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Interview Umzug: Planung, Packen und stressfrei zügeln

Interview ca. 6 Leseminuten in Zusammenarbeit mit Michael Juhasz, Swiss Movers Association
Packen beim Umzug

Ein Umzug markiert oft einen neuen Lebensabschnitt, ist aber auch aufwendig. Damit der Start am neuen Ort gelingt, ist eine gute Vorbereitung das A und O. Worauf es dabei ankommt, weiss Michael Juhasz.

Experte in diesem Interview

Michael Juhasz, Swiss Movers Association

Michael Juhasz
Swiss Movers Association

Michael Juhasz ist Vorstandsmitglied beim Verband Schweizerischer Umzugsunternehmen Swiss Movers Association. Als Geschäftsführer und Inhaber einer Umzugsfirma verfügt er über langjährige Erfahrung rund um den professionellen Umzug.

Das Wichtigste in Kürze

  • Eine gute Umzugsplanung beginnt idealerweise zwei bis drei Monate vor dem Zügeltermin, kläre frühzeitig Kündigung, neuen Mietvertrag und die Buchung eines Umzugsunternehmens.
  • Plane den Umzug strukturiert, unterschätze den Aufwand fürs Packen nicht und rechne pro Zimmer mit rund 20 Umzugskartons, beginne rechtzeitig mit wenig benötigten Gegenständen.
  • Bei einem Kantonswechsel kommen zusätzliche administrative Aufgaben hinzu, etwa die An und Abmeldung bei der Gemeinde, die Ummeldung des Fahrzeugs sowie Anpassungen bei Versicherungen.
  • Achte auf eine passende Umzugsversicherung, seriöse Unternehmen bieten eine Transportdeckung an, bei wertvollen Möbeln kann eine Allrisk Versicherung sinnvoll sein.

Michael Juhasz, wann sollte man mit der Planung des Umzugs beginnen und was muss alles berücksichtigt werden?

Ideal ist es, zwei bis drei Monate vor dem eigentlichen Umzug zu beginnen. Früher ist nicht empfehlenswert, da es immer noch zu Änderungen kommen kann. Viel später sollte es aber auch nicht sein; besonders, wenn man einen bestimmten Zügeltermin anstrebt.

Berücksichtigen muss man einiges. Die wichtigsten Punkte: Grundsätzlich muss die alte Wohnung fristgerecht gekündigt werden. Am besten fordert man dazu bei der Vermieterschaft eine schriftliche Bestätigung ein, dass der Mietvertrag zu diesem Zeitpunkt endet. Ausserdem muss auch der Mietvertrag für die neue Wohnung unterschrieben sein – hier ist es nicht empfehlenswert, sich auf eine mündliche Zusage zu verlassen. Im nächsten Schritt geht es darum, für den besagten Zügeltermin ein Umzugsunternehmen zu finden. Auch hier empfehle ich, eine schriftliche Auftragsbestätigung einzuholen.

In der weiteren Planungsphase kann es Sinn machen, die neue Wohnung auszumessen und schon mal zu schauen, wo was hinkommt. Hier kann man auch schon überlegen, wie die verschiedenen Dinge in der Wohnung am besten verpackt werden könnten.

Je näher der Zügeltermin rückt, desto wichtiger wird die Frage, wer die Endreinigung übernimmt – und wann die Wohnungsübergabe mit der Vermieterschaft stattfinden soll.

Hinzu kommen administrative Aspekte, an die man denken muss. Das umfasst etwa den Nachsendeauftrag bei der Post, die Ummeldung des Autos auf den neuen Wohnkanton oder die Anpassung der Hausratversicherung an die neue Wohnadresse.

Gibt es eine Faustregel, wie viele Umzugskartons für eine bestimmte Wohnungsgrösse benötigt werde?

Ja, die gibt es: In der Praxis rechnen wir pro Raum mit 20 Kisten. Wie hoch die Zahl effektiv ausfällt, ist von verschiedenen Faktoren abhängig. Beispielsweise macht es einen deutlichen Unterschied, wenn eine 4,5-Zimmerwohnung von einer vierköpfigen Familie oder nur von einer einzelnen Person bewohnt wird.

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Wann lohnt sich das Abschliessen einer Umzugsversicherung?

Seriöse Umzugsunternehmen haben bereits eine Umzugsversicherung in der Offerte aufgeführt und inkludiert, die Transport und Deckung umfasst. Ist die Umzugsversicherung in der Offerte nicht aufgeführt, rate ich dazu, gezielt nachzufragen.

Ausserdem bieten seriöse Umzugsunternehmen eine Allrisk-Versicherung an. Das bedeutet, dass ein Möbelstück nicht zum Zeitwert, sondern zum Neuwert versichert wird. Ein Beispiel: Sie besitzen einen antiken Bauernschrank, für den Ihre Versicherung kaum etwas zahlt, weil der Zeitwert aufgrund des Alters und der Nutzung sehr gering ist. Sie haben den Bauernschrank jetzt aber restaurieren lassen, was sehr viel Geld gekostet hat. Für diesen Wert lassen Sie das Möbelstück nun beim Umzugsunternehmen über die Allrisk-Versicherung versichern.

Was sollte man bei einem Umzug in einen anderen Kanton besonders beachten

Auf den Transport bezogen gibt es im Grunde keine zusätzlichen Besonderheiten, wenn man in einen anderen Kanton umzieht. Hingegen fallen administrative Aufgaben an: Zuerst muss man sich bei der neuen Wohngemeinde anmelden und bei der alten abmelden. Auch das Fahrzeug muss umgemeldet werden; dabei erhält man neue Nummernschilder vom Strassenverkehrsamt des neuen Kantons.

Auch Versicherungen müssen bei einem Umzug in einen anderen Kanton angepasst werden, da beispielsweise Krankenkassenprämien oder Hausrat- und Haftpflichtversicherungen je nach Kanton unterschiedlich hoch ausfallen.

Die Fristen für diese Schritte sind zwar gleich lang wie wenn man innerhalb des Kantons umzieht, aber bei einem Kantonswechsel gilt es noch mehr Punkte zu beachten.

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Was geht aus Erfahrung bei der Umzugsplanung oft vergessen?

Bei einem Umzug unterschätzen 80 Prozent der Leute den Aufwand des Verpackens. Oft fangen sie zu spät damit an und kommen dann kurz vor dem Zügeltermin in Stress. So benötigen sie dann oft viel mehr Umzugskartons als angenommen. Nehmen wir die Küche als Beispiel: Hier genügen nicht nur drei oder vier Schachteln – schliesslich muss vieles separat verpackt werden; Gläser kann man etwa nicht direkt mit Töpfen transportieren. So werden es schnell einmal 15 Kartons – nur für die Küche. In der Praxis kommt es bei einem Umzug ganz selten vor, dass es bei der Anzahl der angekündigten Kartons dann auch wirklich bleibt.

Das gilt ganz besonders, wenn eine Wohnung über einen sehr langen Zeitraum bewohnt wurde, sagen wir 20 Jahre. Dann kommen in sämtlichen Räumen noch so viele Dinge zum Vorschein, die man zwar lange nicht gebraucht hat, aber die trotzdem mitmüssen – beispielsweise im Keller oder in Nebenräumen.

Ich habe ausserdem auch schon erlebt, dass nicht vorausgeplant wird, wohin Möbel in der neuen Wohnung gestellt werden sollen. Die Konsequenz ist dann oft, dass wir Möbel immer wieder umstellen müssen. Das kostet Zeit und Nerven für alle Beteiligten.

Welche Packstrategie hilft dabei, den Umzug möglichst stressfrei zu gestalten und im neuen Heim alles schnell wieder zu finden?

Wie gesagt ist es wichtig, zeitig genug mit Packen anzufangen – und zwar mit den Dingen, die man nicht braucht. Wer zum Beispiel im Sommer umzieht, kann Wintersachen schon von Anfang an wegpacken. Ein weiterer Tipp: Das Packen gleich zum Aussortieren nutzen – und nicht erst dann machen, wenn man schon am neuen Ort eingezogen ist. Einerseits erleichtert man sich damit den Umzug, andererseits kann man auch Kosten sparen, da man sonst den Transport von Dingen mitbezahlt, die man eigentlich gar nicht mehr braucht.

Beim Packen der Kisten macht es Sinn, darauf zu achten, dass diese nicht zu schwer gepackt sind: 20 Kilogramm pro Kiste ist ein Richtwert, an dem man sich orientieren kann. Generell ist es besser, soviel wie möglich in Kisten zu verpacken und weniger in Taschen. Das hat den Grund, dass man Taschen im Gegensatz zu Kisten nicht gut stapeln kann oder Dinge aus ihnen herausfallen könnten.

Bei der Beschriftung ist es für das Umzugsteam nicht wichtig, was in der Schachtel drin ist, sondern vielmehr, wo sie im neuen Zuhause hinmuss. Am besten schreibt man gut sichtbar oben auf dem Karton hin, wo er wieder abgeladen werden muss – also in die Küche, ins Kinder-, ins Wohn- oder ins Elternschlafzimmer. So spart man sich Energie und Zeit. Denn anderenfalls kann es mühsam werden, alleine alle Schachteln in den richtigen Raum zu hieven, nachdem das Umzugsteam gegangen ist. Bei einem Einfamilienhaus mit mehreren Etagen ist das umso mühsamer und zeitaufwendiger.

Ich rate auch jeweils, dass alle Beteiligten beim Umzug mithelfen. Sprich: Bereits kleine Kinder können miteinbezogen werden und helfen, ihre Kuscheltiere und andere Kleinigkeiten einzupacken. So sind sie psychisch auf den Umzug und die neue Umgebung ideal vorbereitet.

Was kann man am Umzugstag griffbereit haben, um Stress zu vermeiden?

Wer umzieht, sollte keine anderen Termine als den Umzug an diesem Tag haben. Private Dinge wie das Portemonnaie oder den Schlüssel der neuen Wohnung rate ich, in einer eigenen Tasche zu verstauen. Am besten teilt man dem Umzugsteam direkt zu Beginn mit, dass diese Tasche nicht eingepackt werden darf. Es ist schon vorgekommen, dass wir bei einem Umzug versehentlich eine Tasche eingepackt haben, in der sich der Autoschlüssel unseres Kunden befand. Dann konnte er nicht mit dem Auto losfahren wie geplant und wir mussten den Schlüssel suchen, der sich bereits irgendwo in unserem Camion befand.

Welche Punkte sind bei der Endreinigung der alten Wohnung besonders wichtig, um die Kaution problemlos zurückzubekommen?

Ganz wichtig: Man sollte sich im Vorfeld mit der Vermieterschaft in Verbindung setzen und abklären, ob diese es überhaupt akzeptiert, dass man die Endreinigung eigenhändig vornimmt. Manchmal kommt es vor, dass sie darauf besteht, dass ein Putzunternehmen damit beauftragt wird – einfach, weil ein solches anders putzt als die Mieterin oder Mieter.

Es gibt noch einen zweiten Grund, warum man zuerst mit der Vermieterschaft Rücksprache halten sollte: Es kann nämlich auch sein, dass ein Umbau geplant ist und dass deswegen gar nicht alles gereinigt werden muss. Angenommen, Sie haben zwölf Jahre lang in der Wohnung gewohnt und jetzt plant die Hausverwaltung, nach Ihrem Auszug die Wände neu zu streichen und die Böden abzuschleifen. Unter Umständen hätten Sie dann Geld für eine Reinigung ausgegeben, die so gar nicht nötig gewesen wäre.

Genau wie beim Umzugsunternehmen ist es wichtig, sich rechtzeitig um ein Reinigungsunternehmen samt Termin zu kümmern. Denn besonders zu den Zügelterminen Ende März, Juni und September sind diese besonders gefragt. Bei der Offerte empfehle ich, ausserdem darauf zu achten, dass das Reinigungsunternehmen eine Abnahmegarantie bieten kann. Das heisst, dass es sich dazu verpflichtet, unter Umständen so lange nachzureinigen, bis für die Vermieterschaft alles passt.

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Welche ersten Schritte sind die besten, um sich in der neuen Wohnung schnell wohlzufühlen?

Ich denke, es ist zum einen wichtig, sein Umfeld zu entdecken – wo ist das nächste Lebensmittelgeschäft, habe ich einen Park in der Nähe oder was gibt es sonst noch so in der neuen Umgebung? Ausserdem rate ich, möglichst rasch auszupacken und die Kartons wieder wegzuräumen – nicht, dass man noch lange in einem Provisorium lebt.

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Gibt es vom Experten abschliessend noch Tipps für eine erfolgreiche Wohnungsbewerbung?

Beziehungen sind in meinen Augen wichtig – am besten erzählt man vielen Leuten davon, dass man eine neue Wohnung sucht. Oft kennt jemand jemanden, die oder der wiederum jemanden kennt und so weiter. Mit Vitamin B hat man dann in vielen Fällen schon einen Fuss in der Tür.

Ansonsten lohnt es sich, bei der Wohnungsbewerbung die wichtigsten Punkte zur eigenen Person schriftlich festzuhalten – kurz und knapp auf einem A4-Blatt. Da sollte zum Beispiel aufgeführt sein, wie alt man ist, wo man arbeitet, wo man vorher gewohnt hat und so weiter. Bedenken Sie: Die Vermieterschaft will keine Romane lesen, sondern einfach die wichtigsten Punkte auf einen Blick erkennen können.

Bei der eigentlichen Vorstellung ist es am besten, man selbst zu bleiben und die Fragen offen und ehrlich zu beantworten – und dann braucht es natürlich immer auch ein wenig Glück, dass es mit der neuen Wohnung klappt.

Häufige Fragen

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