können. Vorsicht ist bei heissen Standorten geboten: Die Erde trocknet hier rasch aus und die meisten Nadelgehölze leiden. Eine schöne Ausnahme ist der heimische Gewöhnliche Wacholder. Er verträgt trockene Bedingungen gut und trägt zudem aromatische Beeren, die sich wunderbar zum Würzen – zum Beispiel von Sauerkraut – eignen.

Welche Wildgehölze sind in der Schweiz besonders nützlich für die heimische Tierwelt und sollten in Gärten integriert werden?

Für die Vögel sind Nährgehölze wie die fruchttragende Berberitze, das Pfaffenhütchen, die Vogelbeere und die Gewöhnliche Heckenkirsche wichtig. Für die Schmetterlingsraupen, insbesondere die des Zitronenfalters, sind der Faulbaum und Kreuzdorn wichtige Futterpflanzen. Die schönen Blüten des Blasenstrauchs und der Wildrosen sind ein wahres Paradies für Wildbienen. Auch Schwebfliegen und Käfer laben sich gerne an den Blüten, besonders des Wolligen Schneeballs und des Weissdorns.

Was sind die wichtigsten Kriterien bei der Auswahl eines geeigneten Standorts für einen Obstbaum?

Für den Obstbaum braucht es einen luftigen und sonnigen Standort. Dies ist wichtig, weil Obstbäume oft von verschiedensten Blatt- und Fruchtpilzen befallen werden können. An sonnigen und luftigen Standorten trocknen die Blätter nach dem Regen rasch ab, wodurch die Pilzsporen kaum eine Chance haben, zu keimen.

Der Boden soll locker und reich an Nährstoffen sein, bei eher nährstoffarmen Böden benötigt der Obstbaum eine jährliche Düngung mit Obst- und Beerendünger.

Zusätzlich ist darauf zu achten, dass der Baum genügend Platz zum Wachsen hat und nicht zu nah an Gebäude oder andere Bäume gepflanzt wird. So kann sich die Krone frei entfalten und erhält ausreichend Licht. Auch sollte berücksichtigt werden, dass der Laubfall im Herbst zu unerwünschten Ablagerungen in Dachrinnen oder auf Wegen führen kann.

Wie lässt sich Staunässe bei Obstbäumen im Garten zuverlässig verhindern?

Besonders schwere und lehmige Böden haben oft Staunässe, deshalb ist ein durchlässiger und lockerer Boden so wichtig. In Gärten mit schweren Böden setzt man die Obstbäume besser am Hang, wo das Wasser gut ablaufen kann. Keinesfalls sollten Obstbäume in vorhandene Bodensenken gesetzt werden, weil sich dort das Wasser sammelt, dies führt in der Vegetationszeit zu Staunässe und im Winter zu einem Kaltluftsee – beides wird von Obstbäumen schlecht ertragen.

Wie vergewissere ich mich, dass mein Obstbaum robust genug ist?

Die beste Anlaufstelle dafür ist eine Baumschule in der Nähe. Dort bekommt man nicht nur passende Sorten für die jeweilige Region, sondern oft auch wertvolle Pflegetipps mit auf den Weg.

Inwiefern kann das Pfropfen bei der Vermehrung oder Verbesserung von Bäumen und Sträuchern eine Rolle spielen?

Mit dem Pfropfen lassen sich im Hausgarten beispielsweise alte Obstsorten erhalten oder wild gewachsene Obstbäume veredeln. So wird etwa die Echte Mispel auf eine Mehlbeere gepfropft, was einen besonders kräftigen und robusten Baum ergibt. Das Pfropfen ist allerdings ein gärtnerisches Handwerk, das viel Übung verlangt. Am besten lernt man dies in speziellen Pfropfkursen, welche im Frühling durchgeführt werden.

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Wie beeinflusst der Klimawandel die Auswahl von Bäumen und Sträuchern im Garten – und welche Arten gelten als besonders klimaresilient?

Heutzutage müssen die Bäume und Sträucher mit längeren, trockenen Phasen zurechtkommen. Besonders immergrüne Sträucher wie die oft gepflanzte Glanzmispel haben in längeren, trockenen Phasen Mühe. Sie liebt eine konstante Luft- und Bodenfeuchtigkeit, damit ihre grossen Blätter das ganze Jahr hindurch mit genügend Feuchtigkeit versorgt werden.

Zukunftsweisend sind Bäume und Sträucher, welche längere Trockenzeiten unbeschadet überstehen. Das ist beispielsweise der Perückenstrauch mit seinen zartseidenen Fruchtständen im Spätsommer oder die Felsenkirsche mit ihrem malerischen Wuchs und den kleinen, weissen Blütenbüscheln im Mai. Ebenfalls ist der Gewöhnliche Goldregen mit seinem vasenförmigen Wuchs und den goldgelben Blüten besonders trockenresilient.

Wann ist der ideale Zeitpunkt, um Sträucher zu schneiden – und gibt es Ausnahmen?

Frühlingsblühende Sträucher wie Kolkwitzie, Flieder und Weigelie werden nach der Blüte geschnitten. Alle anderen Sträucher und Bäume sollten idealerweise im Winterhalbjahr – zwischen November und Februar – geschnitten werden. Im laubfreien Zustand lässt sich die Wuchsform besser erkennen und man kann den Strauch oder Baum verjüngen. Beim Rückschnitt wird vor allem älteres, blühschwaches Holz entfernt, um die Pflanze zu verjüngen.

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Schnittkalender

Unser Schnittkalender (PDF) zeigt dir das ganze Jahr hindurch, wann Obstgehölze, Beeren, Hecken, Ziergehölze und Rosen geschnitten werden sollten.

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