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Interview Energiesparen: Stromfresser im Haushalt erkennen

Interview ca. 6 Leseminuten in Zusammenarbeit mit Eva Geilinger, Bundesamt für Energie BFE
Beim Wäsche waschen lässt sich viel Energie sparen

Kochen, Kühlen, Konsumieren: Der Energieverbrauch in privaten Haushalten ist geprägt von alltäglichen Gewohnheiten. Wer dabei Strom sparen will, muss aber nicht zwingend auf Bequemlichkeit verzichten – sondern vor allem wissen, wo sich Einsparpotenziale befinden. Eva Geilinger, Fachspezialistin für Stromeffizienz beim Bundesamt für Energie BFE, teilt im Interview Tipps und Anregungen.

Expertin in diesem Interview

Eva Geilinger ist Fachspezialistin für Stromeffizienz

Eva Geilinger
Bundesamt für Energie BFE

Eva Geilinger ist Fachspezialistin für Stromeffizienz beim Bundesamt für Energie BFE. Ihr Fachgebiet umfasst die effiziente Stromnutzung in Haushalten.

Das Wichtigste in Kürze

  • Strom sparen beginnt bei Alltagsgewohnheiten, viele heimliche Stromfresser wie Luftentfeuchter, vernetzte Geräte im Standby oder falsch eingestellte Kühlschränke treiben den Verbrauch unnötig in die Höhe.
  • Beim Kühlschrank, bei der Kaffeemaschine und beim Warmwasser liegt grosses Sparpotenzial, 7 Grad reichen im Kühlschrank, Geräte sollten ganz ausgeschaltet werden und kürzer sowie weniger heiss duschen senkt den Energiebedarf deutlich.
  • LED-Beleuchtung ist bis zu 20-mal effizienter als Glühlampen, wichtig ist jedoch, nur dort zu beleuchten, wo Licht wirklich gebraucht wird, und unnötige Lichtquellen konsequent auszuschalten.
  • Auch beim Kochen und Aufwärmen lässt sich Energie sparen, indem du nicht unnötig vorheizt, Restwärme nutzt, mit Isolierpfannen arbeitest oder für Teewasser den Wasserkocher statt die Mikrowelle verwendest.
  • Wer Eco-Programme bei Geschirrspüler und Waschmaschine nutzt und Geräte bewusst einsetzt, reduziert den Stromverbrauch um bis zu 30 Prozent, kleine Gewohnheitsänderungen machen im Haushalt langfristig einen grossen Unterschied.

Welche Geräte sind heimliche Stromfresser?

Dass geheizte Geräte viel Strom brauchen, ist wohl keine grosse Überraschung – sprich: Saunas, Kaffeetassenwärmer und so weiter. Wer ein Aquarium hat, dürfte ebenfalls Bescheid wissen über den hohen Stromverbrauch.

Wenig bekannt ist hingegen vielleicht, dass Luftentfeuchter sehr viel Strom verbrauchen – besonders, wenn sie beim Erreichen des Soll-Werts nicht zuverlässig abschalten oder wenn sie falsch genutzt werden. Wenn die Fenster offen sind, entfeuchtet das Gerät auch noch die Umgebungsluft. Das ist Energieverschwendung.

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Wie beeinflussen Internet und Standby den Stromverbrauch?

Geräte, die mit dem Internet oder WLAN-Netzwerk verbunden sind, verbrauchen im Standby-Modus viel mehr Energie als Geräte, die nicht vernetzt sind. Darum sollte man Drucker, Fernsehgeräte und – wenn es geht – Modem und Router ganz ausschalten. Positiv ist, dass dank europaweiten Vorschriften die Geräte immer weniger Standby-Energie verschwenden.

Die Nutzung des Internets braucht ebenfalls sehr viel Strom. Hier hilft beispielsweise, einfache Suchen im Browser zu machen anstatt im KI-Chat. Und mit kleiner Auflösung oder an kleineren Bildschirmen zu streamen.

Wie stelle ich den Kühlschrank richtig ein?

Eine Temperatur von 7 Grad im Kühlschrank reicht. So wird der Strom zum Kühlen effizient eingesetzt, ohne die Haltbarkeit der Lebensmittel einzuschränken. Nur lässt sich bei vielen Geräten die Temperatur nicht gradgenau einstellen. Wir raten deshalb, ein Kühlschrankthermometer zu Hilfe zu nehmen – zu platzieren oben in der Mitte, nicht direkt an der Rückwand. Oder aber man reduziert die Temperatur stufenweise, bis die Butter, wenn im obersten Fach der Türe gelagert, streichbar ist. Dort ist der wärmste Ort im Kühlschrank. So liegt man richtig mit der Kühlschrank-Temperatur.

Neben der richtigen Temperatureinstellung gibt es weitere Spartipps: Erstens: Tür nur kurz öffnen – jede Sekunde zählt, denn warme Luft strömt ein und muss wieder heruntergekühlt werden. Eine gute Kühlschrank-Organisation hilft. Zweitens: Warme Speisen erst abkühlen lassen, bevor sie in den Kühlschrank kommen. Gefriergut frühzeitig in den Kühlschrank legen, statt bei Raumtemperatur aufzutauen. Und zu guter Letzt: Achte beim Neukauf eines Kühlschranks auf die Energieetikette. Klasse A ist am besten.

Wie viel Strom verbraucht eine Kaffeemaschine?

Energieeffiziente Kaffeemaschinen der Klassen A, A+ oder A++ verbrauchen zwischen 35 und 65 Kilowattstunden Strom im Jahr. Das ist ähnlich viel wie 30-mal Pizza backen oder 100 Waschgänge in einer modernen Waschmaschine. In den letzten 20 Jahren hat eine enorme technische Entwicklung stattgefunden. Dabei hat auch die Energieetikette geholfen, die die Energieeffizienz der Geräte angibt. Für Kaffeemaschinen gibt es diese Etikette nur in der Schweiz.

Ausserdem müssen in ganz Europa die Haushaltskaffeemaschinen von Gesetzes wegen nach maximal 30 Minuten automatisch in einen Stromsparmodus schalten. Trotzdem sollen Kaffeemaschinen nach Gebrauch von Hand ausgeschaltet werden, um keinen Strom zu verschwenden. Die Zeit bis zum Auto-Off soll so kurz wie möglich eingestellt werden. Förderlich ist es auch, die Maschine regelmässig zu entkalken.

Wie kann ich mit Wasser Energie sparen?

Um einen Kubikmeter Trinkwasser bereitzustellen, braucht es 0.45 Kilowattstunden Strom. Im Vergleich dazu braucht es 50 Kilowattstunden Energie, um diese Menge auf 50 °C Brauchwarmwasser zu erwärmen, also deutlich mehr. Das ist eine Schätzung des Fachverbands für Wasser, Gas und Wärme SVGW.

Tatsächlich ist das Warmwasser nach der Heizung der zweitgrösste Energiefresser im Haushalt. Bei sehr gut isolierten Gebäuden kann die Warmwasseraufbereitung sogar am meisten Energie verbrauchen. Die gängigen Tipps zum Wasser sparen im Bad bringen darum viel – konkret: weniger heiss und kürzer duschen, beim Einseifen Wasser abstellen, seltener baden.

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Welche Beleuchtung ist besonders energieeffizient?

LED-Licht ist heute 20-mal effizienter als die Glühlampe. Eine derart starke Energieeffizienzsteigerung gibt es bei keinem anderen Energieverbraucher. Es ist wichtig, dass wir uns dadurch nicht dazu verleiten lassen, immer mehr und helleres Kunstlicht zu nutzen. Den eingesparten Strom – stattliche 2.7 Terawattstunden in den letzten zehn Jahren, künftig im günstigsten Fall nochmals 1 TWh – benötigen wir dringend anderweitig, insbesondere für die Dekarbonisierung des Verkehrs und der Gebäude.

Zum Beleuchten von Tischen und Arbeitsflächen nimmt man mit Vorteil Leuchten, die nahe positioniert sind, wo sie Licht bringen sollen, also Pendelleuchten, Tisch- und Leseleuchten oder Lichtleisten unter Küchenschränken. Ambiance-Licht kann man mit mehreren kleinen Leuchten schaffen, die im Raum verteilt sind. Und dann abschalten, was nicht gebraucht wird.

Was sollte man zu LED unbedingt wissen?

Damit es mit LED keine Enttäuschungen gibt, muss man auswählen, ob man eine dimmbare Lampe braucht oder nicht, und welche Lichtfarbe passt. Leuchten für alte Stecksockelhalogenlampen brauchen möglicherweise ein neues Betriebsgerät, damit sie fehlerfrei mit LED-Lampen funktionieren.

Neu ist auch die Wahl, ob man die Lampen selbst austauschen können will oder nicht. Es gibt sehr schöne, innovative Leuchtendesigns mit fix integrierten LED, die oft auch eine hohe Qualität haben und repariert werden können. Ob sie in 20 Jahren noch mit neuen Leuchtmitteln bestückt werden können, ist allerdings offen.

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Wie kann ich beim Kochen Energie sparen?

Backen ist energieintensiv, das ist klar. Man sollte daher nicht unnötig vorheizen und die Hitze für die letzten zehn Minuten ausschalten. Geschmack und Freude sollen hier aber Vorrang haben – ich will schliesslich niemandem das Lieblingsrezept vermiesen. Hier dafür ein etwas anderer Blickwinkel: Im alten Pompei hatten römische Mittelschichtshaushalte keine eigene Küche, sondern die Leute verpflegten sich für die warmen Mahlzeiten in Garküchen und Tavernen. Grossküchen sind wegen dem Mengeneffekt effizienter. Ein guter Grund, auswärtige Mahlzeiten noch mehr zu geniessen.

Zu den Mikrowellen ist vielleicht interessant zu wissen: Sie wärmen Essen sehr effizient auf, aber für das Teewasser ist der Wasserkocher besser.

Welche Töpfe und Pfannen sparen Strom?

Ich persönlich bin ein Fan von Isolierpfannen. Sie haben eine doppelte Wand, was sie zwar schwer macht, dafür speichern sie die Wärme gut. Man kann den Herd frühzeitig ausschalten und die Mahlzeit kocht sich in der Pfanne von allein fertig – ohne dass das Essen verkocht oder anbrennt. Vergleichsmessungen zeigten 60 Prozent Energieeinsparung gegenüber normalen Pfannen.

Gibt es abschliessende Tipps zum Energiesparen?

In einem Haushalt sind sehr viele Elektrogeräte im Einsatz. Wer anfängt, mit Energie achtsam umzugehen und sich die richtigen Handgriffe zur Gewohnheit macht, wird automatisch weitere Potenziale aufdecken – beispielsweise Licht ausschalten, wenn man nicht im Raum ist oder Ladegerät aus der Steckdose ziehen, wenn man nicht am Aufladen ist.

Wenn es sich in den Tagesablauf einfügen lässt, nutzt man am besten die Eco-Programme beim Geschirrspüler und der Waschmaschine. Diese dauern viel länger, häufig etwa vier Stunden. Sie brauchen aber nicht etwa mehr Strom, sondern ungefähr 30 Prozent weniger als Standardprogramme. Je schneller es gehen muss, desto heisser und mit mehr Wasser wird gewaschen.

An wen kann man sich bei weiteren Fragen wenden?

Auf www.energieschweiz.ch findet sich eine Fülle an weiteren Informationen. Zusätzlich gibt es die kostenlose Infoline von EnergieSchweiz, wo Fachpersonen weitere Energiefragen beantworten.

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