myky

Interview Hauskauf: Das rät der HEV-Experte

Interview ca. 8 Leseminuten in Zusammenarbeit mit Stefan Aeschi, Hauseigentümerverband Schweiz (HEV)
interview hauskauf

Ein Hauskauf bietet zahlreiche Möglichkeiten, den Wohntraum vom Eigenheim zu verwirklichen, birgt jedoch auch Fragen zu Rechten, Pflichten und Vor- und Nachteilen von Wohneigentum und den verschiedenen Haustypen. Stefan Aeschi, Experte für Bau- und Energietechnik beim Hauseigentümerverband Schweiz, beantwortet im Gespräch die häufigsten Fragen zu diesem Thema.

Experte in diesem Interview

Stefan Aeschi, Hauseigentümerverband Schweiz HEV

Stefan Aeschi
Hauseigentümerverband Schweiz (HEV)

Dipl. Architekt ETH/SIA Stefan Aeschi ist Experte für Bau- und Energietechnik beim Hauseigentümerverband Schweiz (HEV). Er berät zu Fragen rund um Bauen, Sanieren und Energie im Gebäudebereich.

Das Wichtigste in Kürze

  • Beim Hauskauf stehen verschiedene Haustypen zur Auswahl, vom freistehenden Einfamilienhaus über Stockwerkeigentum bis zum Mehrfamilienhaus. Entscheidend sind deine Bedürfnisse, deine Lebenssituation und ob du selbst wohnen oder investieren willst.
  • Die Wahl zwischen Einfamilienhaus und Eigentumswohnung beeinflusst deine Freiheit und Verantwortung. Im Alleineigentum triffst du alle Entscheide selbst, trägst aber auch sämtliche Kosten, im Stockwerkeigentum teilst du Unterhalt und Kosten, bist jedoch an die Gemeinschaft gebunden.
  • Neben dem Kaufpreis fallen beim Immobilienkauf einmalige Kosten wie Notariatsgebühren und Grundbucheintrag sowie laufende Kosten für Betrieb, Unterhalt und Rückstellungen an. Eine sorgfältige Prüfung von Dokumenten, Lage und Zustand schützt dich vor bösen Überraschungen.
  • Ein Reservationsvertrag verpflichtet oft zu einer Anzahlung, bietet aber wenig rechtliche Sicherheit. Achte auf Bonität der Verkäuferschaft und bestehe auf einem Sperrkonto, um dein Risiko zu minimieren.
  • Ob Kauf ab Plan, Immobilie im Ausland oder Tiny House, jede Wohnform bringt spezifische Chancen und Risiken mit sich. Prüfe langfristige Nutzbarkeit, Finanzierung, rechtliche Rahmenbedingungen und deine persönliche Zukunftsperspektive sorgfältig.

Stefan Aeschi, welche Haustypen stehen beim Kauf zur Auswahl und wie finde ich heraus, welcher am besten zu mir passt?

Gebäude können aus verschiedenen Perspektiven typisiert werden. Vordergründig sind im Zusammenhang mit einem Kauf sicher die Bautypologie und die Nutzungsart sowie die Frage, ob es sich um einen Neubau oder einen Bestandsbau handelt. Bautypologisch wird im Bereich von Wohnbauten unterschieden zwischen freistehenden Einfamilienhäusern (EFH), zusammengebauten Einfamilienhäusern (Doppel-EFH, Reihenhaus), Wohnungen im Stockwerkeigentum, Mehrfamilienhäusern und Gebäuden mit gemischter Nutzung.

Beim Kauf spielt aber immer auch die Nutzungsart eine Rolle. Das bedeutet, dass die Anforderungen an selbst bewohntes Wohneigentum und Renditeobjekte sehr unterschiedlich sein können. Um den passenden Haustyp zu finden, ist eine vorgängige Analyse der persönlichen Bedürfnisse, der Lebenssituation und des Zeithorizonts wichtig. Die Bedürfnisse gilt es anschliessend zu priorisieren, zum Beispiel Autarkiegrad oder Nachbarschaft, um das dazu passende Objekt zu finden.

Welche Vor- und Nachteile hat der Kauf einer Eigentumswohnung im Vergleich zu einem Einfamilienhaus?

Eigentumswohnungen sind meist etwas günstiger im Erwerb, jedoch ist darauf je nach Lage zunehmend kein Verlass mehr. Die Vor- und Nachteile liegen deshalb prinzipiell in den Auswirkungen der Eigentumsform und des Unterhalts. Beim Einfamilienhaus liegen sämtliche Entscheidungen uneingeschränkt in der Kompetenz der Eigentümerin oder des Eigentümers. Dafür liegen aber auch sämtliche Betriebs- und Unterhaltskosten sowie der physische Unterhaltsaufwand einzig bei der Eigentümerin oder dem Eigentümer, genauso wie die «Hausverwaltung».

Im Stockwerkeigentum gehört das Gebäude der Stockwerkeigentümergemeinschaft (STWEG), und viele Entscheide benötigen das Einverständnis der Gemeinschaft. Die einzelne Stockwerkeigentümerin oder der einzelne Stockwerkeigentümer ist in ihrem oder seinem Handeln demnach viel weniger frei als im Alleineigentum. Unterhalts- und Betriebskosten werden zwar geteilt, dafür muss nach Entscheid der STWEG zwecks Gebäudeunterhalt nach Wertquote in den Erneuerungsfonds einbezahlt werden, und die Verwendung des Fonds wird wiederum durch die STWEG bestimmt. Der grosse Nachteil beim Stockwerkeigentum wird meist erst spürbar, wenn die STWEG sich nicht einig ist und unterschiedliche Vorstellungen bezüglich zu treffender Massnahmen oder Anpassungen herrschen.

Welche einmaligen und laufenden Kosten sollten beim Kauf eines Hauses eingeplant werden?

Einmalig fallen nebst dem Kaufpreis kantonal unterschiedliche Gebühren für den Eintrag ins Grundbuch an. Zur Beurkundung der Schuldbriefe und für das Aufsetzen des Kaufvertrags ist meist eine Notarin oder ein Notar notwendig, die oder der den Aufwand abhängig vom Kaufpreis oder der Höhe des Schuldbriefes in Rechnung stellt. Die Grundstücksgewinnsteuer ist von der Verkäuferin oder dem Verkäufer zu bezahlen. Zu den laufenden Kosten zählen Werkgebühren (Wasser/Entsorgung usw.), Betriebskosten (Energie) sowie Unterhaltskosten und Rückstellungen für Sanierungsmassnahmen zum langfristigen Werterhalt.

Ratgeber Hauskauf

Hauseigentümer V4 500x500px Pos 72dpi

Darauf solltest du beim Hauskauf achten

In unserem praktischen Ratgeber (PDF) findest du alle wichtigen Informationen rund um einen Hauskauf.

Gratis Lage-Check

Ratgeber: Darauf solltest du beim Hauskauf achten

In unserem praktischen Ratgeber (PDF) findest du alle wichtigen Informationen rund um einen Hauskauf.

Was ist ein Reservationsvertrag und worauf sollte man dabei achten?

Reservationsverträge sind nicht öffentlich beurkundete Vorverträge, die Käuferinnen und Käufer zu Anzahlungen verpflichten und auf dem Rechtsweg nicht durchgesetzt werden können. Die Kaufinteressentin oder der Kaufinteressent kann die Anzahlung verweigern oder eine bereits geleistete Anzahlung zurückfordern. Wurde das Geld bereits anderweitig verwendet, besteht das Risiko, dass Käuferinnen und Käufer ihr Geld nie wieder zurückbekommen. Deshalb ist es ratsam, vor der Anzahlung Erkundigungen über die Bonität der Verkäuferin oder des Verkäufers einzuholen. Zudem sollte die Kaufinteressentin oder der Kaufinteressent mit der Verkäuferin oder dem Verkäufer vereinbaren, dass die Anzahlung auf ein Sperrkonto einbezahlt wird, über welches die Parteien nur gemeinsam verfügen können.

Die Kaufinteressentin oder der Kaufinteressent hat bei Vertragsrücktritt unter Umständen für die Kosten eines bereits angesetzten und nun hinfälligen Notariatstermins oder für die Kosten eines bereits durch eine Fachperson ausgearbeiteten Kaufvertrages aufzukommen. Ebenfalls abzugelten sind Leistungen der Verkäuferin oder des Verkäufers, die diese oder dieser auf Wunsch der Kaufinteressentin oder des Kaufinteressenten im Hinblick auf den späteren Kauf erbrachte. Die Vereinbarung eines Reservationsvertrags will daher wohl überlegt sein.

Wie oft sollte ein Haus vor dem Kauf besichtigt werden und welche Fragen sollten dabei geklärt werden?

Bei der Hausbesichtigung ist weniger die Häufigkeit entscheidend als die umfassende Betrachtungsweise. Fragen zum Zustand und zum Zukunftspotenzial des Gebäudes gehören genauso zu einer seriösen Abklärung wie das Klären der Mikro- und Makrolage, der Erschliessung und der Emissionen. Ein Augenschein mit offenen Ohren zu verschiedenen Tages- und Nachtzeiten und Überlegungen zu den von den Jahreszeiten abhängigen Schwankungen lohnen sich immer.

Letztlich lebt man auch im Einfamilienhaus meist in einer Nachbarschaft, sodass man sich auch diesbezüglich wohlfühlen sollte. Oft lohnt es sich, ausserhalb der ersten Euphorie auf sein Bauchgefühl zu hören, ob das Objekt auch zur momentanen und künftigen Lebenssituation passt.

Service Teaser Lage de

Willst du wissen, wie attraktiv dein Wohnort wirklich ist?

Analysiere mit dem myky Konto Immobilienpreise, Steuern und Lebensqualität deiner Gemeinde und triff fundierte Entscheidungen für dein Zuhause.

Wie können sich Käuferinnen und Käufer am besten auf eine Vertragsverhandlung vorbereiten?

Die Verkaufsdokumentation sollte umfassend und transparent über das Kaufobjekt informieren und die folgenden Unterlagen beinhalten: die Liegenschaftspläne, den Grundbuchauszug, inklusive der Grundbuchblätter allfälliger Dienstbarkeiten und anderer Rechte zugunsten und zulasten der Liegenschaft, Fotos der Liegenschaft, Angaben zum Alter der Liegenschaft und zur Bausubstanz, Verträge im Zusammenhang mit der Liegenschaft (Kaufvertrag, Mietvertrag, Werkvertrag etc.), allfällige Verfügungen und Urteile betreffend die Liegenschaft sowie eine Beschreibung der Besonderheiten der Liegenschaft.

Beim Stockwerkeigentum kommen die Protokolle, die Beschlüsse der Eigentümerversammlung, die Abrechnungen über die Gemeinschaftskosten vergangener Jahre, das Budget für das laufende Jahr sowie die Angaben zum Erneuerungsfonds hinzu. Die Durchsicht, vor allem auch der Versammlungsprotokolle, lohnt sich, da diese wichtige Informationen vermitteln, etwa über Sanierungsvorhaben, über frühere Erneuerungen und Renovationen oder über besondere Probleme der Gemeinschaft mit der Verwaltung oder mit einzelnen Eigentümerinnen und Eigentümern.

Fehlen der Käuferin oder dem Käufer wichtige Angaben, zum Beispiel Informationen über allfällige Dienstbarkeiten, sollte sie oder er diese unbedingt rechtzeitig bei der Verkäuferin oder dem Verkäufer verlangen. Ebenso zu empfehlen ist, bei der zuständigen Gemeinde einen Auszug aus dem Kataster für öffentlich-rechtliche Eigentumsbeschränkungen zu verlangen. Verkäuferinnen und Verkäufer werden zwar immer versuchen, die Vorteile ihrer Liegenschaft hervorzuheben, aber seriöse Verkäuferinnen und Verkäufer sollten auch allfällige Nachteile nicht verschweigen, zum Beispiel grösseren Sanierungsbedarf. Zudem kann es auch hilfreich sein, vor dem Kauf schon mal mit den Nachbarinnen und Nachbarn in Kontakt zu treten und sich mit ihnen auszutauschen.

Service Teaser Experten

Suchst du die richtigen Expertinnen oder Experten für dein Projekt?

Finde über dein myky Konto geprüfte Fachpersonen in deiner Nähe und erhalte Unterstützung für deine Sanierung oder Modernisierung.

Was gibt es beim Kauf einer Immobilie im Ausland zu beachten?

Wie bei jedem Hauskauf sind die Mikro- und Makrolage, die Erschliessung, die Infrastruktur, der Bauzustand sowie rechtliche und finanzielle Aspekte zu beachten. Speziell zu beachten beim Immobilienkauf im Ausland sind die geltende Gesetzgebung am Standort des Objektes, die Ganzjahressituation, die Erreichbarkeit, gegebenenfalls der Gebäudeunterhalt bei längeren Abwesenheiten und die Nachbarschaft. Da der lokale Markt oft unbekannt ist, lohnt es sich zudem, sich über ortsübliche Verkaufspreise zu informieren. Im Ausland funktioniert die Grundbuchführung nicht überall gleich und selten so lückenlos und handfest wie in der Schweiz, weshalb es sich lohnt, juristische oder notarielle Unterstützung zu holen. Nach dem Kauf sollte auf einen sofortigen Eintrag des Eigentümerwechsels im Grundstücksregister bestanden werden.

In puncto Finanzierung ist es wichtig, eine geeignete Bank zu finden, da Schweizer Banken oft keine Liegenschaften im Ausland finanzieren. Da macht es Sinn, eine ausländische Bank mit einem Sitz in der Schweiz oder lokale Banken vor Ort auszuwählen. Aufgrund höherer Zinsschwankungen ist mit einer maximalen Belehnung von 50 Prozent des Kaufpreises zu rechnen. Des Weiteren gibt es je nach Destination unterschiedliche steuerrechtliche Aspekte zu berücksichtigen.

Welche Vorteile und Risiken hat der Kauf von Wohneigentum ab Plan?

Der grosse Vorteil beim Kauf von Wohneigentum ab Plan, zum Beispiel eines Hauses ab Plan, gegenüber bereits erstellten Gebäuden liegt in der Möglichkeit, wenn auch in begrenztem Umfang und mit Zusatzkosten verbunden, Änderungen ins Projekt einfliessen zu lassen. Wohneigentumserwerbs ab Plan zum Bespiel einem Haus ab Plan gegenüber bereits erstellten Gebäuden liegt in der Möglichkeit, wenn auch in begrenztem Umfang und mit Zusatzkosten verbunden, Änderungen ins Projekt einfliessen zu lassen. Der grosse Nachteil liegt aber im Verständnis der Unterlagen und dem daraus resultierenden erforderlichen baulichen Raumgefühl. Für Laien ist es oft sehr schwierig, den Baubeschrieb, Längen, Höhen und Flächen zu interpretieren und die Raumwirkung zu erfassen. Meist sind auch für Küche, Sanitärapparate, Bodenbeläge etc. sogenannte Budgetpositionen ausgewiesen, die wenig Auskunft über die Preisgestaltung und den zu erwartenden Standard geben.

Es sollte deshalb nicht ungewiss bleiben, ob die Bedürfnisse der Käuferschaft innerhalb des Budgetrahmens liegen. Projekte ab Plan werden meist von einer General- oder Totalunternehmung angeboten, weshalb den Garantiebestimmungen besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden muss. Vielfach werden die Garantierechte der Käuferin oder dem Käufer übergeben, was nichts anderes heisst, als dass Mängel beim Subunternehmen direkt gerügt werden müssen. Der vordergründige Vorteil wird damit verdeckt zum Nachteil. Nebst den Zahlungsbedingungen sind die Seriosität und Bonität des Anbieters zu überprüfen.

Was sind «Tiny Houses» und was sollte man vor dem Kauf oder Bau eines solchen bedenken?

Tiny Houses bezeichnen Wohnbauten, die auf minimalem Raumbedarf maximalen möglichen Komfort bieten. Vor dem Hintergrund des verdichteten Bauens und dem Anspruch auf einen reduzierten persönlichen Wohnflächenbedarf sind Tiny Houses im Einzelfall eine sinnvolle, passende Wohnform. Als Massenprodukt bieten sie aber weder raumplanerisch noch bauökonomisch einen langfristigen städtebaulichen Mehrwert. Zumal ein Tiny House nicht zwangsläufig für günstigen Wohnraum steht. Die nötigen Werkanschlüsse und gebäudetechnischen Apparaturen sowie die eigene Erschliessung können nicht eingespart werden, einzig der umbaute Raum.

Hier gilt es sicher, die Gebrauchstauglichkeit und Nutzungsflexibilität langfristig zu betrachten und zu prüfen, ob sich diese Wohnform auch bei ändernden Lebensumständen noch eignet. Da diese Wohnform meist als Nachverdichtung auf bebauten, unternutzten Wohnbauparzellen erstellt wird, ist die direkte Nachbarschaft als nicht immer unproblematisch zu beurteilen.

Häufige Fragen

Tipps für dein Zuhause

Abonniere unsere Newsletter und erhalte regelmässig Tipps rund um dein Zuhause.

Ja, gerne
Newsletter v1 500x500 Pos

Bleibe zum Thema "Finanzieren & Kaufen" informiert

Abonniere unseren themenspezifischen Newsletter und erhalte regelmässig relevante Informationen rund um das Thema "Finanzieren & Kaufen".