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Reportage: Energetische Sanierung eines Reihenhauses in St. Gallen

Reportage ca. 4 Leseminuten
Modernisiertes Reihenhaus in St. Gallen mit unveränderter Fassade nach der energetischen Sanierung.

Vom Heizungsersatz zur energetischen Sanierung: Wie eine Familie ihr altes Reiheneinfamilienhaus in St. Gallen renovierte und dabei die Wohnqualität markant erhöhte.

Das Wichtigste in Kürze

  • Aus einem geplanten Heizungsersatz wurde eine umfassende energetische Sanierung. Durch die Kombination von Dämmung, neuen Fenstern und einer optimierten Gebäudehülle konnte der Energiebedarf nachhaltig gesenkt werden.
  • Statt einzelner Massnahmen setzten die Bauherrinnen und Bauherren auf ein ganzheitliches Energiekonzept. Dadurch konnten Heizung, Wärmeverteilung und Dämmung optimal aufeinander abgestimmt werden.
  • Die neue Wandheizung und der Stampflehm-Speicherofen sorgen für eine besonders angenehme Strahlungswärme. Gleichzeitig steigern sie die Energieeffizienz und den Wohnkomfort im ganzen Haus.
  • Mit gezielten Eingriffen wie dem Entfernen von Wänden entstand ein offenerer Grundriss, der das kleine Reihenhaus deutlich grosszügiger wirken lässt und die Wohnqualität erhöht.
  • Neben der energetischen Modernisierung verbesserten auch baubiologische Massnahmen und neue Elektroinstallationen das Wohlbefinden der Bewohnerinnen und Bewohner. Das Ergebnis ist ein komfortableres, gesünderes und energieeffizienteres Zuhause.

Ausgangslage: Sanierungsbedarf im Reihenhaus

Eigentlich wollten die Bauherrinnen und Bauherren bloss eine neue Heizung für ihr neu erworbenes 4-Zimmer-Reihenendhaus aus dem Jahr 1948. Das war auch bitter nötig: Der alte Öl-Speicherofen, der sich im Wohn-/Essbereich im Erdgeschoss befand, und sein Plastiktank im Keller rochen gehörig nach Öl. Zudem war die Kellerdecke kaum gedämmt, was zu einem unangenehm kalten Fussboden im Wohn-/Essbereich führte. Auch in den drei im Obergeschoss liegenden Räumen, den Schlafzimmern der Eltern und der beiden Kinder, war es nicht besonders behaglich: Die Wärmeverteilung vom Speicherofen erfolgte durch einen Luftkanal ins Obergeschoss, wobei nur zwei der drei Räume überhaupt beheizt werden konnten.

Ein Heizungsersatz allein reicht nicht

Im Gespräch mit dem Architekten und Baubiologen Peter Wenig stellte sich bald heraus, dass der Ersatz der Heizung komplizierter würde als angenommen, da auch die Wärmeverteilung neu gemacht werden musste. Wenig empfahl dafür die Strahlungswärme von Wandheizungen: «Diese haben den Vorteil, dass sie besonders behaglich und effizient sind und die Heizungsleistung dementsprechend reduziert werden kann.»

Stampflehm-Speicherofen als Herzstück der neuen Heizung im Wohn- und Essbereich eines modernisierten Reihenhauses.
Der Stampflehm-Speicherofen bildet das Herzstück der neuen Heizung.
Service Teaser sanierung de

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Innendämmung statt Aussendämmung

Ausserdem riet der Architekt, zuerst die schlechte Dämmung des Gebäudes zu verbessern, damit keine Heizung gekauft werden musste, die nach einer Dämmung zu einem späteren Zeitpunkt überdimensioniert gewesen wäre. Die Bauherrinnen und Bauherren entschieden sich für eine Innendämmung mit Schafwolle, Holzwolle-Leichtbauplatten und einem Lehmputz. Diese Bauweise hat den Vorteil, dass sie Feuchtigkeit gut aufnehmen und abgeben kann. Der Entscheid für die Innendämmung erfolgte aus gestalterischen Gründen, denn nur so konnte der Charakter der Reihenhaussiedlung mitten in St. Gallen bewahrt werden. Hinzu kam, dass eine Aussendämmung wegen der kleinen Fenster und der vergleichsweise grossen Leibungen viel Lichtverlust zur Folge gehabt hätte.

Fenster und Gebäudehülle optimieren

Zur Verbesserung der Dichtigkeit der Gebäudehülle liessen die Bauherrinnen und Bauherren die Fenster der Wohnräume ersetzen, die noch aus dem Erstellungsjahr stammten. Des Weiteren wurden die restlichen Fenster sowie die Haustür wärmetechnisch optimiert, indem die Doppelverglasung durch Isolierglas ersetzt und eine Dichtung im Falz eingebaut wurde. Eine weitere Massnahme bestand in der Dämmung der Kellerdecke. Im Winter sorgt ein dicker Filzvorhang am Übergang vom Entrée zum Wohn-/Essbereich dafür, dass die Strahlungswärme des Ofens und der Wandheizung nicht entweicht. «Der Temperaturunterschied auf den beiden Seiten des Vorhangs ist gut spürbar», sagt die Bauherrin Daniela Lieberherr zum Erfolg dieser einfachen Massnahme.

Dicker Filzvorhang zwischen Entrée und Wohn-/Essbereich zur Reduktion von Wärmeverlusten.
Kleine Massnahme mit grosser Wirkung: Ein dicker Filzvorhang zwischen Entrée und Wohn-/Essbereich wirkt isolierend.

Stampflehm-Speicherofen und Solaranlage

Bei der Wahl der Heizung waren ebenfalls ästhetische Gründe mitentscheidend: Die Wahl der Bauherrinnen und Bauherren fiel auf einen Stampflehm-Speicherofen, der als Blickfang im Wohn-/Essbereich steht, aber von der Küche aus mit Stückholz betrieben wird. Die Erwärmung des Brauchwassers erfolgt zu 70 % mittels einer Solaranlage auf dem Dach. Sie wurde so dimensioniert, dass sie in der Übergangszeit die Heizung unterstützt.

Solaranlage auf dem Dach eines sanierten Reihenhauses in St. Gallen.
Die Solaranlage auf dem Dach deckt rund 70 % des Brauchwasserbedarfs.
Service Teaser Solar de

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Mehr Wohnqualität durch offenere Grundrisse

Die Bauherrinnen und Bauherren liessen es nicht bei einer energetischen Sanierung bleiben: Offenere Grundrisse im Erdgeschoss stellen sicher, dass das 68 m² kleine Haus etwas weniger eng wirkt. Dafür wurden einige Mauern entfernt, sodass der Wohn-/Essbereich nun aus einem einzigen Raum besteht. Ausserdem musste das WC, das vorher im Eingangsbereich untergebracht war, in den Keller weichen. Das Bad mit WC befindet sich im Obergeschoss.

Mehr Platz durch clevere Lösungen

Um den immer noch geringen Platz im Entrée optimal zu nutzen, liessen die Bauherrinnen und Bauherren ein Geländer zur Kellertreppe einbauen, das zugleich als Schuhregal dient. Mit der Renovation wurde zudem der alte Parkettboden wieder freigelegt, den die früheren Eigentümerinnen und Eigentümer mit Laminat bedeckt hatten. Aus dem Erstellungsjahr des Gebäudes stammt auch die Tapete im Entrée.

Historische grün gemusterte Tapete im Entrée eines sanierten Reihenhauses.
Die Tapete im Entrée stammt noch aus dem Erstellungsjahr des Hauses.

Baubiologie und neue Elektroinstallationen

Nebst den Grundrissen wurden auch die Elektroinstallationen in Angriff genommen. «Unsere Schlafplatz-Messungen der elektrischen und magnetischen Wechselfelder in der Planungsphase ergaben sehr hohe Werte», sagt Wenig. Die Bauherrinnen und Bauherren beschlossen deshalb, die bestehenden Elektroinstallationen durch neue zu ersetzen, die unter baubiologischen Gesichtspunkten installiert wurden. Ein weiterer wichtiger Punkt war die Aufklärung über selbst erzeugten Elektrosmog, z. B. durch WLAN oder Schnurlostelefone wie DECT-Telefone. Als Folge davon schlafen der Bauherr und die Tochter wieder besser, und die Kopfschmerzen der Tochter, die mit dem Einzug ins Haus begonnen hatten, sind verschwunden. So haben die getroffenen Massnahmen nicht nur die Energiebilanz, sondern auch den Wohnkomfort nachhaltig verbessert.

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