myky

Mietzins berechnen in der Schweiz: Regeln und Nebenkosten

ca. 5 Leseminuten
Person berechnet am Taschenrechner und Laptop den Mietzins für eine Wohnung in der Schweiz.

Vermietende wollen möglichst viel kassieren, Mietende möglichst wenig bezahlen. Irgendwo in der Mitte liegt der faire Mietzins. Für die Höhe der Miete gibt es Regeln, genauso für die Abrechnung der Nebenkosten.

Das Wichtigste in Kürze

  • Ein fairer Mietzins in der Schweiz basiert auf drei Kriterien, er muss kostendeckend, marktgerecht und rechtlich zulässig sein. Vermietende und Mietende können die Miete frei vereinbaren, doch das Obligationenrecht setzt klare Grenzen gegen missbräuchliche Erträge.
  • Der kostendeckende Mietzins ergibt sich aus Kapital und Bewirtschaftungskosten wie Hypothekarzinsen, Unterhalt, Abgaben oder Abschreibungen. Besonders bei Neubauten kann es dauern, bis eine Vermietung langfristig die Anfangsverluste ausgleicht.
  • Nebenkosten dürfen nur verrechnet werden, wenn sie im Mietvertrag einzeln aufgeführt sind und tatsächlich anfallen. Sie betreffen nutzungsabhängige Ausgaben wie Heizung, Warmwasser oder Hauswartung, nicht jedoch Unterhalt oder wertvermehrende Investitionen.
  • Bei der Nebenkostenabrechnung sind Akontozahlungen üblich. Vermietende müssen mindestens einmal jährlich abrechnen, Belege offenlegen und Guthaben zurückzahlen oder Nachforderungen begründen.
  • Beide Parteien haben klare Rechte und Pflichten, Mietende können Belege einsehen und Abrechnungen anfechten, bei Streitigkeiten hilft das Mietamt als kostenlose Schlichtungsstelle.

Drei Kriterien für einen fairen Mietzins

Die Frage nach dem fairen Mietpreis lässt sich mit drei wesentlichen Fragen beantworten:

  • Ist der Mietzins kostendeckend?
  • Ist der Mietzins marktgerecht?
  • Ist der Mietzins rechtlich zulässig?

Kostendeckender Mietzins

Die Kostenrechnung zeigt, welchen Mietzins du als Vermieterin oder Vermieter verlangen musst, damit die Liegenschaft kostendeckend ist. Dazu zählen alle Güter und Dienstleistungen, die für die Bereitstellung von Wohnraum nötig sind. Sie werden in der Regel in Kapitalkosten (Fremdkapitalkosten wie Hypothekarzinsen, übrige Darlehenszinsen oder Baurechtszinsen) und Bewirtschaftungskosten (Betriebskosten wie öffentliche Abgaben oder Versicherungskosten, Unterhaltskosten, Abschreibungen und Risikoprämie) unterteilt.

Hausdossier V 2 500x500px Pos

Wie behältst du den Überblick über dein Wohneigentum?

Wo bewahre ich wichtige Dokumente auf? Wann ist welche Wartung fällig? Wie plane ich eine Sanierung richtig? Genau hier setzt myky an und schafft mit dem myky-Dossier Klarheit und Zugriff auf alles Wichtige an einem zentralen, sicheren Ort.

Marktgerechter Mietzins

Wie die Preise anderer Güter bildet sich die Miete durch Angebot und Nachfrage. Der bei anderen Gütern funktionierende freie Markt ist aber durch die Missbrauchsgesetzgebung des Obligationenrechts beschränkt, die Festsetzung der Mietzinsen geregelt. Diese Regeln machen es manchmal schwierig, kostendeckend zu vermieten, besonders Neubauwohnungen. Erst auf längere Sicht hast du als Vermieterin oder Vermieter die Chance, kostendeckende Mieten zu verlangen und deine möglichen Anfangsverluste zu kompensieren.

Rechtlich zulässiger Mietzins

Mieterin oder Mieter und Vermieterin oder Vermieter können den Mietzins frei aushandeln. Das Mietrecht setzt der Vertragsfreiheit aber Grenzen und schützt die Mieterinnen und Mieter vor missbräuchlichen Mietzinsen. Laut Artikel 269 OR sind Mietzinsen missbräuchlich, wenn ein überhöhter Ertrag erwirtschaftet wird oder die Mieten auf einem offensichtlich übersetzten Kaufpreis beruhen. Sie sind gemäss OR in der Regel nicht missbräuchlich, wenn sie

  • im Rahmen der orts- und quartierüblichen Mietzinsen liegen,
  • durch Kostensteigerungen oder Mehrleistungen der Vermieterin oder des Vermieters begründet sind,
  • bei neueren Bauten im Rahmen der kostendeckenden Bruttorendite liegen,
  • dem Ausgleich einer Mietzinsverbilligung dienen, die durch Umlagerung marktüblicher Finanzierungskosten gewährt wurde, und in einem dem Mieter oder der Mieterin im Voraus bekannt gegebenen Zahlungsplan festgelegt sind,
  • die Teuerung auf dem risikotragenden Kapital ausgleichen,
  • die Höhe nicht überschreiten, die Vermieter- und Mieterverbände oder Organisationen, die ähnliche Interessen vertreten, in ihren Rahmenverträgen empfehlen.

Vorlage Mietzinsreduktion

Lagecheck

Vorlage Mietzinsreduktion

Nutze unsere praktische Vorlage (Word), um deinen Mietzins zu senken.

Gratis Lage-Check

Vorlage Mietzinsreduktion herunterladen

Nutze unsere praktische Vorlage (Word), um deinen Mietzins zu senken.

Nebenkosten in einer Mietwohnung

Im Mietvertrag müssen alle Leistungen aufgelistet sein, die du als Vermieterin oder Vermieter in den Nebenkosten verrechnest. Sie können pauschal oder akonto in Rechnung gestellt oder in den Mietzins integriert werden. Mit den Nebenkosten darfst du als Vermieterin oder Vermieter keinen Gewinn erzielen. Als Nebenkosten gelten Ausgaben, die mit dem Gebrauch des Mietobjekts anfallen (Artikel 4–8 der Verordnung über die Miete und Pacht von Wohn- und Geschäftsräumen VMWG), unter anderem

  • Heiz- und Warmwasserkosten inklusive Reinigung, Wartung und Administration,
  • Beleuchtung der allgemeinen Räume,
  • Betriebs- und Servicekosten für Lift oder Waschmaschine,
  • TV-/Radio-Kabelanschluss,
  • Gartenunterhalt,
  • Hauswartinnen und Hauswarte und
  • Regenabwassergebühr.

Wichtig ist, dass du als Vermieterin oder Vermieter die einzelnen Kostenpunkte im Mietvertrag auflistest. Die Posten müssen nicht beziffert werden, ein Total für die Akontozahlung reicht. Nebenkosten, die nicht anfallen, dürfen nicht aufgeführt werden. Vergisst du als Vermieterin oder Vermieter zum Beispiel, die Treppenhausreinigung aufzulisten, muss die Mieterin oder der Mieter sie nicht bezahlen. Nicht verrechnen darfst du als Vermieterin oder Vermieter den eigentlichen Unterhalt der Liegenschaft und die Gebäude- beziehungsweise Haftpflichtversicherungen ausser die Versicherung der Heizanlage. Wertvermehrende Investitionen sind über eine Mietzinserhöhung abzurechnen.

Nebenkostenabrechnung

Die meisten Vermieterinnen und Vermieter verlangen Akontozahlungen. Als Mieterin oder Mieter zahlst du jeden Monat einen vereinbarten Betrag, der an die jährlichen Nebenkosten angerechnet wird. Die Vermieterin oder der Vermieter muss mindestens einmal im Jahr alle Kosten auflisten und abrechnen. Sie oder er kann die Differenz zu den Vorauszahlungen einfordern oder muss sie zurückzahlen, falls du als Mieterin oder Mieter zu viel einbezahlt hast. Die Pauschale entspricht dem Durchschnittswert der letzten drei Jahre. Will die Vermieterin oder der Vermieter sie erhöhen, weil beispielsweise die Kosten für Strom oder Heizöl gestiegen sind, muss sie oder er den Mietzins auf einen ordentlichen Kündigungstermin hin mit dem amtlich genehmigten Formular ändern.

In einem Mehrfamilienhaus ist es schwierig, die Nebenkosten gerecht aufzuteilen. Wer wenig badet, beteiligt sich an den Warmwasserkosten seiner viel badenden Nachbarinnen und Nachbarn. Dafür gibt er oder sie vielleicht der Hausmeisterin oder dem Hausmeister mehr Arbeit als andere. Wer seine Wäsche in den Waschsalon bringt, zahlt in der Regel trotzdem für die hauseigene Waschmaschine. Dafür benützt er oder sie vielleicht den Lift häufiger als sein oder ihr viel waschender Nachbar oder seine oder ihre viel waschende Nachbarin. Unter dem Strich und über das Jahr gleichen sich solche Unterschiede mehr oder weniger aus.

Service Teaser Lage de

Willst du wissen, wie attraktiv dein Wohnort wirklich ist?

Analysiere Immobilienpreise, Steuern und Lebensqualität deiner Gemeinde und triff fundierte Entscheidungen für dein Zuhause.

Die Rechte der Beteiligten

Vermieterinnen und Vermieter dürfen mit den Nebenkosten keinen Gewinn erwirtschaften, nur mit der Pauschale: Als Mieterin oder Mieter musst du akzeptieren, dass die Vermieterin oder der Vermieter einen bescheidenen Gewinn erzielt, dafür nimmt sie oder er das Risiko eines Verlustes auf sich. Bei Akontozahlungen hast du als Mieterin oder Mieter das Recht, die Rechnungsbelege einzusehen und den Verteilschlüssel zu kontrollieren. Das Recht zur Anfechtung der Nebenkostenabrechnung ist unbefristet, der Rückforderungsanspruch für zu viel bezahlte Nebenkosten verjährt nach einem Jahr. Falls es zu Unstimmigkeiten kommt, kannst du dich als Mieterin oder Mieter an das Mietamt der Gemeinde wenden. Das Mietamt als Schlichtungsbehörde kann versuchen, eine gütliche Einigung zwischen den Parteien zu erzielen, das Verfahren ist kostenlos.

Service Teaser Dateien de

Hast du alle wichtigen Unterlagen zu deinem Zuhause griffbereit?

Speichere Verträge, Rechnungen und Pläne sicher an einem Ort und finde alles in Sekunden wieder.

Häufige Fragen

Newsletter V2 500x500px Pos

Tipps für dein Zuhause

Abonniere unseren Newsletter und erhalte regelmässig Tipps rund um dein Zuhause.