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Interview Haustechnik: Heizung, Lüftung und Wärmepumpe

Interview ca. 7 Leseminuten in Zusammenarbeit mit Robert Diana, Schweizerisch-Liechtensteinischer Gebäudetechnikverband suissetec
Konzentrierter Mann wartet eine Wärmepumpe

Wer ein Haus besitzt, muss sich früher oder später mit der Haustechnik beschäftigen – sei es beim Heizungsersatz, bei einem Um- oder Neubau. Was alles dahinter steckt und worauf es bei der Wahl von Heiz- oder Kühlsystemen ankommt, weiss Robert Diana, Leiter Fachbereich Heizung beim Schweizerisch-Liechtensteinischen Gebäudetechnikverband suissetec. Im Interview gibt er fundierte Einblicke in aktuelle Entwicklungen, energetische Optimierungsmöglichkeiten und erklärt, weshalb die Wärmepumpe heute oft die erste Wahl ist.

Experte in diesem Interview

Robert Diana
Schweizerisch-Liechtensteinischer Gebäudetechnikverband suissetec

Als langjähriger Leiter Fachbereich Heizung + Zentrale Kommission Planer beim Schweizerisch-Liechtensteinischer Gebäudetechnikverband (suissetec) hat Robert Diana viel Erfahrung rund um die verschiedenen Bereiche der Haustechnik gesammelt.

Das Wichtigste in Kürze

  • Haustechnik umfasst Heizung, Lüftung, Sanitär und Elektro. Sie sorgt für Komfort, Sicherheit, Gesundheit und eine möglichst hohe Energieeffizienz im Gebäude.
  • Bei der Wahl des Heizsystems spielen der energetische Zustand des Gebäudes, die Verfügbarkeit von Energieträgern, gesetzliche Vorgaben sowie Investitions- und Betriebskosten eine zentrale Rolle. Eine Fachberatung hilft, die passende Lösung zu finden.
  • Die Wärmepumpe gilt heute oft als erste Wahl. Sie arbeitet energieeffizient, benötigt vergleichsweise wenig Wartung und kann bei geeigneten Systemen im Sommer auch zur Kühlung eingesetzt werden.
  • Mit einer optimierten Heizungsregelung, angepassten Raumtemperaturen und einem hydraulischen Abgleich lässt sich der Energieverbrauch deutlich senken. Beim Kühlen helfen vor allem Sonnenschutz und nächtliches Lüften, den Bedarf zu reduzieren.
  • Die regelmässige Wartung von Heizungs- und Lüftungsanlagen verlängert deren Lebensdauer, verbessert die Energieeffizienz und hilft, Schäden sowie unnötige Kosten zu vermeiden. Zudem gelten für fossile Heizungen je nach Kanton zunehmend strengere Vorschriften.

Robert Diana, Haustechnik umfasst viele verschiedene Bereiche – was versteht man genau unter diesem Begriff?

Der Begriff Haustechnik – auch Gebäudetechnik genannt – bezeichnet die Gesamtheit aller technischen Einrichtungen in einem Gebäude, die für dessen Betrieb und Nutzung notwendig sind. Dazu zählen Heizung, Lüftung, Sanitär und Elektro. Das Ziel der Haustechnik ist es, Komfort, Sicherheit, Gesundheit und Energieeffizienz in Wohn-, Gewerbe- oder Industriegebäuden zu gewährleisten. 

Die Wahl des richtigen Heizsystems ist eine wichtige Entscheidung für Hausbesitzende. Was sind die wichtigsten Überlegungen, die bei der Wahl des Heizsystems berücksichtigt werden sollten?

Bei der Auswahl eines geeigneten Heizsystems sind eine Vielzahl technischer, wirtschaftlicher und ökologischer Faktoren zu berücksichtigen. Eine fundierte Entscheidung erfordert eine ganzheitliche Betrachtung des Gebäudes, seiner energetischen Eigenschaften sowie der individuellen Nutzerbedürfnisse. Zum einen ist der energetische Zustand und Gebäudetyp wichtig; beispielsweise, ob es sich dabei um einen Altbau oder einen Neubau handelt. Dann spielen die Wahl und Verfügbarkeit des Energieträgers eine entscheidende Rolle. Sollen es erneuerbare Energien wie Wärmepumpe, Solarthermie oder Pellets sein, ist Fernwärme verfügbar oder fällt die Wahl auf fossile Brennstoffe? Letztere werden zunehmend eingeschränkt durch gesetzliche Vorgaben. Darum muss man die aktuellen gesetzlichen Anforderungen und zukünftigen Entwicklungen auf nationaler Ebene bei der Systemwahl berücksichtigen. Im Zuge der Energiewende sind die ökologischen Aspekte zu beachten. Diese rücken die CO₂-Bilanz und die Umweltverträglichkeit in den Fokus. 
 
Nicht zu vergessen sind die technische Kompatibilität und Systemintegration. Denn das Heizsystem muss mit der bestehenden oder geplanten Gebäudetechnik kompatibel sein. Neben den Anschaffungskosten, die Installation und eventuelle bauliche Anpassungen beinhalten, sind die laufenden Kosten zu analysieren. Dazu kommen die volatilen Energiepreise, Wartungs- und Instandhaltungskosten sowie Fördermöglichkeiten beispielsweise von staatlichen Zuschüssen oder zinsgünstige Darlehen.

Eine energetische Bewertung sowie eine qualifizierte Fachberatung beispielsweise durch eine Gebäudetechnikplanerin oder einen -planer, einen Installationsbetrieb oder eine Energieberaterin oder einen Energieberater sind unbedingt zu empfehlen, um eine technisch wie wirtschaftlich optimierte Heizlösung zu realisieren. Ich empfehle auch, einen Lebenszyklus-Kostenvergleich zu machen, um wirtschaftlich tragfähige Entscheidungen zu treffen. 

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Was spricht für eine Bodenheizung und welche Herausforderungen gibt es bei der Installation?

Eine Fussbodenheizung mit Warmwasser ist eine moderne, komfortable und energieeffiziente Heizlösung. Sie wird häufig im Neubau, aber auch zunehmend bei Sanierungen eingesetzt.  

Die Fussbodenheizung bietet einige Vorteile: Es findet eine gleichmässige Wärmeverteilung im Raum statt, die durch Strahlungswärme statt Konvektion als besonders behaglich empfunden wird. Sie wird mit niedrigen Vorlauftemperaturen von ca. 30–35 °C betrieben, was sie besonders effizient in Kombination mit Wärmepumpen macht. Die Fussbodenheizung ist zudem ideal für moderne Architektur mit offenen Grundrissen, da sie keine sichtbaren Elemente hat. 
Bei der Installation gibt es einige Herausforderungen. Der Fussbodenheizung muss exakt auf den Wärmebedarf und die Gebäudedämmung abgestimmt werden. Der hydraulische Abgleich und Regelung erfordern fachgerechte Planung. Die Erwärmung und Abkühlung dauern länger als bei konventionellen Heizkörpern und Temperaturänderungen sind weniger schnell umsetzbar.

Je nach System entsteht eine zusätzliche Aufbauhöhe durch Dämmung, Rohre und Estrich. Besonders bei Altbausanierungen ist die Bodenhöhe oder Tragfähigkeit – etwa bei Holzbalkendecken – ein kritisches Thema. Bestehende Bodenbeläge und Estrich müssen häufig entfernt werden. Dadurch sind die Kosten und der Bauaufwand deutlich höher als bei Heizkörpern, weshalb hochwertige Materialien und eine fachgerechte Verlegung besonders wichtig sind. 

Stichwort «kontrollierte Wohnungslüftung»: Was ist das genau und wie funktioniert das in der Praxis?

Eine kontrollierte Wohnungslüftung ist ein technisches Lüftungssystem, das dafür sorgt, dass in Wohnräumen kontinuierlich frische Luft zugeführt und verbrauchte, feuchte oder schadstoffbelastete Luft abgeführt wird, ohne dass Fenster geöffnet werden müssen.

Eine kontrollierte Wohnungslüftung ist besonders in energieeffizienten, luftdichten Gebäuden unverzichtbar. Sie verbessert die Luftqualität, schützt die Bausubstanz und hilft, Energie zu sparen. Moderne Anlagen sind leise, automatisch geregelt und bei richtiger Planung komfortabel und wartungsarm. In lärmbelasteten Gebieten ermöglicht eine Wohnungslüftung in der Nacht bei geschlossenen Fenstern einen ruhigen Schlaf. 

Wie kann man Heiz- und Kühlsysteme optimieren, um den Energieverbrauch zu minimieren?

Bei den Wohnhäusern gibt es drei Punkte, die man beachten sollte:  
Die Räume sollten nicht überheizt werden. Jedes zusätzliche Grad Raumtemperatur erhöht den Energieverbrauch um bis zu 6%. Die Temperaturen für Wohnräume betragen 20–21°C, im Schlafzimmer 16–18°C und in Nasszellen wie Bad oder Dusche 22-23°C.

Bei der Wärmeerzeugungsanlage kann die Heizkurve optimiert werden, damit sie nicht zu hoch eingestellt ist. Die Heizgrenze bestimmt, bei welcher Aussentemperatur die Heizung einschaltet. Diese ist oft auf 20°C eingestellt. Die Heizgrenze lässt sich aber je nach Gebäude problemlos auf 16° C oder tiefer senken. EnergieSchweiz bietet dafür hilfreiche Tools an. 
Wer noch weiter gehen möchte, kann überprüfen, ob die Heizung hydraulisch richtig abgeglichen ist und die Wassermengen korrekt eingestellt sind. Hier lässt sich viel Energie sparen. Bei einem Einfamilienhaus dauert das mit einer erfahrenen Fachperson wenige Stunden. 

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Und welche Möglichkeiten gibt es bei Kühlsystemen, um Energie zu sparen?

Die beste Kühlung in Wohnräumen, ist diejenige, die nicht benötigt wird. Aussenliegende Sonnenschutzsysteme wie Rollläden, Jalousien oder Markisen können den Wärmeeintrag bis zu 75 % reduzieren. Lüften in den kühlen Nachtstunden, um gespeicherte Wärme abzuführen, reduziert den Kühlbedarf zusätzlich.

Mechanische Kühlsysteme wie mit reversiblen Wärmepumpen, die im Winter heizen und im Sommer kühlen, finden eine immer grössere Verbreitung. Diese Wärmepumpen können beispielsweise über die Fussbodenheizung die Wohnräume bis zu einem bestimmten Grad kühlen. Das Kühlen mit der Fussbodenheizung hat allerdings seine Grenzen. Die Regulierung muss sicherstellen, dass im Unterlagsboden kein Kondenswasser entsteht, denn Schäden des Fussbodens können sehr teuer werden. Schon bei geringen Temperaturdifferenzen zur Aussentemperatur empfinden viele Anwenderinnen und Anwender einen angenehmen Effekt. Die Luftfeuchtigkeit kann beim Kühlen über die Fussbodenheizung allerdings nicht beeinflusst werden. Hohe Luftfeuchtigkeit bei hohen Temperaturen werden oft als unangenehm empfunden. 

Welche Heizsysteme sind besonders wartungsarm und erfordern nur wenig Pflege?

Wärmepumpen weisen klar den geringsten Wartungsaufwand auf. Jährlich sind die Wasserfilter der Wärmetauscher zu reinigen und nach spätestens 7 Jahren der Kältekreislauf auf Dichtheit zu prüfen. Auch ein Fernwärmeanschluss benötigt wenig Wartung. Periodisch sollen der Wärmetauscher und die Regelventile und der Wasserfilter überprüft werden.  
Bei einer Öl- oder Gasheizung ist der Wartungsaufwand höher. Regelmässige Prüfung des Kamins, des Brenners und bei Ölheizungen des Brennstofftanks erhöhen die Kosten. Der grösste Wartungsaufwand entsteht bei Pellet- und Holzschnitzelfeuerungen. Die regelmässige Reinigung des Brennraums, die Entsorgung der Asche, die Wartung der Gebläse und Förderschnecken, sowie die häufigere Prüfung und Reinigung des Kamins verursachen höhere Kosten. 

Wie wichtig ist die regelmässige Wartung von Haustechnikanlagen wie beispielsweise Heizungs- oder Lüftungssystemen?

Die Wärmepumpe ist eine Maschine, vergleichbar mit einem Auto, das man ja periodisch warten lässt. Genauso ist es bei der Wärmepumpe. Schlecht oder nicht gewartete Maschinen führen zu einer verminderten Energieeffizienz, erhöhen das Risiko von Verschleiss und Folgeschäden und verkürzen damit die Lebensdauer erheblich.

Auch bei Öl- und Gasheizkesseln müssen jährlich Kontrollen gemacht werden. Der Kamin und die Brennerdüsen sind regelmässig zu prüfen und zu reinigen. Damit wird sichergestellt, dass die gesetzlichen Vorgaben der Luftreinhalteverordnung eingehalten werden und die Geräte sicher und effizient funktionieren.

Bei den Lüftungssystemen ist es wichtig, mindestens einmal pro Jahr die Filter zu wechseln. Lüftungsanlagen mit verschmutzten Filtern oder verkeimten Wärmetauschern können die Raumluftqualität massiv verschlechtern. 

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Welche gesetzlichen Vorgaben oder Einschränkungen gibt es aktuell für den Einbau oder Weiterbetrieb von Ölheizungen?

Das ist von Kanton zu Kanton unterschiedlich. Die einen – beispielsweise die Kantone Zürich und Basel-Stadt – lassen bei einem Ersatz keine fossilen Heizungen zu. Ausnahmebewilligungen sind zwar möglich, aber nicht einfach zu bekommen. Einige Kantone machen Auflagen beim 1:1 Ersatz von fossilen Wärmerzeugungsanlagen. Beispielsweise müssen im Kanton Luzern beim Ersatz eines fossilen Wärmeerzeugers mindestens 10 % des Wärmebedarfs aus erneuerbaren Quellen stammen – oder alternativ der Wärmebedarf um mindestens 10 % gesenkt werden. Schaut sich das ein Bauherr genau an, merkt er schnell, dass man besser direkt auf erneuerbare Energien umsteigt, da diese Heizsysteme über die gesamte Lebensdauer der Anlage günstiger sind. Darum meine Empfehlung: unbedingt auf erneuerbare Energie umsteigen – Fossil ist nicht mehr zeitgemäss.

Für Hausbesitzerinnen und Hausbesitzer empfehle ich die lokale und kantonale Energiegesetzgebung beachten und den Heizungsersatz frühzeitig planen. Bund und Kantone fördern erneuerbare Ersatzsysteme. Einige Finanzinstitute gewähren Rabatte auf Hypotheken beim Umstieg auf erneuerbare Energien. 

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