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Photovoltaik-Anlage: Brandschutz, Wartung und Versicherung

ca. 9 Leseminuten in Zusammenarbeit mit Stefan Arnaldi, Gebäudeversicherung Bern GVB
Photovoltaikanlage auf einem Hausdach als Symbol für Brandschutz, Wartung und sicheren Betrieb von Solaranlagen.

Photovoltaik-Anlagen bestehen aus elektrotechnischen Komponenten, bei denen potenzielle Störungen auftreten können. Für den Brandschutz und zur Absicherung vor anderen Störfällen lassen sich Vorkehrungen treffen. Dazu gehören technische Massnahmen und periodische Kontrollen vor Ort.

Experte in diesem Artikel

Stefan Arnaldi, Gebäudeversicherung Bern(GVB)

Stefan Arnaldi
Gebäudeversicherung Bern GVB

Stefan Arnaldi ist Teamleiter der Fachstelle Brandschutz bei der Gebäudeversicherung Bern (GVB). Er verfügt über langjährige Erfahrung in den Bereichen Brandschutz, Heizungs- und Lüftungstechnik.

Das Wichtigste in Kürze

  • Ein wirksamer Überspannungsschutz ist bei PV-Anlagen unverzichtbar. Sowohl im Gleichstrombereich zwischen Dach und Wechselrichter als auch im Wechselstromnetz schützt er vor Schäden durch Blitzschlag und Spannungsspitzen.
  • Der Brandschutz basiert auf fachgerechter Planung, geeigneten Komponenten und anerkannten Sicherheitsstandards. Merkblätter von Swissolar und der VKF helfen bei der sicheren Umsetzung.
  • Ein kontinuierliches Monitoring macht Ertragsverluste und Betriebsstörungen frühzeitig sichtbar. Moderne Wechselrichter können Warnmeldungen automatisch an Fachbetriebe weiterleiten.
  • Regelmässige Sicherheitschecks vor Ort ergänzen die digitale Überwachung. Sichtkontrollen helfen, Schäden an Modulen, Verkabelungen oder Befestigungen sowie Verschmutzungen rechtzeitig zu erkennen.
  • Auch wenn keine gesetzliche Wartung vorgeschrieben ist, tragen Eigentümer die Verantwortung für Sicherheit und Leistungsfähigkeit ihrer Anlage. Fachgerechte Kontrollen, Reinigungen und eine vollständige Dokumentation unterstützen den langfristig sicheren Betrieb.

Sicherheit und Wartung von Photovoltaikanlagen

Photovoltaikanlagen (PV-Anlagen) liefern tagsüber Strom. Die Elektroinstallationen auf Dächern und Fassaden stehen dabei unter Spannung. Bei einem Kurzschluss können hohe Ströme fliessen und beispielsweise Lichtbögen auslösen. Damit aus potenziellen Gefahren keine realen Schäden entstehen, tragen Brandschutzmassnahmen und eine regelmässige Wartung wesentlich zur Sicherheit bei. Im Folgenden erfährst du, welche Aspekte für einen sicheren und leistungsoptimierten Betrieb deiner PV-Anlage wichtig sind.

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Schutz vor Blitzschlag bei PV-Anlagen

Die Stromstärke eines Blitzes ist fast 1000-mal grösser, als was im Normalfall durch die Stromleitungen in einem Gebäude fliesst. Deshalb ist jede PV-Anlage mit einer Schutzvorrichtung auszurüsten, die derart hohe Überspannungen bei Blitzschlag ableiten kann. Eine allfällige gebäudebezogene Blitzschutzanlage leistet dafür keinen Schutz. Bei PV-Anlagen ist deshalb der Gleichstromanschluss vom Dach zum Wechselrichter mit einem zusätzlichen Überspannungsschutz zu versehen. Dieser ist bei Bedarf in ein bestehendes Blitzschutzsystem einzubinden. Im Gegenzug wird ein Gebäude aufgrund der PV-Installation nicht blitzschutzpflichtig.

Schutz im Wechselstrombereich

Einzelne Komponenten einer PV-Anlage wie Wechselrichter oder Messzähler sind im Wechselstrombereich eines hausinternen Leitungsnetzes angeschlossen. Deshalb ist auch dieser mit einem Überspannungsschutz auszurüsten. Zum einen schützt er vor Blitz. Seine Stromstärke kann bis 2000 Meter weit eine Überspannung induzieren, ohne direkt in das Haus einzuschlagen. Der Überspannungsschutz im Wechselstrombereich verhindert zum anderen, dass sich eine Überspannung vom öffentlichen Stromnetz in das hausinterne Leitungsnetz überträgt. Sind die Hausanschlüsse nicht speziell gesichert, breiten sich hohe Teilströme ungehindert aus.  

Brandschutz bei Photovoltaik-Anlagen

Brandschutzmerkblatt für Anwender 

Um auf die sichere Installation von PV-Anlagen hinzuweisen, hat der Schweizerische Fachverband für Sonnenenergie Swissolar ein Papier zum Stand der Technik beim Brandschutz publiziert. Es zeigt anwendungsbezogene Lösungen auf und weist auf die Qualitätskriterien für die Auswahl der PV-Komponenten hin. Das Papier soll Bauherrschaften helfen, einen Überblick über den innovativen Solarmarkt zu erhalten. Grundlage ist das Brandschutzmerkblatt der Vereinigung Kantonaler Feuerversicherungen (VKF), das die Schutzziele definiert und mögliche Lösungsansätze aufzeigt.  

Weitere hilfreiche Merkblätter und Informationsmittel stellt Electrosuisse zusammen mit Swissolar zur Verfügung: die Broschüre «Energie – Sonnenklar». Die Gebäudeversicherung Bern (GVB) gibt zudem eine Liste der anerkannte Fachfirmen für Blitzschutz heraus.

Wichtige Informationen für den Feuerwehreinsatz

Eigentümern einer PV-Anlage wird empfohlen, das lokale Feuerwehrkommando zu dokumentieren respektive eine Begehung bei Werkübergabe zu organisieren. Wechselrichter der neuesten Generation verfügen zwar über einen gut sichtbaren und einfach bedienbaren Gleichstrom-Lasttrennschalter oder sogar einen sogenannte PV-Feuerwehrschalter. Doch bei älteren Anlagen kann der Systemaufbau variieren und auch die Kennzeichnung von heutigen Standards abweichen. Das Feuerwehrinspektorat Kanton Bern hat in Zusammenarbeit mit der Berner Fachhochschule eine generelle Sicherheitsdokumentation für «Photovoltaikanlagen im Feuerwehreinsatz» erstellt. 

Wartung von Photovoltaik-Anlagen

Wartung nach Vorschrift?

Eine Wartung von Photovoltaik-Anlagen ist nicht vorgeschrieben, weil sie keine technischen Verschleissteile umfassen. Die Gewährleistungsansprüche gegenüber dem Installationsunternehmen oder dem Produkthersteller gelten unabhängig davon. Allerdings ist der Besitzer respektive der Betreiber einer PV-Anlage für die Sicherheit und die Leistungsfähigkeit zuständig. Werden diese Sorgfaltspflichten vernachlässigt, kann im Streitfall eine Mitschuld daraus abgeleitet werden.  

Eine Sonderstellung nimmt der Stromspeicher ein. Je nach Hersteller ist dafür eine regelmässige Wartung vorgeschrieben. Dies muss in der Dokumentation bei der Werkübergabe beschrieben sein und vom Installationsbetrieb an die Eigentümerschaft kommuniziert werden. 

Wie häufig muss man eine Wartung machen?

Gemäss Branchenempfehlungen dienen Wartungs- oder Monitoringverträge mit der PV-Installationsfirma dazu, der Eigentümerverantwortung gerecht zu werden. Dadurch lassen sich PV-Anlagen zum Beispiel fernüberwachen, damit Störungen unmittelbar bemerkt und behoben werden. Eine professionelle Wartung berücksichtigt das Verschmutzungsrisiko am jeweiligen Standort und erfolgt jeweils alle zwei bis drei Jahre mit visuellen Kontrollen vor Ort.

Monitoring: dauerhaftes Überwachen

Swissolar empfiehlt ein Monitoring für PV-Anlagen. Das permanente Erfassen des Stromertrags gewährt Einblicke in den Betrieb und gibt indirekte Hinweise auf Sicherheitsmängel. Mit dem Monitoring werden Betriebsstörungen oder -ausfälle aufgedeckt und automatische Warnmeldungen an Fachbetriebe weitergegeben. Ein Wechselrichter verfügt über integrierte Monitoringlösungen, mit denen Störmeldungen versandt werden können. Meistens können die Ertragsdaten auf einem Nutzer-Portal visualisiert werden, worauf allfällige Leistungsabweichungen erkennbar sind. Zur Behebung von Betriebsstörungen sind Fachleute beizuziehen.

Sicherheitscheck: visuelle Kontrolle vor Ort

Das Datenmonitoring garantiert nicht, dass jegliche Betriebsprobleme erkannt werden. Ist das Abdeckglas eines PV-Moduls nur äusserlich beschädigt, wird die Stromerzeugung dadurch nicht beeinflusst. Deshalb sind Sichtkontrollen nach Gewitter, Hagel oder Sturm sinnvoll, um Beschädigungen frühzeitig zu erkennen. Zu den ertragsmindernden Schäden, die von Auge erkannt werden können, gehören auch die Delamination – das Loslösen der Folie an der PV-Modul-Rückseite – oder eine Verfärbung der Oberfläche.

Der visuelle Sicherheitscheck umfasst zusätzlich ein Überprüfen der Konstruktion wie die Befestigung der PV-Module oder der Verkabelung. Zu kontrollieren sind im Weiteren: die UV-Beständigkeit der Schutzrohre, eine Versprödung des Isolationsmantels bei Installationskabeln, Korrosionserscheinungen und Schädlingsverbiss bei Stringkabeln.  
Bei Sichtkontrollen wird ebenfalls die Verschmutzung der PV-Module beurteilt. Je geringer Letztere geneigt sind, umso grösser ist die Gefahr einer Verschmutzung. Russ, Staub, Pollen, Laub und Vogelkot können ihrerseits Leistungseinbussen verursachen.

Für die Begutachtung der PV-Anlage vor Ort muss das Dach zugänglich und begehbar sein. Unter Umständen ist eine Absturzsicherung zu installieren, zum Beispiel ein Geländer oder ein Anschlag für den Anseilschutz.

Wann die Reinigung empfohlen ist

Spezialfirmen und PV-Installateure kümmern sich auf Anfrage um die Reinigung von PV-Anlagen. Eine Reinigung soll spätestens alle fünf Jahre in Auftrag gegeben werden. Grosse Sorgfalt ist auf jeden Fall geboten: Werden PV-Module mit Leitungswasser gereinigt, können sich Kalkablagerungen bilden. Zudem ist darauf zu achten, dass kaltes Leitungswasser nicht auf aufgeheizte Oberflächen trifft. Ansonsten können Spannungsrisse auf dem Abdeckglas verursacht werden. Bei Reinigungsmitteln ist ebensolche Zurückhaltung empfohlen. Diese können Moduloberflächen angreifen und zum Verlust von Garantieansprüchen gegenüber dem Modulhersteller führen.

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PV-Anlagen professionell betreiben lassen

Grosse PV-Anlagen lassen sich extern betreuen. Dabei werden die Betriebsüberwachung und die Sicherheitskontrollen im Rahmen eines Contractings an spezialisierte Unternehmen übertragen. Energiedienstleister und Energieversorgungsunternehmen bieten dafür verschiedene Eigentums- und Betriebsmodelle an.

Ein häufiges Geschäftsmodell funktioniert ähnlich wie eine Mietvereinbarung: Du vermietest deine Dachfläche an einen PV-Betreiber, der den erzeugten Strom wiederum an dich verkauft. Strompreis und Vertragsdauer werden vertraglich festgelegt. Solche Vereinbarungen laufen in der Regel über 20 bis 25 Jahre.

Für den Zustand der PV-Anlage, die Sicherheitskontrollen und einen optimalen Betrieb ist der Vertragspartner verantwortlich.

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Die Werkübergabe der PV-Anlage

Die Verantwortung für eine PV-Anlage liegt bei der Eigentümerschaft. Fragen zur Sicherheit solltest du deshalb an Fachpersonen der kantonalen Gebäudeversicherung oder an die kommunale Feueraufsichtsstelle richten. Bei der Werkübergabe müssen die PV-Installation sowie die Blitzschutzanlage von einer qualifizierten Elektrofachperson geprüft und abgenommen werden.

Versicherungsschutz von PV-Anlagen

Gegen die finanziellen Folgen von Schäden an einer PV-Anlage kannst du dich versichern. Bei einigen kantonalen Gebäudeversicherungen sind solche Schäden bereits automatisch mitversichert. Andernfalls bietet eine Solar- oder Photovoltaikversicherung als Ergänzung zur Grundversicherung umfassenden Schutz. Sie deckt Schäden an der PV-Anlage, anteilige Folgekosten sowie Ertragsausfälle ab.

Häufige Fragen

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