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Interview Solarenergie: PV-Anlage richtig planen

Interview ca. 7 Leseminuten in Zusammenarbeit mit Walter Sachs, Schweizerische Vereinigung für Sonnenenergie (SSES)
Familie steht vor ihrem Haus mit neuer Solaranlage

Photovoltaikanlagen boomen – und das aus gutem Grund: Sie senken nicht nur die Stromrechnung, sondern leisten auch einen wichtigen Beitrag zur Energiewende und zum Klimaschutz. Doch bevor Solarpanels aufs Dach kommen, gilt es einiges zu beachten. Walter Sachs, Präsident der Schweizerischen Vereinigung für Sonnenenergie (SSES), sagt im Interview, worauf es bei der Nutzung von Solarenergie im eigenen Zuhause ankommt.

Experte in diesem Interview

Walter Sachs

Walter Sachs
Schweizerische Vereinigung für Sonnenenergie (SSES)

Walter Sachs ist Präsident der Schweizerischen Vereinigung für Sonnenenergie (SSES). Als diplomierter Elektroingenieur kennt er die technischen und gesellschaftlichen Herausforderungen der Energiewende – insbesondere im Bereich der Solarenergie.

Das Wichtigste in Kürze

  • Eine Photovoltaikanlage sollte immer im Zusammenhang mit dem gesamten Gebäude geplant werden. So lassen sich spätere Mehrkosten vermeiden, etwa wenn zusätzlich eine Wärmepumpe oder ein Elektroauto dazukommt.
  • Eine professionelle Energieberatung hilft dabei, den Zustand von Dach und Gebäude zu beurteilen und die optimale Lösung für die eigene Situation zu finden.
  • Die Investitionskosten für eine PV-Anlage bei einem Einfamilienhaus liegen in der Regel bei mindestens 12'000 Franken. Fördergelder müssen meist vor dem Bau beantragt werden.
  • Der Eigenverbrauch ist entscheidend für die Wirtschaftlichkeit einer Solaranlage. Je mehr selbst produzierter Strom im Haushalt genutzt wird, desto schneller amortisiert sich die Investition.

Walter Sachs, was sind die ersten Schritte, wenn man sich für den Bau einer Photovoltaikanlage, kurz PV-Anlage, auf dem eigenen Dach interessiert?

Zunächst sollte man sich von einer Fachperson beraten lassen – am besten sucht man also Kontakt mit einer Solarteurin oder einem Solarteur. Man kann auch Gebrauch von einer Energieberatung, wie sie in gewissen Städten angeboten wird, machen. 
 
Dann hängt es natürlich davon ab, ob es sich um ein bestehendes Gebäude oder um einen Neubau handelt. Bei letzterem empfiehlt es sich, die PV-Anlage gleich von Anfang an in die Planung mitaufzunehmen. 
 
Bei bestehenden Gebäuden ist der Fall ein anderer: Hier ist es ratsam, das Haus gesamtenergetisch zu betrachten. Auch in diesem Fall lohnt sich eine Energieberatung. Beispielsweise deckt diese in ihrer Analyse auf, dass die Dachziegel nicht mehr von guter Qualität sind und in spätestens zwei Jahren man das gesamte Dach erneuern müsste. Hier ergibt es wenig Sinn, bereits jetzt eine PV-Anlage darauf zu installieren, um sie dann im Zuge der Dachsanierung wieder zu entfernen. Je nachdem kann man sich dann auch überlegen, bei dieser auf eine Indachanlage statt eine Aufdachanlage zu setzen. 

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Wenn Sie an die Praxis denken: Welches sind typische Fehler oder Fehleinschätzungen, die bei der Planung einer PV-Anlage auftreten?

Dass das Haus nicht als Gesamtsystem betrachtet wird. Ein Klassiker: Sie installieren eine PV-Anlage auf Ihr Dach, ein knappes Jahr später kommen Sie auf die Idee, dass doch auch noch eine Wärmepumpe sinnvoll sein könnte. Das Problem dabei: Die ursprünglich geplante PV-Anlage ist möglicherweise nicht auf den zusätzlichen Strombedarf der Wärmepumpe ausgelegt. Es fehlen dann entweder genügend Modulflächen oder die technische Infrastruktur – etwa ein leistungsstärkerer Wechselrichter oder ein grösser dimensionierter Hausanschluss. Dann muss man wieder zusätzliche Geräte installieren und mit den alten austauschen. Wenn man es von Anfang an richtig macht, kann man sich später Kosten und Zeit sparen. 
 
Als weiteren Fehler kann ich auf das Beispiel von soeben verweisen – also, dass der Dachzustand nicht korrekt überprüft wurde. Man muss wissen: Installiert man eine PV-Anlage auf das Dach, ändert sich auch dessen Mikroklima. Das heisst: Die Ziegel «atmen» dann anders, dies muss berücksichtigt werden.  
 
Sie müssen wissen: Ein undichtes Dach wird durch eine PV-Anlage nicht wieder dicht. Ein weiterer Fehler ist, dass die Haken für die PV-Anlage nicht korrekt gesetzt werden und dann die Dachhaut durchstossen wird. Die Dachunterkonstruktion wird dadurch geschädigt, und als Konsequenz läuft dann irgendwann Wasser rein.  
 
Darum mein Tipp: Die Solarteurinnen und Solarteure müssen Dachdeckerfähigkeiten haben und auf das Dach ein besonderes Augenmerk legen. 
 
Und noch ein Zusatztipp: Machen Sie das Dach so voll wie möglich mit Solarpanels! Erstens sieht es optisch besser aus, zweitens ist man dann bereits für den Fall vorbereitet, wenn man zu einem späteren Zeitpunkt mehr Strom benötigt – etwa, weil man sich für die Anschaffung eines Elektroautos entscheidet. Und drittens sind die Mehrkosten für die zusätzlichen Paneele gering – denn die Fixkosten für Gerüst, Planung und Wechselrichter bleiben ja ungefähr gleich. 

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Mit welchen Investitionskosten müssen Hauseigentümerinnen und Hauseigentümer für eine PV-Anlage in der Schweiz rechnen?

Das ist schwierig pauschal zu sagen. Die fixen Kosten pro Installation sind im Vergleich zur Anlagengrösse relativ hoch; pro Modul fallen die Kosten dann aber gering aus – deswegen auch hier mein Tipp, das Dach möglichst voll mit Solarpanels zu machen. 
 
Um trotzdem einen Anhaltspunkt zu geben: Bei einem Einfamilienhaus müssen Sie bei der Anschaffung einer Photovoltaikanlage mit Investitionskosten von mindestens 12'000 Franken rechnen – inklusive Planung, Gerüst, Komponenten und so weiter. 

Welche staatlichen Förderungen und Subventionen sind für PV-Anlagen bei Einfamilienhäusern in der Schweiz verfügbar?

Auf nationaler Ebene gibt es die sogenannte Einmalvergütung, die pro installiertem Kilowatt Leistung ausbezahlt wird. Sprich: Wer die verfügbare Dachfläche vollständig für die PV-Anlage nutzt, profitiert von einer höheren Gesamtsumme dieser Einmalvergütung, da sich die Förderung mit steigender Anlagengrösse erhöht – ein weiterer Grund also, das Dach möglichst voll zu machen. Zusätzlich zur nationalen Förderung bieten auch einige Kantone, Gemeinden oder lokale Energieversorger weitere finanzielle Anreize. Auf der Plattform energiefranken.ch können Sie diese einsehen. 
 
Ganz wichtig: Die meisten Förderungen muss man beantragen, bevor die Anlage gebaut wird. Denn wird die Anlage bereits installiert, bevor das Gesuch eingereicht wurde, kann der Anspruch auf Förderung verfallen.  

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Wie lange dauert es im Durchschnitt, bis sich eine Anlage amortisiert hat?

Das kann ich so nicht pauschal sagen. Es gibt aber Rechner wie von Energie Schweiz, die einem das vorrechnen. Grundsätzlich gilt: PV-Anlagen im Einfamilienhausbereich amortisieren sich in erster Linie über den Eigenverbrauch – also dadurch, dass der selbst produzierte Strom direkt im Haushalt genutzt wird. Stellen wir uns nun eine vierköpfige Familie mit zwei Kindern im Alter von 10 und 12 Jahren vor. Der Stromverbrauch ist vergleichsweise hoch und der Strom wird direkt genutzt. Doch in zehn Jahren sind die Kinder möglicherweise ausgezogen – wodurch auch der Stromverbrauch sinkt. Unter Umständen ist dann tagsüber niemand mehr im Haus, was den Eigenverbrauch deutlich reduziert. 
 
In solchen Fällen verlängert sich die Amortisationsdauer, weil man weniger Strom selbst nutzt. Umgekehrt kann sich die Amortisation beschleunigen, wenn beispielsweise eine Wärmepumpe, ein Elektroauto oder ein Stromspeicher dazukommt und so der Eigenverbrauch erhöht wird. 

Wie sieht es mit der Haftung bei Schäden oder Unfällen aus, beispielsweise durch Brand oder Blitzschlag?

Das ist kantonal unterschiedlich – im Kanton Zürich sind private PV-Anlagenbetreiberinnen und PV-Anlagenbetreiber verpflichtet, die gesamte Anlage inklusive einer allfälligen Batterie bei der kantonalen Gebäudeversicherung anzumelden. Wird dann beispielsweise die Solaranlage infolge von starkem Hagel beschädigt, bezahlt dann die kantonale Gebäudeversicherung die Kosten für die Ersetzung der Solarpanels.  
 
Wichtig zu wissen: Man unterscheidet verschiedene Hagelwiderstandsklassen, also der Korngrösse des Hagels. Manche Versicherungen übernehmen die Kosten erst ab einer bestimmten Hagelwiderstandsklasse. Darum ist es wichtig, dass ebenfalls bereits bei der Planung der PV-Anlage im Hinterkopf zu behalten und in Absprache mit der Solarteurin oder dem Solarteur sowie der Versicherung entsprechend Module mit einer ausreichend hohen Hagelwiderstandsklasse zu wählen. 

Stichwort Einspeisevergütung: Worauf sollten private Stromerzeugerinnen und Stromerzeuger achten, wenn sie ihren überschüssigen Strom ins öffentliche Netz einspeisen wollen?

Die Einspeisung erfolgt über einen Smart Meter, der den eingespeisten Strom exakt misst und die Daten an den lokalen Netzbetreiber übermittelt. Aktuell ist die Einspeisevergütung nicht einheitlich geregelt und variiert je nach Energieversorger und Region. Dies wird auch in Zukunft so bleiben, allerdings gilt ab 2026 dass, können sich PV-Betreiber und Verteilnetzbetreiber nicht auf einen Abnahmetarif einigen, der quartalsweise gemittelte Marktpreis als Abnahmevergütung ausbezahlt wird.  

Angenommen, ich wohne in einer Mietwohnung mit Balkon – welche Möglichkeiten habe ich, um von Photovoltaik zu profitieren?

Wenn Sie in einer Mietwohnung mit Balkon wohnen, können Sie von Photovoltaik profitieren, indem Sie ein Balkonkraftwerk installieren. Ein solches muss man beim hiesigen Elektrizitätswerk anmelden – und zwar noch vor der Installation. 
 
Die Module können direkt am Balkongeländer oder an der Fassade montiert werden, wobei in der Regel die Zustimmung der Hauseigentümerin oder des Hauseigentümers erforderlich ist. Balkonkraftwerke sind bereits für mehrere hundert Franken erhältlich. 
 
Ein Balkonkraftwerk kann bei optimalen Bedingungen schnell 300 bis 400 Watt produzieren. Dies reicht oft aus, um den Grundverbrauch einer Wohnung zu decken. 
 
Wenn Sie in einer Mietwohnung mit Balkon wohnen und ein Balkonkraftwerk installieren möchten, sollten Sie sich auch Gedanken über die Windlasten machen, da Balkone oft windanfällig sind. Die Module müssen sicher befestigt werden, um bei starkem Wind keine Gefahr darzustellen. 
 
Die Module können am Balkongeländer montiert werden. Aber auch hier empfiehlt sich die Absprache mit der Vermieterschaft, vor allem auch zur Abklärung allfälliger Haftungsfragen für den Fall, dass das Modul vom Balkongeländer fällt. 
 
Ein letzter Tipp: Kaufen Sie die Solarmodule bei einem Fachhändler, um sicherzustellen, dass die Module den erforderlichen Standards entsprechen und qualitativ hochwertig sind. So können Sie sich darauf verlassen, dass sie sicher sind und effizient arbeiten. Module und Wechselrichter, welche von ausländischen Händlern angeboten werden, sind in der Schweiz meistens nicht zugelassen und auch nicht bzgl. der elektrischen Sicherheit geprüft. 

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